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»Wir sind boden­ständige Leute« Mittwoch, 13 Juni 2018 09:31 Foto: André Pause

»Wir sind boden­ständige Leute«

Eigentlich ist der Freitag prädestiniert für einen Besuch bei ­Familie Fromme in Salzgitter-Ringelheim: Hausherr Kurt, Geschäftsführer der Wilhelm Fromme Landhandel GmbH & Co. KG, kann sich in der Mittagszeit für eine Weile aus dem Betrieb herausziehen und ­Gattin Verena, die als Lehrerin arbeitet, hat an diesem Tag der Woche derzeit frei. Fällt der allmonatliche Exporttag auf den Freitag, sieht die Sache allerdings etwas anders aus. Das Mobiltelefon von Kurt Fromme klingelt dann mindestens im Zehnminutentakt.

»Ich hatte das vergessen, als wir den Termin vereinbart haben«, lacht der Geschäftsmann. Der Schreiber bekommt mithin ein schlechtes Gewissen. Immerhin: der Weg vom Unternehmen zum Privathaus könnte kürzer kaum sein. 100 Meter, eine Minute. Auf dem Tisch im Wintergarten steht schon eine Kanne Kaffee. Zum Mittag gibt es Brokkoli-Cremesuppe und leckere Erdbeeren. Die kurzen Wege im länd­lichen 2000-Einwohner-Stadtteil Ringelheim sind schon praktisch. »Wer Verantwortung für ein Unternehmen trägt, muss schon vor Ort sein«, sagt Verena Fromme, die ihrem Mann ­privat den Rücken freihält. Haushalt und Garten­arbeit erledigt die gebürtige Hornburgerin en passant zu ihrer Berufstätigkeit.

Sport als Ausgleich

Die Frommes wohnen gerne hier. Ein Bürgerverein kümmere sich rührend um die Anliegen der Ringelheimer: von der Bahnhofgestaltung über die Aufstellung von Blumenkästen bis zum Ausbau des Taubenturms zur Event-Location. »Außerdem ist die Infrastruktur wirklich gut«, sagt Kurt Fromme. Ob Nahversorgung, Kindergarten, Schule und Sportverein: alles da. »Sogar Schwimmen und Yoga werden angeboten«, weiß der Diplom-Kaufmann, der selbst im Handball aktiv ist, zudem regelmäßig als Schiedsrichter auf dem Feld steht, in der Sommerzeit für das Sportabzeichen trainiert und einmal pro Woche zur Gymnastik geht. »Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind, kann ich das ja machen. Ich brauche die Bewegung am Wochenende einfach als Ausgleich, weil ich die ganze Woche unter Strom stehe. Unser Unternehmen ist ja nicht statisch, da ist immer sehr viel Dynamik drin.«

Ein weiterer großer Pluspunkt Ringelheims ist der Bahnanschluss. Selbst ohne Auto kommt man zumindest tagsüber überall hin. Goslar oder Hildesheim beispielsweise sind nur ein Katzensprung entfernt. Und so nutzt auch Kurt Fromme die Bahn immer öfter. Privat vor allem seit Tochter und Sohn in Frankfurt und München studieren, aber auch beruflich. »Ich muss des Öfteren nach Würzburg. Auf der A 7 war das trotz dreier Spuren zuletzt oft eine Katastrophe. Bei der Bahn klappt zwar längst nicht immer alles, aber insgesamt ist es doch wesentlich entspannter.«

Lobbyarbeit als ­Leidenschaft

Unterwegs ist Fromme regelmäßig. Dafür sorgen schon die 13 Standorte des Unternehmens. Außerdem besucht er alle zwei Wochen die Präsenzbörse seiner Branche in Hannover beziehungsweise Braunschweig und ist zudem häufig im niedersächsischen Landtag anzutreffen. Auf Bundesebene habe Fromme die Lobbyarbeit, die er ein Stück weit als Hobby begreift, aufgegeben. In Hannover nutze er jedoch weiterhin jede Gelegenheit, den Politakteuren zu »erzählen, was an der Basis los ist«. Und das sei allein im eigenen Metier eine ganze Menge. »Der Landwirtschaft geht es momentan nicht gut, weil wir einen absoluten Preisverfall bei Produkten erleben. Aus Reihen der Politik heißt es oft: Sie müssen auf den regionalen Markt setzen, Qualitätsführerschaft übernehmen und mehr digitalisieren. Da sage ich dann immer: Mein Name ist Fromme, ich komme aus Salzgitter und ich habe acht Megabyte. Können Sie mir sagen, wie ich digitalisieren soll? Auch die Sache mit den regionalen Produkten ist, pardon, Quatsch mit Soße. Wir sind eine Überschussregion. Ich habe Getreide, die ich hier im Binnenmarkt überhaupt nicht absetzen kann. Ich brauche den Export«, skizziert Fromme, der sich auch in vielen weiteren Bereichen, beispielsweise im Pflanzenschutz, mehr Folgenabschätzung wünscht.
Er selbst sieht es als Selbstverständlichkeit an, sich pragmatisch und losgelöst von Parteiinteressen, in Prozesse einzubringen. Er tut das, wie sein Vater Erwin, auf unterschiedlichen Wegen, unter anderem auch als Mitglied der Vollversammlung der IHK Braunschweig. »Ich glaube, wenn wir uns nicht mehr engagieren, gehen wir unter. Daher bin ich auch der Meinung, dass das Ehrenamt stärker gewürdigt werden muss.«

Abschalten auf der Terrasse

Insgesamt schätzt Kurt Fromme sein Arbeits­pensum auf 55 bis 65 Wochenstunden – nicht mitgerechnet der Samstag, an dem er normalerweise die Woche nachbereitet und zwei Stunden am Sonntagabend, in denen er sich für kommende Aufgaben rüstet. »Das ist noch überschaubar«, findet er. Komplett abschalten könne er bei einer Tasse Cappuccino auf der heimischen Terrasse. Dabei werde ausgiebig die Zeitung gelesen. Das samstägliche Ritual.

»Wir sind bodenständige Leute, fühlen uns in Ringelheim wohl. Das ist schon ein Stück heile Welt, die es so vor allem in der Anonymität der Großstädte nicht mehr gibt«, sagt Fromme, der nach dem Abitur in Salzgitter zwei Jahre bei der Bundeswehr war, in Schleswig Holstein seine Lehre zum Landhandelskaufmann absolviert und in Gießen und Göttingen Betriebswirtschaftslehre studiert hat. Nach dem Studium ging es zunächst für zwei Jahre zum Arbeiten nach Frankreich. Auf Tätigkeiten in den Bereichen Bankwesen, Wirtschaftsprüfung und Revision folgt im Jahr 2000 der feste Einstieg ins Familien­unternehmen. Fünf Jahre später übernahm er die alleinige Geschäftsführung.

Ihr Eigenheim, das 180 Quadratmeter auf drei Etagen umfasst, haben die Frommes mit Hilfe eines Architekten komplett nach eigenen Wünschen um- und ausgebaut: neue Strom- und Wasserleitungen wurden gelegt, die Bäder neu gestaltet, der Wohnraum durch die Wegnahme von Wänden und die Errichtung des schicken Wintergartens vergrößert. Das Interieur ist überwiegend klassisch. Geerbtes Mobiliar haben die Eheleute liebevoll aufarbeiten lassen. »Uns gefällt das, außerdem sind die alten Möbel viel robuster«, meint Kurt Fromme.

Abwechslung auf Reisen

Bei aller ländlicher Gemütlichkeit: Zwischendurch darf es dann ruhig einmal Stadt sein. Etwa zweimonatlich geht es zum Bummeln nach Braunschweig. Das Paar ist Fan des Schlossmuseums und stöbert gerne in der Buchhandlung Graff. »Nur, wenn es um den Einkauf von Kleidung geht, erledige ich das mittlerweile eher in Frankfurt oder München, wenn wir bei den Kindern sind«, gesteht Verena Fromme. Gemeinsam mit Freunden unternehmen die Frommes gerne Städtereisen ins Ausland, waren dabei unter anderem schon in Wien, Rom und Barcelona. Demnächst soll Lissabon folgen.

Als bevorzugtes Fernziel hat sich in den vergangenen Jahren die kanadische Provinz British Columbia herauskristallisiert. Bereits fünfmal waren die Eheleute dort – und jedes Mal begeistert. Last but not least geht es zu Ostern regelmäßig für drei bis fünf Tage nach Mallorca. »Da sind wir wie die Massentouristen, immer wieder im gleichen Hotel in Can Picafort, weil uns das Ambiente sehr gefällt. Auf dem Programm stehen bei diesem Kurztrip vor allem Fitness und Wandern«, erzählt Kurt Fromme schmunzelnd. »Direkt nach dem Frühstück laufen wir mit dem Rucksack los und sind den ganzen Tag unterwegs. Am Abend gönnen wir uns aber gerne ein Glas Wein.«

Nachfolge im ­Familienbetrieb

Ein bisschen gelassener lasse es der Geschäftsführer mittlerweile auch im Arbeitsalltag angehen. Früher habe er drei Festnetztelefone gleichzeitig bedient. Das wolle er so nicht mehr. In acht oder neun Jahren könne er sich aus heutiger Sicht vorstellen, endgültig kürzer zu treten, sagt er: »Mit einem harten Cut hätte ich bestimmt Probleme. Deshalb würde ich stundenweise gerne noch ein bisschen weitermachen, und das sukzessive auslaufen lassen.« Das Angebot, in den Familienbetrieb einzusteigen hat Kurt Fromme seinen Kindern unlängst gemacht. »Beide haben die Option. Wenn man das tut, das war bei mir genauso, muss man natürlich die entsprechende Leistung bringen. Mein Sohn soll nach dem Studium entscheiden, ob er eintreten will. Die Voraussetzungen sind gegeben. Er hat eine Lehre in unserem Berufsbild gemacht und arbeitet in den Semesterferien schon jetzt immer hier. Unsere Tochter ist dagegen noch eher in der Findungsphase.«

Für ihn selbst hielte das Leben auf dem Land auch im Ruhestand so viele Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements bereit, dass gewiss keine Langeweile aufkommt, ist sich Kurt Fromme sicher, und lächelt: »Der Senior ist jetzt mit 88 Jahren aus dem Beirat ausgeschieden. Das wird mir nicht passieren.«


Bild oben: Verena und Kurt Fromme.

geschrieben von  pau
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