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Das faszinierende Spannungs­verhältnis zwischen Auto und Mensch Donnerstag, 18 Oktober 2018 08:35 Foto: André Pause

Das faszinierende Spannungs­verhältnis zwischen Auto und Mensch

Kuddelmuddel in Weiß-Orange: ein ganzer Schwarm Koi-Karpfen schnappt nach Futter. Einige Sekunden lang winden sich die edlen Fische auf engstem Raum, die vermeintlich beste ­Position zur Nahrungsaufnahme im Sinn, dann ist das Schauspiel auch schon wieder ­vorbei. Der Teich, in dem auch noch drei Wasserschildkröten und ein Stör zuhause sind, ist das Reich von Michael ­Albrecht. Seit 1999 lebt der Geschäftsführer des Braunschweiger Porsche ­Zentrums gemeinsam mit Ehefrau Heike und Sohn Niclas in Vordorf. Hier im selbst angelegten Garten kommt er zur Ruhe.

»Mittlerweile ist es eigentlich so, dass meine Frau den Großteil der Arbeit erledigt. Das sollte man fairerweise sagen. Nur der Rasen und der Teich sind mein Revier«, erklärt Albrecht, der das Geschäft mit den Luxus-Automobilen aus Stuttgart-Zuffenhausen in der Löwenstadt seit acht Jahren verantwortet. Da ist die Zeit schon mal knapp.

Umbau zum Begegnungsort

Aktuell hat der Familienvater einen – wenn nicht den – Umbau im Porschezentrum vor der Brust. Die Herausforderung E-Mobilität zwingt allenthalben zum Umdenken und bringt zahlreiche Veränderungen mit sich. Albrecht beschäftigt sich zuvörderst damit, wie Service und Dienstleistung künftig aussehen werden. Vorbei sei die Zeit der jährlichen Ölwechsel. In der Regel vergrößerten sich die Intervalle der Besuche von Kunden analog zur Elektrifizierung ihrer Fahrzeuge. »Bis zum Ende nächsten Jahres werden wir unsere Werkstatt deshalb verdoppeln, sie so aufstellen, dass wir dem Thema E-Mobilität in allen Facetten gerecht werden. Wir entkernen die Werkstatt gerade komplett, stemmen einen kompletten Neuaufbau. Parallel schulen wir Mitarbeiter auf höchstem Niveau für den Fortschritt«, sagt ­Albrecht, der eine siebenstellige Summe in die Erweiterung investiert.

Der Geschäftsführer wünscht sich einen automobil initiierten Begegnungsort. Die Menschen sollen nicht sagen »ich muss dahin«, sondern »ich möchte dahin«. Klar: Der Kundenkontakt werde geprägt sein durch die elektronische Thematik, die Steuerung oder die Programmierung des Fahrzeugs. Punkten könne man jedoch seit eh und je am besten mit der hohen Emotionalität des Produktes ­Porsche sowie durch Nähe. Kundenbindung verstärkt durch Events zu schaffen, das schwebe ihm vor. Dabei müsse es gar nicht immer nur ums Auto gehen. So hat Künstler Dirk Wink-­Hartmann seine Arbeiten unlängst im Porsche­zentrum ausgestellt und der Presseclub Braunschweig hat gemeinsam mit dem Marketing Club den Journalisten Georg ­Mascolo zum Talk eingeladen.

Themen-Events und ­Vernetzung

»Die Marke Porsche steht für sich. Das Ziel ist, dass wir daneben etwas schaffen, das anders ist und einen Reiz ausübt«, skizziert Albrecht. »Das funktioniert mit interessanten Themen, gepaart mit dem geliebten Produkt, in einer Atmosphäre, in der Menschen miteinander ins Gespräch kommen und sich vernetzen können.« Das mache jetzt schon enorm viel Spaß, sagt der Geschäftsführer. Ein Anfang, denn ausgeschöpft sei das Potenzial in diesem Bereich noch lange nicht.

Wer Michael Albrecht fragt, ob er das Auto »lebt«, erhält die Antwort noch bevor der Gefragte sie selbst geben kann, aus dem Mund der Gattin: »Oh ja!« Da muss der Geschäfts­führer dann schon ein wenig schmunzeln: »Ich komme aus dem Schwärmen in der Tat nicht raus. Wir machen mit unserer Porsche-Familie manchmal Alpenausfahrten. Und für meine Frau ist es manchmal ein Graus, dass ich die Fahrzeuge gerne artgerecht halte. Letztes Wochenende war ich wieder auf der Renn­strecke unterwegs. Da fährt man natürlich entsprechend. Aber auch sonst macht es mir jeden Morgen Spaß, zum Auto zu gehen, mich am Design zu erfreuen.«

Auto statt Hubschrauber

Gelernt hat Albrecht zunächst – ganz klassisch – Kfz-Mechaniker. Dabei hatte der 48-Jährige als Kind ganz andere Pläne. Hubschrauberpilot, das hätte ihm gefallen, sagt er. Der Vater ist als Ingenieur zur See gefahren, davon habe er sich bewusst abgrenzen wollen. In die Luft ist der Porsche-Mann allerdings nie gegangen. Insofern sei das Automobil ein Kompromiss. Bereut hat er den Schritt nie. Das faszinierende Spannungs­verhältnis zwischen Auto und Mensch sei es gewesen, das ihn der Branche bis heute hat treu bleiben lassen.

Auf den Karrierestufen Verkäufer, Verkaufsleiter und Leiter für den Bereich Großkunden war er unter anderem für VW, Audi, Seat und Chrysler tätig. Ein einziges Mal habe er einen Plan B verfolgt. »Eine Zeit lang hat mich das Immobiliengeschäft interessiert, ich habe sogar einen Maklerschein gemacht. Wer mich kennt, weiß aber, dass ich ein emotionaler Mensch bin. Und die Emotionen müssen eben zum Produkt passen, sonst macht es keinen Spaß.«

Vom Lüneburger zum Braunschweiger

Das Porsche Zentrum macht ihm Freude. Überhaupt hat Albrecht Gefallen gefunden an der Braunschweiger Geschäftswelt. »Um es auf den Punkt zu bringen: Ich kann es mir nicht besser vorstellen. Die Vernetzung ist sensationell. Ich schätze diese ehrlichen kaufmännischen Umgangsformen, die man in der Stadt pflegt. Ein Wort hat hier in aller Regel auch Bestand.« Das, so habe er mehrfach beobachtet, strahle nach außen und werde fernab der Löwenstadt durchaus mit Bewunderung wahrgenommen. »Auch wenn ich in Lüneburg geboren und aufgewachsen bin, jetzt bin ich Braunschweiger«, sagt er. Einer, der sich gerne einbringt: Bei den Wirtschaftsjunioren war er aktiv, im Marketing Club, in der Kaufmännischen Union und in der Interessengemeinschaft Braunschweiger Klüngel ist er es noch.

Nach Braunschweig gezogen ist Michael ­Albrecht zur Wendezeit. 1989. Einige Jahre später hat Albrecht seine Frau kennengelernt. »Das war witzigerweise auf dem Hof eines Autohauses mit Tankstelle. Der Inhaber war ein Freund von mir«, erzählt Heike Albrecht. Gemeinsam haben sie zuvor in Braunschweig gewohnt, zuerst in der Wilmerdingstraße und zuletzt in Waggum.

Das Leben in Vordorf

Der Schritt nach Vordorf vor 19 Jahren war dann die bewusste Entscheidung für Natur und Ruhe. Zu vermissen gebe es hier nichts, meint das Paar übereinstimmend. Wenn es die Freizeit erlaubt, ist Michael Albrecht gerne in größerem Radius um das Eigenheim mit dem Mountainbike unterwegs (»das geht bis in den Harz, am Wochenende war ich 30 Kilometer zum Brötchenholen«). Vor einiger Zeit ist das Laufen als Sportthema Nummer zwei hinzugekommen. Entspannung bietet vor allem im Sommer der Wintergarten. Das sei – zusammen mit dem schnörkellos möblierten Wohnzimmer und der extravaganten Küche – der Bereich, wo sich das häusliche Leben abspiele.

Entspannung auf dem Kreuzfahrtschiff

»Außerdem entspannen wir sehr gerne bei Kreuzfahrten. Da können wir dann einfach mal gar nichts machen und die Akkus richtig aufladen. Meine Frau ist reisehungrig, ich liebe das mittlerweile aber auch«, erzählt Albrecht. Zuhause sei ein komplettes Abschalten de facto unmöglich. Dass der Bekanntenkreis des Paares heute vornehmlich aus Geschäftskontakten besteht, ficht den Chef des Porschezentrums nicht an: »Die Lebenswelten verschmelzen. Das ist so, was aber auch sehr schön ist, weil wir die besten Kunden der Welt haben – und das meine ich ernst.«

Bild ganz oben: Im Wintergarten halten sich Heike und Michael Albrecht gerade im Sommer am liebsten auf.

geschrieben von  pau
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