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Vom Deister ins Idyll von Eddesse Montag, 14 Mai 2018 10:08 Foto: André Pause

Vom Deister ins Idyll von Eddesse

Manchmal hilft dem Umgebungsunkundigen auch ein Navigationsgerät im Auto nicht wirklich weiter, zum Beispiel dann, wenn die angezeigte Route zur Ortschaft Eddesse in der Gemeinde Edemissen im Landkreis Peine auf den letzten Metern voll gesperrt ist. Andreas Werner ist in diesem Idyll seit 16 Jahren mit seiner Familie zuhause. Er nimmt die zwanzigminütige Verspätung des Autoren dieser Zeilen gelassen. »Da habe ich auch gar nicht mehr dran gedacht, das hätte ich natürlich mal sagen sollen«, schmunzelt der Geschäftsführer der Strang Kälte + Klimatechnik GmbH, der seit Gründung der Stiftung der Wirtschaftsjunioren Braunschweig 2014 deren Vorstandsvorsitzender ist.
 


Normalerweise ist die Strecke zwischen Braunschweig und dem Eigenheim Werners innerhalb einer halben Stunde zurückgelegt. Der Hausherr pendelt sie werktäglich. Morgens um 7 Uhr ist er bei seinen rund 30 Mitarbeitern im Betrieb in der Pillmannstraße am Veltenhöfer Hafen. Zurück geht es in der Regel zwischen 17 und 18 Uhr. Ein separates Büro in Eddesse hat Andreas ­Werner nicht. Feierabend sei Feierabend, und wenn doch noch Arbeit erledigt werden müsse, greife er auf der Couch oder der Terrasse zum Laptop: »Wir sind sehr gut organisiert, haben vor einigen Jahren eine zweite Führungs­ebene eingezogen, damit bin ich flexibler.« Die Geschäfte des Unternehmens führt Werner gemeinsam mit seinem Partner Peter Mühling. Der Jahresumsatz der Firma hätte sich zuletzt immer zwischen 3,5 und 4 Millionen Euro bewegt, wobei sich das Anteilsverhältnis der Betriebsbereiche sukzessive von Kälte zu Klima verschoben habe, da es immer weniger kleine Einzelhändler, Bäcker oder Fleischer gibt. »Gewerbekälte für Supermärkte machen wir so gut wie gar nicht mehr, da spezialisieren sich große Ketten als Anbieter. Das sind wir einfach nicht. Wir arbeiten zu 95 Prozent für Endkunden wie Siemens, MAN, Salzgitter Flachstahl oder Kroschke, also sehr Industrie-lastig«, skizziert ­Werner.

Wirtschafts­junioren als Türöffner

Seit 1999 ist er im Unternehmen. Als sich bereits drei Jahre später abzeichnete, dass er mit in die Geschäftsführung gehen würde, war dies das Signal zum Hauskauf. Ursprünglich kommen Andreas Werner und seine Frau Nadja Zajonc aus der Region Hannover, aus Springe und Nienstedt am Deister. Dass das heutige Heim der Familie strategisch günstig zwischen Arbeitsort und der alten Heimat liegt, habe am Anfang schon eine Rolle gespielt, sagt Werner: »Mittlerweile finde ich Braunschweig aber auch wesentlich schöner als Hannover.« Vor allem im zwischenmenschlichen Bereich habe er die Mitgliedschaft bei den Wirtschaftsjunioren als hilfreichen Türöffner empfunden. Denn viele Leute hätte der Freundes- und Bekanntenkreis in der neuen Umgebung zunächst zugegebener­maßen nicht umfasst.

Dass er sich dem Verbund anschloss, ist wiederum ein Stück weit dem Firmengründer Georg Strang zu verdanken. »Mir wurde das quasi auferlegt, als ich bei Strang anfing. Der Chef war auch schon Wirtschaftsjunior. Und da hieß es gleich: Wenn du den Betrieb irgendwann einmal übernimmst, möchte ich, dass du dich bei den Wirtschaftsjunioren einbringst«, erzählt Andreas Werner. Gesagt, getan, 2004 wurde er Mitglied. »Man könnte denken, dass ich hingestoßen wurde, ich wollte das selbst aber auch. Ich habe bei meinem damaligen Chef gesehen, wie nachhaltig die Kontakte sind. Es lässt sich nicht leugnen, dass die Wirtschaftsjunioren ganz klar ein Faktor sind, gerade in Braunschweig, wo es im Vergleich zu Hannover doch ein bisschen mehr Klüngel gibt«, ergänzt er augen­zwinkernd.

Ein Hort der Ruhe

In Eddesse ist von allzu umtriebiger Netzwerkerei wenig zu spüren. Ein Hort der Ruhe. Nadja Zajonc, die als Lehrerin an der IGS in Edemissen arbeitet, und Andreas Werner sind beide in ländlichem Umfeld großgeworden. Das habe die Entscheidung bei der Wahl des Domizils mit beeinflusst, meinen die Eheleute übereinstimmend: »Wobei den Ausschlag letztlich der Umstand gegeben hat, dass wir mit den Kindern nicht in die Stadt wollten.«

Das 1997 erstmals bewohnte Haus ist ein echtes Kleinod – oder besser: die Familie Werner-­Zajonc hat eines daraus gemacht. »Uns hat schon gefallen, dass das Haus nicht 08/15 ist. Die beiden dreieckigen Erker, die hier rausragen, haben uns gefallen, auch dass es so hell ist, ist toll. Rückblickend haben wir aber auch sehr viel gemacht«, sagt der Strang-Geschäftsführer. Ein Blickfang ist der liebevoll gestaltete Außenbereich. Die Terrasse mit Holzbodenbelag und der Pool wurden vor zehn Jahren angelegt. Das hat sich gelohnt. »Im Sommer sind wir praktisch immer draußen«, sagt Zajonc. Ein separater Bereich des Gartens ist ein sichtgeschützter und überdachter Rückzugsort. Der lasse sich an kälteren Tagen sogar beheizen und werde somit ganzjährig zu einer Art verlängertem Wohnzimmer.

Autos, Segeln und die ­Stiftung

Im Haus legt das Paar gleichermaßen Wert auf mondänes Ambiente und Wohnlichkeit. Auf 170 Quadratmetern Wohnfläche schaffen Nadja Zajonc und Andreas Werner diese Balance: klassisch trifft modern. Überall im kombinierten Wohn- und Essbereich finden sich persönliche Gegenstände. Die Nana-Skulpturen beispielsweise erinnern den Hausherrn an seine Zeit in Hannover (»die habe ich bislang in jedes Zuhause mitgeschleppt«), ein vielfarbiger Patchwork-Ochse ist ein Sylt-Mitbringsel und in der Kaminecke hängt eine buntmetallische Collage mit dem Konterfei der Schauspielerin Romy Schneider. Bilder der Familie hingegen stehen versammelt auf dem Klavier, das im Zweifelsfall ebenso wenig gespielt wird, wie die danebenstehende Gitarre. »Ich dachte mir, dass es ganz schön wäre, beim Segeln Gitarre zu spielen. Heute muss ich sagen, dass mir das Segeln an sich reicht«, lacht Werner. Der Wasser­sport sei neben den Porsche-Oldtimern – eine 356 Replika sowie einen Targa Baujahr 1978 nennt der Geschäftsmann sein Eigen – und der Stiftungsarbeit ein wirkliches Hobby. Die Gattin teilt die Passion ihres Mannes für Autos bis zu einem gewissen Grad, geht aber auch gerne mal mit Labradormischling Justus in der Feldmark spazieren, liest, wenn die Hausarbeiten korrigiert sind, gerne ein gutes Buch oder zieht im Schwimmbad ihre Bahnen.

Gerne in der Küche

Eine weitere Leidenschaft von Andreas Werner ist das Kochen. Als das Gespräch beim Gang durch den Wohnbereich auf die vor zwei Jahren akribisch geplante Küche kommt, gerät er regelrecht ins Schwärmen. »Da haben wir aus dem relativ kleinen Raum wirklich das Beste rausgeholt. Viele glatte Flächen, wenig Griffe«, sagt er nicht ohne Stolz. Werner steht leidenschaftlich hinter den Töpfen. Gibt es ein bevorzugtes Gericht? »Fleisch!«, lautet die lakonische Antwortet des Spezialisten für Kälte- und Klima­technik. Für die warmen Tage im Jahr steht sogar ein Beefer bereit. Bei sommerlichen Temperaturen, in der Regel ab Anfang Mai, wandert das Gerät aus der Abstellecke auf die Terrasse in die Nähe des frisch hergerichteten Pools. Regelmäßig gemeinsam essen genieße innerhalb der Familie jedoch nicht nur zur Grillsaison einen hohen Stellenwert, versichern die Eheleute, die auch sonst viel mit ihren Töchtern Lucca und Nilah unterwegs sind – selbst wenn es mal nur der elterliche, vollsperrungskundige Fahrdienst ist.

Bild oben: Die Eheleute Andreas Werner und Nadja Zajonc fühlen sich pudelwohl in Eddesse.
geschrieben von  pau