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»Der Elm ist mein Paradies« Montag, 10 September 2018 09:20 Foto: Jörg Scheibe

»Der Elm ist mein Paradies«

Sein Zuhause hat für Wolfgang Haberkamm eine besondere Bedeutung. Fünfzig Jahre sei er durchs Leben gerast, siebzehn Mal umgezogen, eigentlich ein Flüchtling, der von einem neuen Zuhause ins andere gewechselt sei. »Bis ich jetzt gesagt habe: Ich will etwas haben, wo man auch bleibt. Und das ist Erkerode für mich.«



Wolfgang »Elvis« Haberkamm ist eine Person des öffentlichen Lebens und als Chef der Vier Linden sicherlich der bekannteste Wirt Braunschweigs. Seinen Spitznamen, unter dem er bekannter ist als unter seinem Taufnamen, bekam er in der Schule. Einmal Luftgitarre gespielt und schon hängt einem der »Elvis« ein Leben lang an! Seit einigen Jahren wohnt er in einem gemieteten Haus am Sonnenberg mit einem wunderbaren Blick ins Tal und nennt es sein Paradies. Am Waldesrand äsen Rehe und Hirsche, im Winter rodeln die ­Kinder den Hang hinunter. Es ist ein Rückzugsort zum Verschnaufen und Teetrinken: »Wenn ich in meinem Wirtshaus von 19 Uhr bis 2 Uhr nachts mit 120 Gästen gesprochen habe und mir der Kopf raucht, brauche ich Abstand und es zieht mich für ein paar Tage in den Elm.«

Dort beschäftigt er sich mit der Geschichte des Höhenzuges und hat sich zu diesem Zweck eine kleine antiquarische Bibliothek angeschafft: »1000 Jahre Sickte«, »Veltheim an der Ohe«, »Appenrode am Elm«, »Vaterländische Geschichten aus dem Land Braunschweig und Hannover« oder »Das Geschlecht von Veltheim« von Georg Schmidt. »Alles ganz spannend.« Hier ist Wolfgang Haberkamm für sich. »In acht Jahren waren nur acht Leute da und die haben zuerst noch nicht einmal hergefunden.« Das Navi kennt die Adresse nicht. Regelmäßigen Besuch erhält Wolfgang Haberkamm also nur von Eichelhäher und Gabelweihe: »Ich wohne hier auf ganz minimalistischer Basis.«

Heimatliche Erinnerung

Wolfgang Haberkamm stammt aus Mark­oldendorf im Solling im Weserbergland, das zwar schöner, aber weniger bekannt ist als der Harz. Solling ist Heimat, ein Begriff, der unlängst politische Grundsatzdebatten ausgelöst hat. Dazu eine ganz persönliche Sichtweise: »Wenn man aus dem Solling kommt, will man nicht am Meer wohnen und auch nicht auf dem Großglockner. Man möchte da wohnen, wo die Landschaft an die Heimat erinnert.« Heimatliche Erinnerung an ein sanftes Mittelgebirge mit Mischwald, der besonders im Herbst in satten Farben leuchtet, ganz wie der Elm: »Haupt­sache die Umgebung stimmt.«

Da Wolfgang Haberkamm, was kaum jemand weiß, auch Tischler gelernt hat, kann er im Haus vieles selbst reparieren – und als Praktiker im Garten arbeiten. »Ich sitze am Schreibtisch, in meinem Wirtshaus und im Auto. Ab und an möchte ich mich aber auch bewegen und dafür habe ich hier den Garten, um den ich mich kümmere.« Rasenmähen, Hecken schneiden, Sträucher schneiden, Rosen pflegen und so weiter. »Und wenn die Gartenarbeit getan ist, setze ich mich auf die Terrasse und schaue zu, wie der Mond aufgeht.«

Die Sommerresidenz und das Winterpalais

Das Haus im Elm ist sein Rückzugsort, dort wohnt er allein. Doch besitzt er ein zweites Domizil in der Braunschweiger Jasperallee »in Bremer Reihe«, wunderschöne Häuser, im Jugendstil gehalten, mit Vorgarten: »Ich habe eine Sommerresidenz und ein Winterpalais«, sagt er dazu, drei Zimmer, Küche, Bad, Gästezimmer zwei Treppen tiefer und eine Garage. Vor sieben Monaten zog seine Freundin ein. Dann erst wurde die Wohnung zum Zuhause. Vorher hatte Wolfgang Haberkamm ein Jahr lang renoviert, unter anderem die Böden neu gefliest, aber kaum Möbel angeschafft. Er benutzte die Wohnung mehr als Büro und Schlafstätte aufgrund der Nähe zu den Vier Linden. Jetzt ist er fast vollständig eingerichtet, auf Anregung der Freundin mit gemütlicher Sofaecke.

Die Wände des Wohnzimmers sind unten in einem dunklen Rot gestaltet und oben hellbeige gestrichen. Das macht den Raum optisch größer. Bei der Farbauswahl hat er einen Tipp bekommen: englische Farben, Eating room red. In der Krimiserie Inspektor Barnaby kommen diese als Landhausfarben vor. Der Esstisch und die Stühle sind antiquarisch erstanden, wie auch die Jugendstilleuchter. »Früher hat man seine alten Möbel auf dem Sperrmüll entsorgt«, bemerkt Wolfgang Haberkamm zu den Veränderungen in seinem Leben. »Die Großeltern hingegen besaßen ihre guten Möbel ein Leben lang. Da habe ich mir gesagt, das machst du jetzt auch.«

Bild oben: Wolfgang »Elvis« Haberkamm.
geschrieben von  maru
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