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Ein eigenes Konzept für jedes Hotel Donnerstag, 16 August 2018 09:27 Foto: Jörg Scheibe

Ein eigenes Konzept für jedes Hotel

»Man darf sich auf Erfolgen nicht ausruhen und man darf den Gast nicht aus den Augen verlieren, dessen Ansprüche und Wünsche sich schneller als früher verändern – darauf muss man immer wieder mit neuen Angeboten reagieren.« So fasst Hotelier Frank Seela seine unternehmerische Strategie zusammen. Seela ist ein bekannter Name in unserer Region. Das Familienunternehmen betreibt drei Hotels in Braunschweig, Bad Harzburg und Bad Lauterberg und hat darüber hinaus zwei Fahrschulen in Braunschweig. Diese Kombination passt auf den ersten Blick nicht zusammen, hat aber eine historische Bedeutung. Vater Helmut Seela kreierte nämlich vor 60 Jahren das innovative Angebot »Führerschein im Urlaub« und war damit sehr erfolgreich.
 


Helmut Seela hatte 1954 in Braunschweig eine Fahrschule und zwei Jahre später eine Verkehrs­fachschule gegründet, an der er Fahrlehrer nicht nur für den eigenen Bedarf ausbildete. Damals entstand die Idee für den »Führerschein im Urlaub«: Erwachsene sollten die Fahrerlaubnis stressfrei und vergleichsweise schnell en passant zur Urlaubs-Aktivität erwerben. Der Markt war vielversprechend: Im Wirtschaftswunderland Deutschland gab es damals bei zunehmender Motorisierung viele Erwachsene ohne Führerschein.

Führerschein im Urlaub

Seela kaufte das Gasthaus »Zur Mühle« in Braunschweig-Riddagshausen und baute es zum Hotel Landhaus Seela um. »Das Urlaubskonzept lief so fantastisch, dass mein Vater es 1967 auf Bad Harzburg übertrug, wo er ein Hotel gekauft hatte.« Im Touristenort Bad Harzburg passte das Urlaubs-Konzept noch viel besser. Außerdem fiel es vermutlich gestressten Großstädtern leichter, in dem beschaulichen Harz-Ort das Fahren zu lernen. »Bei uns haben 55 000 Gäste im Urlaub ihren Führerschein gemacht«, rechnet Frank Seela vor. In den 90er Jahren lief dieses Geschäft aus: Der Markt war gesättigt und der Gesetzgeber schrieb vor, dass die Führerscheinprüfung künftig am Wohnort des Kandidaten abzulegen ist. Die beiden Fahrschulen gibt es aber weiterhin.

»Wir setzen auf ständige Innovationen und deshalb laufen unsere Hotels auch gut«, erzählt Frank Seela. Zunächst leitete er das Revita-Hotel in Bad Lauterberg und übernahm vor 15 Jahren die Leitung der gesamten Firmengruppe. Der 63-Jährige ist alleiniger geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens. In der Gruppe werden einschließlich der Fahrschulen 310 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 31Auszubildende. Die drei Hotels verzeichneten im vergangenen Jahr rund 160 000 Übernachtungen.

Ein Ort für Feste und ­Familienfeiern

»Wir haben für jedes Hotel ein eigenes Konzept entwickelt und darauf spezielle Angebote abgestimmt«, erläutert Seela. Das Braunschweiger Hotel mit 54 Zimmern pflegt den Landhausstil mit familiärer Atmosphäre. Es liegt sehr schön direkt am Rande des Naturschutzgebietes Riddagshausen – was andererseits eine Erweiterung unmöglich macht. Seela: »Wir sind einer der bekanntesten Orte in Braunschweig, wenn es um private Feste und Familienfeiern mit bis zu 135 Gästen, vor allem um Hochzeiten, geht.« Bekannt ist das Landhaus auch für seine gute Küche. »Wir sind eines der letzten Restaurants in der Stadt mit deutschen Gerichten. Und alles wird ohne Fertigprodukte selbst gemacht.«

Das Tor zum Harz

Das Hotel Seela in Bad Harzburg ist mehr als doppelt so groß und liegt am Ortsausgang an der B 4 – dem wichtigsten Einfallstor in den Oberharz. Das hat Vor- und Nachteile. Manchen Gästen ist der Verkehrslärm zu laut. Andererseits, so Seela, sei das Hotel ein guter Startpunkt für Harz-Touren oder, weil es am Waldrand liegt, für Wanderungen in die Umgebung. Ganz in der Nähe sind touristische Attraktionen wie der Baumwipfelpfad. »Aufgrund der Lage an der B 4 halten auch Gäste bei uns, die uns sonst nie besucht hätten.« Dazu gehörten viele Biker, die Seela als in vielen Fällen sehr zahlungskräftiges Publikum ausgemacht hat. Darüber hinaus nutzen neben Reisegruppen auch viele Familien mit Kindern die Angebote des Hotels.

Das Revita-Hotel in Bad Lauterberg präsentiert sich schließlich als Verwöhn- und Wellness-­Hotel. Es ist eines der wenigen 5-Sterne-Hotels im Harz. »Trotz der Größe mit 260 Zimmern und Suiten bieten wir eine familiäre Atmosphäre«, erklärt Seela. Es kommen deshalb viele Familien und vor allem Paare, die Wellness und Fitness, Muße und Entspannung suchen. Es braucht schon einige Tage, um etwa die vier verschiedenen Restaurants und drei Bars zu erkunden. Es gibt zugleich großzügige Räumlichkeiten für Tagungen.

Attraktive Veranstaltungen

»Gemeinschaftliche Veranstaltungen für viele Gäste, etwa Wandern in Gruppen, sind heute nicht mehr gefragt«, berichtet Seela. Dafür bietet das Hotel viele andere Aktivitäten, etwa im Sommer »Dinner im Park« mit Musik-Shows, Oldtimer-Fahrten, E-Bike-Touren oder – nach 26 Jahren immer noch beliebt – eine Zugfahrt auf den Brocken. Im Braunschweiger Landhaus-Hotel sind derweil die Krimi-­Dinner-Abende ein Renner und fast immer ausverkauft.

Die Entwicklung des Tourismus im Harz sieht Seela positiv. In einigen Orten habe sich viel getan. Allerdings wünsche er noch attraktivere Ortschaften mit besseren Gastronomie- und Einzelhandelsangeboten. »Es gibt im Harz auch zu wenig Ausflugslokale, die gut bewirtschaftet werden«, bemängelt Seela, der ständig zwischen den drei Standorten pendelt. Unter seinen 300 Mitarbeitern sind viele erfahrene Stammkräfte. Grundsätzlich werde es jedoch zunehmend schwieriger, gute Arbeitskräfte zu finden, so der Unternehmer: »Das merken die anderen, das merken aber auch wir. Vor allem in der Küche fehlt es heute häufig an einer guten Ausbildung.«

Verkehrsfachschule mit hauseigenem Internat

Als Chef der Verkehrsfachschule in Braunschweig, eine der größten zertifizierten Fachschulen in Deutschland, ist Seela auch ein ausgebildeter Fahrlehrer. Bisher wurden rund 14 000 Fahrlehrer ausgebildet. Eine Ausbildung dauert, in drei Blöcke aufgeteilt, acht Monate. Während dieser Zeit können die Schüler im hauseigenen Internat mit 80 Apartments wohnen. Auch hier sagt Seela einen Fachkräfte­mangel voraus: In den nächsten zehn Jahren, so der Branchenprofi, schieden die Hälfte aller Fahrlehrer aus Altersgründen aus.

Bild oben: Frank Seela, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Seela.
geschrieben von  sie
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