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Die Bad Harzburger Galopprenn­woche: »Wirtschaftsförderung für die Stadt« Montag, 09 Juli 2018 09:19 Foto: Uwe Epping

Die Bad Harzburger Galopprenn­woche: »Wirtschaftsförderung für die Stadt«

Die Galopprennbahn in Bad Harzburg ist ein Schmuckstück. Sie liegt eingebettet in der Vorharzlandschaft, die grüne Bergkulisse des Harzes als prächtiger Hintergrund, eingerahmt von Wiesen und Weiden und Galerien alter Eichen. »Es ist die grüne Lunge der Stadt«, meint Stephan Ahrens. »Und es ist für mich die schönste Rennbahn in Deutschland.« Ahrens muss es wissen. Er ist Präsident des altehrwürdigen Harzburger Rennvereins von 1880, besitzt selbst einen Rennstall und kommt deshalb viel in der deutschen Galopper-Szene herum. Die malerische Naturkulisse ist die Basis für guten Sport, spannende Rennen und beste Unterhaltung. Vom 20. bis 29. Juli findet die 139. Auflage der Bad Harzburger Galopprennwoche statt – eine der Traditionsveranstaltungen im deutschen Pferdesport.


An sechs Tagen wird es mehr als 50 Rennen geben, rund 500 Pferde gehen an den Start, während die Besucher an den Wettschaltern auf Sieg, Platz oder Einlauf setzen können. »Wir erwarten, wenn das Wetter mitspielt, bis zu 60 000 Besucher und einen Wett­umsatz von deutlich mehr als einer Million Euro«, sagt Ahrens. So viele Besucher in so kurzer Zeit dürfte es bei kaum einer anderen Sportveranstaltung in der Region geben.

Sport und Unterhaltung

Der Galopprennsport ist in Deutschland unverändert populär. 1,6 Millionen Besucher kommen pro Jahr zu den sportlichen Live-Veranstaltungen, nur beim Fußball sind es mehr. Die Bad Harzburger Renn­woche sei wirtschaftlich gefestigt und genieße immer mehr Ansehen. »Wir bieten vor allem Basissport mit sehr gut dotierten Rennen«, erläutert Ahrens. Neben Flach­rennen gibt es auch einige Hindernisrennen. Eine Harzburger Spezialität sind Seejagd­rennen, bei denen es ein Stück durchs Wasser geht.

Die Top Ten sind am Start

Bad Harzburg sei im Galopprennsport derzeit »in« und bei Sportlern sehr gefragt, berichtet Ahrens. In diesem Jahr sind die Top Ten in Deutschland bei Jockeys und Trainern allesamt am Start. Komplette Wochen-Meetings gibt es neben Bad Harzburg nur noch in Hamburg (Derby-Woche) und in Baden-Baden. Das hat sich beim Fachpublikum herumgesprochen. »Zwar kommen noch immer zwei Drittel der Besucher aus unserer Region, aber ein Drittel reist inzwischen aus ganz Deutschland an.«

Viele verbinden den Rennwochen-Besuch mit einigen Tagen Urlaub im Harz. Deshalb sind die Hotels in Bad Harzburg und Goslar zur Rennwoche weitestgehend ausgebucht, die Gastronomie floriert. »Wir betreiben Wirtschaftsförderung für die Stadt«, merkt Ahrens an und lobt das Engagement der Harzburger Bürger, die »die Rennwoche leben«.

Familiäre Atmosphäre

Hotels und Gastronomie finanzieren übrigens übers Sponsoring den kompletten sechsten Renntag, der vor vier Jahren eingeführt worden ist. »Ich kenne Leute, die verzichten inzwischen auf Baden-Baden oder Hamburg, kommen lieber nach Bad Harzburg«, erzählt Ahrens. Hier reizt neben dem attraktiven Sport die lockere und familiäre Atmosphäre, es gibt eine kulinarische Flaniermeile und die Möglichkeit, auf dem Rasen vor der großen Tribüne entspannt zu picknicken. Dazu wird ein buntes Rahmenprogramm angeboten und es gibt einen Kinderspielplatz.

Der Etat der Rennwoche liegt bei rund 800 000 Euro, fast die Hälfte davon entfällt auf Preisgelder. Finanziert wird der Etat durch Sponsoring, Wetteinnahmen und Eintrittsgelder (zwischen 6 und 18 Euro für eine Tageskarte). Die Stadt gibt außerdem einen Zuschuss. Inzwischen machen 50 Sponsoren mit. Die Braunschweigische Landessparkasse ist Hauptsponsor, veranstaltet an einem Renntag einen großen Kundenempfang und sponsert dazu das mit 37 000 Euro höchstdotierte Rennen.

Zukunftsmodell ­Kooperation

»Bei den Wettumsätzen liegen wir auf einem guten siebten Platz unter 26 deutschen Rennbahnen«, berichtet Ahrens. Die ersten beiden Renntage werden mit dem staatlichen französischen Wettkonzern PMU veranstaltet. Der überträgt die Rennen in 11 000 Wettannahmestellen in Frankreich, bei denen auch auf Bad Harzburg gewettet werden kann. Der Rennverein bekommt drei Prozent vom Umsatz. Ahrens erwartet, dass so 120 000 Euro hereinkommen.

Diese Kooperation könnte ein Zukunfts­modell sein, denn der deutsche Galopprennsport ist durch die Internet-Wetten in die Krise geraten. Die Wetteinnahmen am Totalisator vor Ort auf den Rennbahnen sind drastisch eingebrochen. Die Internet-Buchmacher säßen teilweise in ausländischen Steuer­oasen. »Die stecken die Gewinne ein und wir bekommen nichts, müssen aber die Veranstaltungen organisieren und finanzieren«, klagt Ahrens. Er verweist auf das französische Modell: Dort gibt es als Wettanbieter nur die staatliche PMU, die die Sport-Veranstalter an den Umsätzen beteiligt. Die Alternative ist eine Kooperation mit der PMU, wie sie die deutschen Galoppsport-Verbände kürzlich vereinbart haben.

Im Wettbüro und im Internet wettet man gegen den Buchmacher, der eine Quote vorgibt. »Bei Totalisator-Wetten vor Ort gehen die Wett­einnahmen für jedes Rennen in einen Pool, die Gewinnquoten werden hinterher ermittelt«, erklärt Ahrens. Vom Wettumsatz je Rennen werden fünf Prozent Wettsteuer und durchschnittlich zehn Prozent für den Veranstalter abgezogen. Ausgeschüttet werden also rund 85 Prozent.

Überschüsse wurden ­investiert


In Bad Harzburg werden sechs verschiedene Wett-Arten angeboten, die Mindesteinsätze betragen 50 Cent beziehungsweise ein Euro. Am beliebtesten sind die Siegwette und die Dreierwette, bei der die ersten drei Pferde in der richtigen Reihenfolge getippt werden müssen und die Gewinnquoten meist höher sind. An jedem Renntag gibt es einmal sogar eine Vierer­wette mit noch höheren Quoten. Dazu wird wahlweise ein »Quick-Pick« angeboten: Dabei erarbeitet der Computer für den Wetter anhand bestimmter Kriterien automatisch einen Tipp. »Wir haben in den vergangenen Jahren fast immer einen Überschuss erzielt«, fasst Ahrens zusammen. Der ging stets in die Reserve, aus der Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten auf der Rennbahn finanziert werden. Einziger negativer Ausreißer mit einem finanziellen Minus war das Jahr 2017, als ein kompletter Renntag wegen eines schweren Unwetters ausfiel. Ahrens ist seit sieben Jahren Präsident des Rennvereins. Beruflich ist er leitender Angestellter der Goslarer Niederlassung des Elektro-­Großhändlers Sonepar. Ahrens stammt aus Oker und war schon als Kind mit seinem Vater auf der Rennwoche. Dabei entwickelte er das Interesse für Pferde. Später gründete er mit Partnern einen eigenen Rennstall, der derzeit vier Pferde hat. Bei der Rennwoche stehen die Tiere im benachbarten Gestüt. Das ruht zwar derzeit, wird aber zur Rennwoche hergerichtet. »Ohne das Gestüt gebe es die Rennwoche nicht«, betont Ahrens.

Sanieren und Übertragen

Das Land als Eigentümer will das Gestüt komplett sanieren und dann auf die Stiftung Braunschweigischen Kulturbesitz übertragen. Das Gestüt ist 1413 gegründet worden und vermutlich das älteste Gestüt in Deutschland.

Die Nord/LB ist als Betreiber ausgestiegen, eine neu gegründete Gestüt Harzburg GmbH hat den Betrieb gepachtet. Sie gehört der Stadt, dem Rennverein und einigen Harzburger Privat­leuten. Die eigenen Pferde sind derzeit noch bei anderen Gestüten untergebracht. Das größte Kapital des Gestüts ist der Deckhengst ­Adlerflug. Der deutsche Derby-­Sieger von 2007 hat bereits hunderte von Nachkommen gezeugt.

Bild ganz oben: Die Zuschauer können die Rennen auf einer großen Videoleinwand gegenüber der Tribüne verfolgen.

 
 
 
 
geschrieben von  sie
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