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»Wir wollen bodenständig bleiben« Freitag, 15 Dezember 2017 10:11 Foto: Jörg Scheibe

»Wir wollen bodenständig bleiben«

Das Autofahren wird immer mehr automatisiert. Zahlreiche Assistenzsysteme, die den Fahrer unterwegs unterstützen gibt es bereits. Der Markt hat riesiges Zukunftspotenzial. Auf dem ­tummelt sich erfolgreich das noch junge Braunschweiger Unternehmen KST Innovations GmbH, das Timo Steinwender und Oliver Klages vor drei Jahren gegründet haben.



Sie entwickeln Software vor allem für Sensorsysteme, mit denen beispielsweise Abstände gemessen, Fahrzeuge geortet oder Objekte auf der Straße erkannt werden. »Wir machen Forschung und Entwicklung und betreten mit unseren Softwarelösungen oft technisches Neuland«, erzählt Steinwender. Dafür braucht es kreative Köpfe mit speziellem Fachwissen. Doch die sind derzeit rar. »Wir suchen händeringend neue Mitarbeiter«, berichtet Klages. Man habe bereits Aufträge ablehnen müssen. Der Mangel an Fachkräften gelte für die gesamte Softwarebranche, meint Steinwender. Er schätzt, dass allein in der Region Braunschweig-Hannover einige tausend Jobs nicht besetzt werden können.

Privates Projekt als ­Initialzündung

Steinwender und Klages haben sich während des Studiums an der TU Braunschweig kennengelernt. Später arbeiteten sie in unserer Region bei verschiedenen Unternehmen in der Auto- und Bahntechnikbranche. Die Initialzündung für die Firmengründung war allerdings ein privates Projekt: Gemeinsam rodeten sie ein großes verwildertes Grundstück am Stadtrand von Braunschweig, das Klages geerbt hatte, und machten es wieder urbar. Ihr erstes Büro im benachbarten Gebäude sanierten sie ebenfalls selbst. »So etwas schweißt zusammen«, meint Steinwender: »Wir haben dabei festgestellt, dass wir gut zusammenarbeiten können.« Mit 31 beziehungsweise 33 Jahren gründeten sie das Unternehmen, dessen Kürzel-Name sich aus ihren Nachnamen herleitet. Neben den Fahrerassistenzsystemen bauten sie ein zweites Standbein mit der Entwicklung von Apps für Smartphones und Tablets auf.

Start mit vollen Auftrags­büchern

Den Start hatten die beiden gründlich vorbereitet: Sie stellten sich und ihre Pläne bei Unternehmen der Dienstleistungs- und Marketingbranche, die potenzielle Kunden waren, persönlich vor. »Die Resonanz war gut, wir konnten mit vollen Auftragsbüchern starten«, berichtet Klages. Und weil die Start-up-Kosten bei einem Software-Unternehmen geringer sind, habe man gleich voll loslegen können. Der erste Auftrag war übrigens eine Augmented-Reality-Entwickung für einen VW-Zulieferer.

Derzeit beschäftigt KST zwölf Mitarbeiter. Es könnten mehr sein. »Wir versuchen, neue Mitarbeiter auf Firmenkontaktmessen, im Internet oder durch Einsatz von Headhuntern zu bekommen«, fasst Steinwender zusammen. Außerdem plane man, künftig selbst Software- und Anwendungsentwickler auszubilden.

Kreative und motivierte Mitarbeiter

Neuen Mitarbeitern hat das Unternehmen einiges zu bieten, glauben die beiden geschäftsführenden Gesellschafter: Attraktive Jobs in einem Produktbereich mit großer Zukunft. Der Arbeits- und Führungsstil sei locker, es gebe viel Freiraum für Kreativität durch flexible Arbeitszeiten, man setze auf Teamarbeit und Transparenz durch eine offene Information und Wissensvermittlung. Bei Anfragen von Kunden für neue Aufträge werden die Mitarbeiter einbezogen und gefragt, ob sie das Projekt interessant finden. Da wird auch schon mal eine Anfrage abgelehnt. Steinwender: »Das mag Luxus sein. Wir nehmen uns das aber heraus, weil nur kreative und motivierte Mitarbeiter gute Arbeit leisten.«

Im Bereich automatisiertes Fahren beschäftigten sich die KST-Entwickler vor allem mit Sensorsystemen der verschiedenen Technologien wie Radar, Laser oder Bildkameras. Da geht es um das Erfassen von Abständen zwischen Fahrzeugen, um eine sehr genaue Ortung von Fahrzeugen mit Hilfe eines verbesserten GPS-Navigationssystems oder um die Objekterkennung. Beispielsweise wurde für einen Autohersteller ein HMI-Display (Human-Machine-Interface) fürs Cockpit entwickelt, dessen Informationen auf das automatisierte Fahren ausgelegt sind.

Entwicklung von ­Platt­formen

Darüber hinaus entwickelt KST für andere Kunden Apps für Smartphones und Tablets: beispielsweise eine Lösung zur Immobilienverwaltung oder fürs Marketing eines großen Finanzdienstleisters. Stark sei man, so Klages, in der Entwicklung von Plattformen, auf deren Basis dann spezielle Apps für verschiedene Betriebssysteme und Geräte einfacher und effizienter erstellt oder variiert werden können.

Wichtig ist den beiden Chefs mit Blick auf die Kunden aus der sensiblen Autobranche, dass das Unternehmen nach dem Tisax-Standard sicherheitszertifiziert ist. Dieser Standard für den sicheren und vertraulichen Umgang mit Kundendaten ist vom Verband der Automobilindustrie (VDA) initiiert worden.

Klages: »Eine Stärke von uns ist das Rapid Prototyping.« Da geht es um die Entwicklung einer ersten schnellen Software-Lösung, um gemeinsam mit den Kunden feststellen zu können, ob das Produkt überhaupt funktionieren könnte. Dabei können Probleme und Änderungswünsche des Kunden frühzeitig erkannt und berücksichtigt werden. »Es kann durchaus passieren, dass man daraufhin ein Projekt auch mal einstellt«, erklärt Klages.

Die beiden Firmen-Chefs wollen bodenständig bleiben und »organisch wachsen«, das Wachstum möglichst eigenfinanzieren. Und wie formulieren sie ihre Unternehmensphilosophie? Steinwender: »Wir wollen nicht nur Geld verdienen, sondern später einmal stolz darauf sein können, mit guten Mitarbeitern etwas Neues und Wichtiges geschaffen zu haben.«

Bild oben: Timo Steinwender (l.) und Oliver Klages kennen sich noch aus dem Studium. Vor drei Jahren haben sie die KST Innovations GmbH gegründet.
geschrieben von  sie
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