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Wer ist eigentlich … Sebastian Sauer? Mittwoch, 05 Dezember 2018 10:53 Foto: André Pause

Wer ist eigentlich … Sebastian Sauer?

Der Mann schaut zufrieden aus an diesem frühen Nachmittag in Hannover. Kurz zuvor ist Sebastian Sauer im GOP Theater ausgezeichnet worden, als niedersachsenweit bester Auszubildender in seinem Beruf. Sauer hat seine Lehrjahre am Standort Salzgitter bei MAN Truck & Bus absolviert, nun ist er Zerspanungsmechaniker – der zweite in der Familie. Bereits vor drei Jahren ist Bruder Fabian als Landesbester seiner Zunft geehrt worden. »Er hat kurioserweise ausgelernt, als ich meine Ausbildung im gleichen Unternehmen angefangen habe, und die Latte mit seinem Abschneiden sehr hoch gelegt«, skizziert der 33-Jährige und lächelt. »Ich habe unserem Ausbilder Matthias Keller damals gesagt, dass ich das auf jeden Fall überbieten muss.«

So richtig für möglich gehalten habe er das zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht, gewonnen hat Sebastian Sauer den innerfamiliären Wettstreit nun aber tatsächlich, ist er doch mit seinem Ergebnis nicht nur Landes-, sondern auch noch Bundessieger. Als solcher wurde er am 3. Dezember im Rahmen der 13. Nationalen Bestenehrung in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen und ausgezeichnet. In noch strahlenderem Licht erscheint das hervorragende Abschneiden in Anbetracht der Tatsache, dass der Ausbildungsberuf ein überaus beliebter und die Konkurrenz entsprechend groß ist.

Sauer selbst war sich dabei zunächst gar nicht so richtig sicher, dass der Zerspanungsmechaniker hundertprozentig »sein Ding« sein würde. »Für mich war das ja schon meine zweite Ausbildung. Davor habe ich Drucker gelernt und auch ein paar Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Weil die Zukunftsperspektiven schon damals nicht so gut waren, habe ich nachgedacht. Und nachdem ich mich mit Fabian, der zuvor auch schon eine Ausbildung zum Zahntechniker absolviert hat, über das Thema unterhalten habe, stand fest: wenn ich eine neue Ausbildung mache, dann bei MAN als Zerspanungsmechaniker«, erzählt der frischgebackene Facharbeiter.

Die zweite Ausbildung

Ein halbes Jahr, von dreieinhalb auf drei Jahre, konnte Sauer die Ausbildung aufgrund seiner Vorerfahrung verkürzen. Anfängliche Bedenken, einen ganz zentralen Punkt betreffend, zerstreuten sich rasch: »Das Drücken der Schulbank fiel mir doch leichter, als gedacht. Ich denke, dass das Alter und Erfahrung einiges kompensieren. Es ist schon etwas anderes, als wenn man mit 16 frisch von der Schule kommt und das Berufsleben noch gar nicht kennt. Man geht so letztlich doch ernster an die Sache heran, gibt sich, so habe ich es empfunden, noch mehr Mühe«, sagt Sauer. Er habe durch seinen Bruder natürlich noch einmal mehr Ansporn gehabt, sehr gut abzuschneiden. Jetzt der Bundesbeste in seinem Beruf zu sein, das hätte er sich vorher freilich nicht träumen lassen, dafür sei er nun umso glücklicher.

Spaß hat ihm seine Ausbildung ohnehin gemacht. Das Arbeiten mit Maschinen, die CNC-Steuerung, die Kombination aus gedank­licher Leistung und händischer Arbeit – das liege ihm. »Der Bürokaufmann wäre jetzt vermutlich nichts für mich gewesen. Ich bin eher ein Mann der Tat«, lacht Sauer, der in Bornum im Landkreis Wolfenbüttel aufgewachsen ist, bis heute im 500-Seelen-Dorf wohnt und werktäglich eine halbe Stunde zum Arbeitsplatz pendelt. Die Liebe zum Beruf sei am Ende wichtiger als das Fachliche, meint er. Die Einstellung müsse stimmen, das Interesse da sein: »Wer nicht mit vollem Einsatz dabei ist, kann womöglich trotzdem eine gute Ausbildung machen, aber es fehlt das letzte Bisschen, um sehr gut zu sein.«

Schichtbegleitend Meisterschule

Sebastian Sauer bringt diesen Einsatz, die nötige Eigeninitiative mit. Die Wochenenden vor den Prüfungen habe er beispielsweise komplett zum Lernen genutzt. Privat beschäftige er sich dagegen nicht allzu oft mit technischen oder mechanischen Themen, gibt er zu Protokoll. Am Auto oder – ein wiedererstarktes Interesse – dem Motorrad schrauben, das käme allerdings schon vor.

Seinem Ausbildungsbetrieb fühlt sich der Bundesbeste ebenso verbunden wie seinem Wohnort. Von der Stelle kommen möchte er trotzdem: Seit einem Monat besucht er daher schichtbegleitend die Meisterschule. Dreimal die Woche vor oder nach der Arbeit geht es zum Unterricht. Läuft alles nach Plan, ist er in zwei ­Jahren Industriemeister.

Dann gibt es den nächsten Grund zum Feiern, mit Freunden, den stolzen Eltern, dem Rest der Familie und Freundin Tabitha.
geschrieben von  pau
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