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Neues Ausbildungsprojekt der Bühler GmbH fördert die Innovationskraft der jüngsten Mitarbeiter Freitag, 09 März 2018 10:35 Foto: Tim Jauernig

Neues Ausbildungsprojekt der Bühler GmbH fördert die Innovationskraft der jüngsten Mitarbeiter

Wer in der IT-Abteilung der Bühler GmbH den Ausbildungsbereich betritt, dem fällt direkt eine Reihe mobiler Wagen auf. Auf fast gesamter Raumbreite finden sich Monitore, jede Menge Kabel und verschiedene technische Apparaturen – das ist der firmeneigene Ausbildungsschwerpunkt »Industrie 4.0 in der Praxis«.

Für die Auszubildenden von Bühler ist dieser Ausbildungsschwerpunkt die erste Berührung zum Internet of Things (kurz: IoT), das die zunehmende Vernetzung zwischen »intelligenten« Gegenständen bezeichnet – sowohl untereinander als auch mit dem Internet. Verschiedene Objekte, Alltagsgegenstände oder Maschinen werden dabei mit Prozessoren und Sensoren ausgestattet. Damit sind sie in der Lage, miteinander zu kommunizieren und die Arbeit des Menschen zu unterstützen.

Digitalisierung als ­Handlungstreiber

»Wir haben für unser Projekt eine modulare Systemumgebung aufgebaut. Anhand dieser Module vermitteln wir den Auszubildenden grundlegendes IoT-Wissen, welches wir dann über einen Wissenstest bezogen auf den jeweiligen Ausbildungsberuf abprüfen«, erklärt Oliver Wulff, IT-Leiter bei Bühler.

Wie viele andere Betriebe steht auch Bühler vor den komplexen Herausforderungen des digitalen Wandels. Wer den Anschluss an die Industrie 4.0 verpasst, droht auch der Konkurrenz hinterherzuhinken. »Wir haben gemerkt, dass das Grundwissen und die Akzeptanz für die neuen Technologien im Unternehmen und auch bei den jüngeren Leuten noch nicht vorhanden sind. Da kam bei uns die Frage auf: Wie können wir das Thema pushen?«, sagt Wulff.

Schnell war klar: Die Auszubildenden sollen vor allen anderen im Unternehmen mit der neuen Technologie in Kontakt kommen. Dabei sollen sie nicht nur lernen, sondern das Projekt mit ihren Vorstellungen weiterentwickeln und selbst neue Übungsszenarien kreieren. Die Ideen von 17 bis 19-Jährigen seien oft innovativer als die von Ingenieuren, die schon 20 Jahre im gleichen Muster arbeiteten, meint Wulff.

Mit dem neuen Ausbildungsschwerpunkt setzt Bühler voll auf die Innovationskraft der jüngsten Mitarbeiter. Eine große Herausforderung für Jugendliche, die vor ihrer Ausbildung oftmals nur oberflächlich mit dem Thema in Berührung kamen. So ging es auch Hannes John, Auszubildender zum Industriemechaniker: »Wenn man von außen ins Unternehmen kommt, hat man noch keine genaue Vorstellung davon, was die Abläufe und Prozesse anbelangt. Durch das Projekt haben wir die Grundlagen zur ­Industrie 4.0 gelernt und konnten schnell vieles selbst ausprobieren.«

Auszubildende werden zu Industrie 4.0-Botschaftern

Bei Werksrundgängen habe er beispielsweise gelernt, dass gerade der Bereich Monitoring, also das Sammeln und Auswerten von Daten, in der Praxis bereits intensiv angewandt wird. »Dadurch können wir Arbeitszeiten intensiver nutzen und Verluste verringern«, spezifiziert John. Mit ihrem neuen Wissen kommt auf die Auszubildenden noch eine weitere Aufgabe zu: Sie sollen in den verschiedenen Fachbereichen als Botschafter der neuen Technologien auftreten. Auf diese Weise entstehen im Unternehmen nicht nur mehr Innovationen. Bühler stärkt damit auch das Interesse und die Akzeptanz für IoT-Lösungen in der gesamten Belegschaft.

Der Ausbildungsschwerpunkt startet für alle Auszubildenden mit einem dreitägigen Kurs. »Wir wollen herausfinden, welcher Auszubildende sich – unabhängig vom Beruf – für dieses Feld interessiert«, sagt Volker Neitzel, Ausbildungsleiter bei Bühler. Zu Beginn soll es vor allem darum gehen, dass sich die jungen Mitarbeiter mit der Technik vertraut machen, ein grundlegendes Verständnis entwickeln und selbst Sachen ausprobieren können.

Welcher Auszubildende hat eine Affinität zum Thema?

In den nächsten Lehrgängen werde das Level dann zusehends angehoben. Ziel sei es, dass die Auszubildenden Problemstellungen aus der Produktion bekommen und lernen, diese auf möglichst simple Art und Weise zu lösen. Das Finden nachhaltiger wie praxistauglicher Lösungen, um diese in Kundenprojekten umzusetzen, behalte man darüber hinaus im Fokus.

Vier Themenmodule in ­drei Tagen

Für die Auszubildenden und Bühler bedeutet das Projekt zusätzlichen Aufwand, finden doch sämtliche Schulungen neben dem eigentlichen Ausbildungsplan statt. Aktuell lernen die Auszubildenden in vier verschiedenen Modulen: Sensorik, Robotik, Automatisierung und Monitoring. Damit gelingt ihnen der Einstieg in die »predictive maintenance«. »Das ist ein Stück weit die Industrie 4.0. Damit können wir vorausschauend arbeiten und sind vorbereitet, wenn zum Beispiel eine Maschine kaputt geht«, skizziert der fachliche Leiter des Projekts, Andre Aper.

Mit den vier Modulen sei das Projekt bei ­weitem noch nicht am Limit angelangt. Im nächsten Schritt wird jetzt ein 3-D-Drucker implementiert. »Wir könnten hier für das ­Projekt eine richtige produktive Linie aufbauen«, so Aper. Das zweite große Thema, das ergänzt werden soll, ist die Datensicherheit – schließlich sollen Konstruktions- oder Kundendaten nicht einfach zugänglich sein.

Alle Mitarbeiter brauchen ein IoT-Grundverständnis

Zukünftig wird es jedoch nicht ausreichen, wenn ausschließlich die Auszubildenden an den Modulen lernen, was es mit IoT und Industrie 4.0 auf sich hat. Daher plant Bühler, das ­Projekt sukzessive für die gesamte Belegschaft zu öffnen. »Wir passen dann die Inhalte bezogen auf den Fachbereich an. Ein Vertriebler wird also nicht so in die Tiefe gehen wie ein Mecha­troniker, aber wir wollen allen Mitarbeitern ein Grundverständnis vermitteln«, sagt IT-Leiter Wulff. Am Ende solle nämlich vor allem der Kunde von den IoT-Kompetenzen der Bühler-Mitarbeiter profitieren.

Einfach machen, nicht reden

Den sehr komplexen Bereich von Industrie 4.0 komplett zu erfassen, gelingt nur äußerst schwer. Mit dem Projekt verfolgt Bühler nicht den Ansatz, die gesamte Themenvielfalt abzudecken, sondern sich über einen Teilbereich anzunähern. Auf diese Weise ist es leichter, nach und nach zu wachsen und die IoT-Lösungen in kleinen Schritten weiterzuentwickeln.

»Ganz wichtig ist, dass man irgendwann einfach anfangen muss, Sachen umzusetzen. Es reicht nicht, nur über die Themen der Industrie 4.0 zu diskutieren. Wir waren uns auch der Gefahr bewusst, dass wir uns mit dem Projekt verrennen können, doch wir haben jetzt eine Basis geschaffen, auf der wir weiterarbeiten und uns stetig verbessern können«, fasst Ausbildungsleiter Neitzel zusammen.

Unternehmen, die mehr über das Ausbildungsprojekt erfahren möchten, können sich bei Bühler direkt an Oliver Wulff oder den Personalreferenten Adam Potstada wenden.

Bild ganz oben: Für die Beteiligten bei Bühler ist der Projektstart nur der erste Schritt in der Digitalisierung (v. l.): Oliver Wulff, Detlef Bertram, Andre Aper, Volker Neitzel und die Auszubildenden Tobias Skolik und Hannes John.

geschrieben von  tj