Unsere Partner
Wo sich Arbeit und Privatleben ­treffen Donnerstag, 15 März 2018 09:48 Foto: André Pause

Wo sich Arbeit und Privatleben ­treffen

Ruhig, sehr ruhig ist es an diesem Februar-Nachmittag im schmucken Neubaugebiet in Braunschweig-Rautheim. Rückblickend war die relative Abgeschiedenheit für Jutta und Thomas Schnelle vor beinahe 17 Jahren wohl ein wesentliches Argument, den Umzug von der Kasernenstraße in das 160 Quadratmeter-Eigenheim im äußersten Südosten gelegenen Stadtteil anzugehen. Sohn ­Yannick war da bereits drei Jahre alt, die heute 16-jährige Tochter Lisa gerade unterwegs. »Die Ruhe, der Garten und dass die Kinder direkt vor der Tür spielen konnten und auch die Schule direkt vor Ort war, bedeutete für uns Lebensqualität«, sagt Jutta Schnelle. Ein weiterer großer Pluspunkt sei die Möglichkeit zur freien Wahl des Bauträgers gewesen. Ein etwas kleinerer, der Umstand, dass der Hausherr ein paar Kilometer weiter in der Lindenbergsiedlung aufgewachsen ist.

»Meine Großeltern haben um die Ecke gelebt. Ich bin hier als Kind Traktor gefahren und habe hier meine erste kurze Lederhose bekommen. Somit war das gewissermaßen schon ein Schritt zurück zu den Wurzeln«, erzählt ­Thomas Schnelle.

Noch heute fühlt sich das Paar wohl mit der Entscheidung, ein fester Freundeskreis hat sich vor Ort herauskristallisiert, einer der bei Anlässen gemeinsam feiert und regelmäßig Doppelkopf spielt. Ab und an und immer öfter jedoch kreisten die Gedanken um eine Rückkehr in Richtung Stadt. »Ein Penthouse vielleicht, mit Fahrstuhl«, orakelt der geschäftsführende Gesellschafter der Ideeal Werbeagentur und Verlag GmbH. Schließlich seien die Kinder – Sohn Yannick ist gerade für ein »Work and Travel«-Jahr in Neuseeland – in absehbarer Zeit aus dem Haus. Das einfach und klar strukturierte Haus besitze ohnehin keinen so hohen persönlichen Stellenwert, so Thomas Schnelle.

Schon beim Kauf achtete das Ehepaar allerdings darauf, dass die Investition in Grund und Haus rentabel sein sollte. Was ein Gutachten unlängst bestätigt hat. »Als wir hergezogen sind habe ich gleich gesagt, dass ich das nur mache, wenn ich nicht die Gartenarbeit erledigen muss«, lacht der 61-Jährige. »Jetzt mähe ich zwar mal den Rasen und schneide die Hecke, aber es macht mich am Ende nicht glücklich. Das ist für mich keine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Ich sitze da lieber auf der Terrasse, trinke einen Aperol Spritz.«

Gedanke an die Stadt

Allzu häufig kommt das freilich nicht vor. In der Woche geht es für den Ideeal-Chef um 8 Uhr aus dem Haus und vor 18 Uhr ist er in der Regel nicht zurück aus dem Büro in der Juliusstraße. Hinzu kommt, dass Schnelle für die offiziellen Gemeindezeitungen in Cremlingen, Lehre, Sickte, Vechelde, Wendeburg und Lehndorf/Watenbüttel, die er Anfang der Nullerjahre als zweites Standbein übernommen und in die Agentur integriert hat, doch den einen oder anderen Artikel selbst verfasst. Dann sitzt er in seinem »Refugium«, einem Mini-Büro mit deckenhoher Bücherwand, oder mit dem Laptop auf der Couch des Wohnzimmers. Die Kopfarbeit in den eigenen vier Wänden empfindet der studierte Medienpädagoge selbst nicht unbedingt als Pflicht­programm. Das sei schon persönliches ­Interesse, mitunter sogar Hobby. »Ich bewege mich in einer Branche, die stark durch junge Leute geprägt wird. Und da habe ich den Ansporn und den Anspruch mitzuhalten. Wenn es um kreative Ansätze geht, dann klappt das immer noch sehr gut.«

Das Refugium

Fortgeschrittener als die Pläne für das nächste private Domizil sind bei Thomas Schnelle die beruflichen Überlegungen. Das Zukunftskonzept für die 1991 gemeinsam mit der Unternehmerin Claudia Block gegründete und seither paritätisch geführte Agentur steht.

Weichen wurden gestellt

Begonnen hatte – nach einem Intermezzo von ­Thomas Schnelle beim Caritasverband, einem quasi en passant absolvierten Volontariat im Redaktionsbüro von Wolf-­Rüdiger Ahlers, der unter anderem für den Stern arbeitete sowie einer Tätigkeit als Ressortleiter Sport bei der Neuen Braunschweiger – damals alles mit einem Kunden­magazin für den Braunschweiger IT-Kaufmann Wolfgang Wichmann.

Heute macht die mittlerweile stark technisierte Agenturarbeit, die sich mit Aufgaben rund um die Content-Pflege für Webseiten und Social Media sowie datenbankgestütztes ­Programmieren doch stark vom einst klassischen Aufgabenfeld Flyer, Plakat und Geschäftsbericht unterscheidet, etwa 60 Prozent des Jahresumsatzes von rund 1,5 Millionen Euro aus. 40 Prozent bringt das Verlagsgeschäft.

In 2020 soll die Struktur der Unternehmensbereiche der Ideeal Werbeagentur und Verlag GmbH so weit konzipiert sein, dass das Ruder unter dem neu eingeführten Firmennamen Oker11 media house voraussichtlich innerhalb von zwei Jahren in die Hände von Creative Director Kerstin ­Mündörfer und EDV-­Office-Inhaber Thomas Priedigkeit übergeben werden kann.

Loslassen – das geht

Auch wenn die vielerorts schwierige Unternehmensnachfolge in diesem Fall kein Thema ist: Kann jemand, der sein ganzes Leben lang immer wieder neue Herausforderungen gesucht hat, denn nach all den Jahren so einfach loslassen? »Ja«, sagt Thomas Schnelle gelassen, »das geht.« Vielleicht nicht abrupt, schließlich hänge er schon an den langjährigen Kundenkontakten, und auch die projekt­bezogene Zusammenarbeit des Verlagsbereiches mit den Grundschulen in Destedt und ­Schandelah, der Haupt- und Realschule Sickte und der Steinmetz­schule in Königslutter, in deren Rahmen regelmäßig ganze Seiten für die Gemeinde­zeitung »Rundschau« entstehen, liege ihm am Herzen.

Nichtsdestotrotz gebe es noch das eine oder andere Fernreiseziel auf der Liste. Im vergangenen Jahr hat Schnelle mit dem Tauchen angefangen: »Im September geht es sieben Tage auf‘s Rote Meer an die sudanesische Grenze. Sieben Tage kein Land, das wird spannend.«

Dass der leidenschaftliche Medienmacher komplett abtaucht, steht allerdings nicht zu befürchten. Dafür schreibt er wahrscheinlich doch zu gerne, dafür nimmt er zu gerne Stellung. Ganz sicher würde ihm ohne den Journalismus etwas fehlen: »Ich liebe, mal provokant formuliert, den Streit. Das ist für mich immer ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung von Ideen. These, Antithese, Synthese – das ist etwas, das mein Leben schon kennzeichnet.«

geschrieben von  pau
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok