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Die kleine Burg am Rande des ­östlichen Ringgebiets Freitag, 07 Dezember 2018 09:28 Foto: André Pause

Die kleine Burg am Rande des ­östlichen Ringgebiets

Der Tisch auf der Terrasse im Garten des Einfamilienhauses ist liebevoll gedeckt: rund um einen dekorativen Strauß Schnittblumen sind frisches Brot, leckere Salzbutter, würziger Weichkäse und Weintrauben drapiert. Die Gastgeber Christine Schourek und MediaWorld-Geschäftsführer Timo Grän sind Gourmets. »Ich bin dabei, meine Reisen kulinarisch auszurichten. Mein Traum ist es, dem Essen hinterherzufahren und nicht den Fotomotiven«, sagt der Hausherr. Für gutes Essen habe er einfach ein Faible. Teuer müsse es nicht zwangsläufig sein, darauf, dass es aus der richtigen Erde kommt und gut zubereitet ist, lege er allerdings schon Wert.



Beide seien sie eher häusliche Typen, berichtet Grän: »Chrissi noch mehr als ich.« Sie koche zu seiner Freude ausnahmslos alles und das auch noch exzellent.

Kennengelernt hat sich das Paar schon vor mehr als zehn Jahren, zusammengekommen sind sie freilich erst später. »Heute würde ich sie schon als Familienmanagerin beschreiben. Sie ist ganz klar das Zentrum, hat einen extrem guten Überblick und bemerkt sofort, wenn etwas anders ist als vorher. Es ist zwar nicht so, dass ich im Haushalt gar nicht mit anpacke, mal spüle oder koche, letztlich bin ich aber froh, dass sie Teile des alten Rollenbildes mag. Da wehre ich mich jetzt nicht. Offen gestanden, genieße ich es auch, was nicht zuletzt dem Umstand geschuldet ist, dass ich selbst viel arbeite«, beschreibt er sichtlich zufrieden. »Wir haben schon eine richtige Familienidylle.«

Schnell in der Stadt und auf der A 39

Im Oktober 2012 hat Grän das Eigenheim nach drei Jahren intensiver Suche bezogen. Ein Glücksfall, wie betont. Vorher habe ein älterer Mann hier gewohnt, der ohne Nachfahren verstarb. Der Immobilienverwalter taktete die Sache dann zwar nicht zum absoluten Schnäppchenpreis, letztendlich aber doch zu einem guten Kurs ein. »Wir buttern hier schon viel rein, wollen jetzt auch anbauen, ein bisschen mehr Fläche schaffen. Wenn sich nach hinten raus nicht alles auszahlt, ist das nicht super­tragisch: das ist unsere kleine Burg. Das bedeutet für uns Lebensqualität«, so der Agenturchef, der das gemütliche Domizil mit Lebensgefährtin Christine, deren Tochter Mila (5), seinen leib­lichen Kindern Mia (12) und Alexander (4) sowie Hund Josy bewohnt.

Für den bekennenden Regionsmenschen Timo Grän ist die ruhige Lage am Rande des östlichen Ringgebiets optimal. Wenige Minuten sind es in die Braunschweiger Innenstadt und die A 39 liegt quasi um die Ecke. Somit ist auch die Strecke nach Wolfsburg in wenigen Minuten zu schaffen.
Der Herausgeber und die Werbeagentur

Immerhin fünf Jahre lang hat die MediaWorld GmbH als Werbeagentur kontinuierlich für den dortigen VfL gearbeitet. Auch, wenn das Herausgebergeschäft mit drei Print-Formaten für Außenstehende sehr viel wahrnehmbarer ist. Einmal pro Jahr erscheinen seit 2007 die »Service-Seiten« als Fachmagazin-Reihe für die Themenbereiche »Gesundheit«, »Finanzen Steuern Recht« und »Immobilien«, »Stiftungen« und »Leben« alle vier Jahre. Mit diesen Publikationen – gemeinsam entwickelt mit PD Dr. Dr. Eduard Keese sowie Jugendfreund und Mitgesellschafter Rechtsanwalt Martin Voß – die von Experten verfasst und durch einen fachlichen Beirat geprüft werden, ist man seit Jahren erfolgreich auf Expansionskurs gegangen, unter anderem in Städte wie Hamburg und Düsseldorf. Die Magazine »Stadtglanz« (seit 2016) und »Stadtglanz Y« (seit 2018) gewähren hingegen vierteljährlich und regionsbezogen Einblicke in die Bereiche Lifestyle, Trends, (Arbeits-)Kultur und Wirtschaft. Zudem kooperiert MediaWorld im Rahmen der Vergabe des »Zukunftgeber«-­Siegels in den Bereichen Employer Branding und Job-­Recruiting mit dem Arbeit­geberverband Braunschweig und der Allianz für die Region.

»Verlage tendieren heutzutage wie Industrie­unternehmen dazu, über ein Baukastensystem eine möglichst breite Zielgruppe beziehungsweise so viele verschiedene Zielgruppen wie nur möglich anzusprechen. Da besteht natürlich die Gefahr, dass im übertragenen Sinn die Tante-Emma-Läden auf der Strecke bleiben. Ich persönlich finde es sehr bedauerlich und auch nicht gut für die Region, dass Printobjekte wie das Magazin »RegJo« nicht mehr da sind«, skizziert Grän. »Wir versuchen, unseren Teil dazu beizutragen, diesbezüglich eine gewisse Vielfalt zu erhalten und sind froh, dass wir von vielen Partnern als relevantes Medium getragen, unterstützt und weithin wahrgenommen werden.«

Das wiederum funktioniere nur über eine angemessene inhaltliche Qualität. Für die sorgen neben der Stammredaktion von Media­World immer wieder auch Gastautoren, wie zum Beispiel Agimus-Geschäftsführer Dr. Ralf ­Utermöhlen, Vizepräsident der IHK Braunschweig, der regelmäßig eine Nachhaltigkeits­kolumne zum »Stadtglanz«-Magazin bei­steuert.

Familie mit ­afrikanischen Wurzeln

Eine weitere Besonderheit der von ihm heraus­gegebenen Regional-Magazine ist, das Timo Grän bei deren Erstellung auch Familien­mitglieder umfassend einbindet. »Da muss eigentlich jeder mit ran, der ein bisschen was kann«, lacht er. So sind (respektive waren) drei Verwandte mit im »Stadtglanz«-Boot: Cousine Borra Garson hat sechs Jahre mit Jamie Oliver zusammengearbeitet und schreibt als Food-­Expertin regelmäßig zu kulinarischen Themen, Stiefmutter Christine Grän, als Buchautorin bekanntgeworden durch die später verfilmte Anna-Marx-Reihe, kolumniert in jedem Heft und Cousin Luten Leinhos, als Journalist unter anderem lange Jahre für das ZDF heute-journal im Dienst, hat in den ersten vier Ausgaben politische Beiträge verfasst.

Die auf dem gesamten Globus verstreut lebende Familie väterlicherseits ist womöglich auch der Schlüssel zum ausgeprägten Regionsdenken des Agenturchefs. Engstirniger Lokalpatriotismus erübrigt sich wohl, wenn der Blick über den Teller­rand zwingend nötig ist, um familiäre Angelegenheiten im Blick zu behalten. Der Onkel lebt mit fünf Kindern in Kanada, die Tante mit ebenfalls fünf Kindern in Australien, der Vater kommt aus Kapstadt und die meisten Familienangehörigen leben mittlerweile in London oder in Norwegen.

Timo Grän selbst ist in Sambia und vor allem Botswana aufgewachsen: »Für die Geburt ist meine Mutter nach Essen geflogen, weil dort ihre Schwester gearbeitet hat. Ich sollte die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen, bin dann als Säugling aber gleich direkt zurück nach Afrika. Erst mit meinem sechsten Lebensjahr bin ich dann über Frankfurt in Braunschweig gelandet.« Ein kleiner Kulturschock sei das gewesen, allein deshalb, weil er – bis dahin englischsprachig aufgewachsen – bei der Ankunft kein Wort Deutsch sprach.

Regionales Denken

So schnell die anfänglichen Sprachdefizite behoben waren, so lange hat es gedauert, bis sich Grän wirklich angekommen und heimisch gefühlt hat. 30 Jahre seien das wohl gewesen, schätzt er und genießt den Facettenreichtum der gesamten Region gemeinsam mit seinen Liebsten heute umso mehr. »Der durchlaufene Prozess hat bei mir auch dazu geführt, dass, obwohl ich zum Beispiel einen Verein mag, einen anderen trotzdem mögen darf. Ich bin einer der wenigen, der mit Eintracht-Aufkleber links und VfL-Aufkleber rechts auf dem Auto gefahren ist«, sagt Grän, »Mein Motto ist: Du brauchst kein Feindbild, wenn Du jemanden magst. Ich finde Rivalität ganz toll, für 90 Minuten ein bisschen Sprüche kloppen, aber ich finde es auch ganz toll, wenn man danach wieder ein Bier zusammen trinken kann.«

Rationaler Mensch, ­bunter Vogel

Am Ende sei er einfach ein rationaler Mensch, ziemlich geradeaus. Das könne Leute manchmal vor den Kopf stoßen, besonders wenn Leute eine Konfrontation auf Sachebene persönlich nähmen. Die diplomatische Ader fehle ihm jedoch hin und wieder auch, gesteht er. Vielleicht ist dieser Umstand neben dem nicht alltäglichen Werdegang ursächlich verantwortlich dafür, dass Grän bisweilen als »bunter Vogel« wahrgenommen wird.

»Dabei bin ich schon jemand, der, wenn er Sachen macht, diese auch gut organisiert«, sagt er. Durchaus zielstrebig erscheint sein Handeln bei genauerem Hinsehen ebenso. Dass er in die Wirtschaft wollte, war ihm schon im Anschluss an eine nach dem Abitur unternommene dreivierteljährige Reise in die USA klar. »Ich war damals allerdings noch relativ grün hinter den Ohren, sehr naiv und habe mich dann für einen Studiengang Technische Betriebswirtschaftslehre eingeschrieben, dann allerdings festgestellt, dass das überhaupt nicht mein Ding war. Ich guckte immer aus dem Fenster raus und vorne an der Tafel wurde irgendetwas über ­Statik und Kräfteverhältnisse zwischen Schrauben und Metallen erzählt. Da habe ich gemerkt, ich bin in der falschen Welt«, lacht Grän.

Die ersten Schritte

Als sich parallel Freunde, unter ihnen Diskothekenbetreiber Oliver Strauß, selbstständig machten, wurde er gefragt, ob er dabei sein möchte. Er wollte, und gründete die erste eigene Firma Hippopotamus Wonderworld mit. Unter diesem durchaus sperrigen Namen organisierten die befreundeten Geschäftspartner Partys und Veranstaltungen. »Ich wollte es allerdings etwas kommerzieller als die anderen haben, also haben wir uns nach einer gewissen Zeit getrennt«, sagt Grän, der danach ziemlich schnell für New Yorker im Event-Bereich tätig wurde, mehr als 400 Veranstaltungen und Store-Openings gemanagt und nebenbei im Verlagswesen angefangen hat. »Das hat mich allerdings auch nicht so befriedigt. Also habe ich mich selbst als Werbeagentur weiterentwickelt und parallel dazu an der Wirtschaftsakademie Bad Harzburg Marketing studiert.«
Diesem in Summe sehr soliden Weg ist Timo Grän im Grunde bis heute treu geblieben. Dabei hätte er unter Umständen auch Profifußballer oder Rockstar werden können. Als jugendlicher Kicker schaffte er es bis in die Niedersachsenauswahl, hatte Angebote größerer Clubs, entschied sich am Ende aber doch immer wieder für einen Verbleib bei seiner »Kumpeltruppe« im BSC Braunschweig. Auch auf dem musikalischen Sektor lief es vielversprechend: seiner Death-Metal-Band Parricide (Vatermörder) lagen immerhin zwei unterschriftsreife Plattenverträge vor. »Martin und ich haben versucht, böse auszusehen, was uns nicht wirklich gelungen ist«, lacht Grän. »Insgesamt hat das einfach nicht gepasst, weil der Schlagzeuger Carsten Rudo der einzige war, der wirklich Vollblut­musiker sein wollte und es schließlich auch geworden ist. Wir haben uns aufgelöst, als es ernster hätte werden können.«

Die Familienmanagerin Christine stellt einen unglaublich leckeren, selbstgebackenen Apfelkuchen neben den Schnittblumenstrauß. Deshalb werden Block und Stift zur Seite gelegt und das Diktiergerät abgeschaltet. Zeit für Timo Grän, die Familienidylle zu genießen.

Bild oben: Christine Schourek und Timo Grän fühlen sich pudelwohl in ihrem Familienidyll.
geschrieben von  pau
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