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Elektroauto-Kompetenz made in Ilsede Mittwoch, 16 Mai 2018 08:30 Foto: Markus Hörster

Elektroauto-Kompetenz made in Ilsede

Elektromobilität ist in aller Munde. Auch auf den Straßen in der Region Braunschweig sind im alltäglichen Verkehr immer häufiger Elektrofahrzeuge zu sehen. Wer als Besitzer eines Elektroautos Beratung und Zubehör sucht, wird seit knapp zwei Jahren in Gunnar Krugs eAuto-Laden in Ilsede im Landkreis Peine fündig. Alles fing im Jahr 2016 an, als er sich sein erstes Elektroauto kaufte.



Für 29 000 Euro schaffte er sich einen KIA Soul an. Die Reichweite: etwa 200 Kilometer. Eine Fahrt von Ilsede nach Braunschweig oder Hannover und zurück ist also mit dem Fahrzeug problemlos möglich, ohne den Akku zwischendurch aufladen zu müssen. Eine der ersten längeren Fahrten nach der Anschaffung ging nach Berlin. Zu diesem Zeitpunkt wurde eine Reise dieser Länge noch zu einem kleinen Abenteuer. Nur drei Schnellladesäulen gab es zwischen Peine und der Bundeshauptstadt. Um zu tanken war es außerdem notwendig, die Autobahn zu verlassen, erinnert sich Gunnar Krug. Ist der Akku fast leer, muss man etwa eine halbe Stunde Pause einlegen, um den Akku auf 80 Prozent der Kapazität aufzuladen. Ohne Strom kommt man mit einem Elektroauto selbstverständlich nicht voran. Ein praktischer Helfer, so Krug, sei – auch heute noch – das Stromtankstellen-Verzeichnis von ­GoingElectric.de, das von den Nutzern gepflegt und auf dem neuesten Stand gehalten wird.

Die Idee eAuto-Laden

Neben mehr Ladesäulen vermisste der frischgebackene Elektroauto-Fahrer aber vor allem eines: eine kompetente, fachgerechte Beratung beim Händler. Es gäbe zwar auch Internetforen, wo man sich bei Problemen und Fragen austauschen könne. Aber dort höre man häufig zu viele verschiedene Meinungen. Außerdem war es 2016 noch nicht so einfach, in Deutschland mobile Lader zu bekommen, die ein Aufladen an herkömmlichen Steckdosen ermöglichen. Hier sah Gunnar Krug ebenfalls einen Bedarf und so war die Idee für den eAuto-Laden geboren.

Beratung, wo sein Hauptaugenmerk liegt, bietet Krug sowohl telefonisch als auch direkt vor Ort an. Nach vorheriger Absprache können Interessierte einfach vorbeikommen. Sein Kundenstamm ist ein bunter Mix aus Privatleuten und geschäftlichen Kunden – etwa Handwerksbetriebe aus der Region. Aber das Einsatzgebiet ist sehr viel größer. Gunnar Krug ist schon für Kunden aus ganz Deutschland und darüber hinaus aus Österreich, den Niederlanden, den Benelux-Ländern und selbst auf Mallorca beratend tätig gewesen. Wenn es darum geht, Ladestationen beispielsweise in Wohnhäusern zu installieren, kooperiert er mit Elektroinstallationsunternehmen, die die fachmännische Installation übernehmen und am besten beurteilen können, welche Arbeiten durchgeführt werden müssen.

Zurück zu den Wurzeln

Der 1966 in Gera geborene Krug ist gelernter Radio-Fernsehtechniker-Meister und geht mit seinem eAuto-Laden somit ein Stück weit zu seinen beruflichen Wurzeln zurück. 2004 kam er in den Landkreis Peine und baute zunächst aus dem Hobby heraus einen Versandhandel mit Aquaristik-Zubehör auf. Das in der Anfangszeit reine eBay-Geschäft ist heute zu seiner Haupteinnahmequelle geworden. Nun möchte er sich aber in erster Linie seinem eAuto-Laden widmen und daher das Aquariengeschäft abgeben. Nur so wäre es ihm möglich, einen größeren Teil seiner Zeit dem Thema zu ­widmen und den Umsatz zu steigern, sagt er. Im eAuto-Laden ist der Gründer bislang der einzige Mitarbeiter. Unterstützung bekommt er von Lebensgefährtin Gaby.

Noch zu viele Hürden

Ein Trend manifestiert sich Krug zufolge derzeit mit den sogenannten Destination Ladepunkten, also Stromtankstellen, die von Supermärkten, Hotels, Fitnessstudios oder anderen Unternehmen installiert werden, wo sich Menschen eine längere Zeit aufhalten. Diese Zeit kann auch für das Elektroauto sinnvoll genutzt werden, um den Akku aufzuladen. Allerdings sei dieses Geschäft noch mit Hürden verbunden. Wolle man mit seiner Stromtankstelle Geld verdienen, müsse man sich derzeit als offizieller Stromverkäufer anmelden. Krug hat sich deshalb dazu entschieden, seine Stromtankstelle kostenlos zur Verfügung zu stellen. Zu viel Regulierung sei nicht gut. Stattdessen sollten mehr Anreize geschafft werden, Stromtankstellen aufzustellen, findet der Unternehmer. Einen Lichtblick gebe es: Die neue große Koalition will in der neuen Legislaturperiode die Errichtung von privaten Ladesäulen fördern. Auch Mieter und Wohnungseigentümer sollen leichter Ladestellen installieren können, ohne große rechtliche Hürden überwinden zu müssen.
Innovationen sind nötig

Der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und der SPD auf Bundesebene sieht noch mehr Maßnahmen vor, die die Elektromobilität in Deutschland vorantreiben und Anreize für einen Umstieg schaffen sollen. So plant die neue GroKo, die Kaufprämien für Taxis und leichte Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb zu erhöhen. Die Dienstwagenbesteuerung von Elektro- und Hybridfahrzeugen soll von den üblichen 1 Prozent auf 0,5 Prozent herabgesetzt werden. Außerdem ist geplant, für gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge eine auf fünf Jahre befristete Sonder-AfA (Abschreibung für Abnutzung) von 50 Prozent im Jahr der Anschaffung einzuführen. Gunnar Krug sieht diese Vorhaben positiv, hegt aber auch Zweifel an der Umsetzbarkeit. Für gewerbliche Nutzer und Privatleute gleichsam interessant ist der geplante Ausbau der Ladeinfrastruktur. Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens 100 000 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge dazukommen – davon mindestens ein Drittel Schnellladesäulen. »Innovationen sind nötig«, meint Gunnar Krug. In Finnland beispielsweise würden Ladestationen in Straßenlaternen eingebaut.

Wichtig sei darüber hinaus, dass zwischen allen, die mit der Elektromobilität zu tun haben, eine stärkere Vernetzung als bislang stattfinde. Nur so könne das Know-how besser gebündelt werden, so der Unternehmer, der auch die Medien in der Pflicht sieht, der Elektromobilität auf die Sprünge zu helfen und sie attraktiver zu machen. Allzu oft werde dort einfach sehr viel »Unsinn« erzählt, ärgert sich Gunnar Krug.

Bild oben: Gunnar Krugs eAuto-Laden bietet Lade­zubehör und Beratung. 
geschrieben von  Markus Hörster