Unsere Partner
Wer ist eigentlich … Frauke Allen? Dienstag, 30 Oktober 2018 10:26 Foto: André Pause

Wer ist eigentlich … Frauke Allen?

Auch wenn sich hierzulande wohl niemand den großen Knall wünscht, so droht am 29. März 2019, zumindest aus heutiger Sicht, ein weitgehend ungeordneter Brexit. Intensiven Gesprächen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union zum Trotz ist weiterhin unklar, wie beide Seiten weiterhin einen möglichst reibungslosen Handel treiben können. Dabei mildert eine Übergangsfrist die Sorgen der Wirtschaft nur wenig.

Auch Frauke Allen, Inhaberin von Simply British, dem Fachgeschäft für britische Spezialitäten in der Schützenstraße, umtreiben die denkbaren Auswirkungen sehr. »Es wird wohl sehr unübersichtlich. Ich persönlich denke, dass es Preissteigerungen durch Zölle geben wird. Da hört es aber nicht auf. Auch die Lieferkosten selbst werden enorm steigen, weil die Spediteure sehr viel mehr Zeit einplanen müssen«, sagt die Geschäftsfrau und nippt am Tee. »Dover wird ein riesiger Parkplatz. Ich weiß nicht, wie die das machen wollen. Die Zoll-­Abfertigung wird der blanke Wahnsinn. Und ich habe ja insofern keine Ausweichmöglichkeit, weil alle meine Waren aus Großbritannien kommen.«

Drahtseilakt Waren­beschaffung

Schon jetzt sei die Selbstorganisation der Beschaffung ein echter Drahtseilakt – allein aufgrund der Ausweitung ihrer Produktpalette. »Ich habe so klein wie möglich angefangen, um das Risiko übersichtlich zu halten und um zu sehen, wie die Braunschweiger auf meine Geschäftsidee reagieren, es war ja etwas Neues. Als ich eröffnet habe, hatte ich vier Händler, bei denen ich Waren bestellt habe, jetzt sind es sechsmal so viele.«

Vor 25 Jahren hat es schon mal ein ähnliches Geschäftskonzept in Braunschweig gegeben, mit Antiquitäten und Möbeln von der Insel, erinnert sich die späte Gründerin. Seither habe auch sie den Gedanken eines Spezialgeschäftes mit sich herumgetragen. »Ich hatte gleich einen British-Shop im Kopf, wenn auch nicht in der Variante, wie man ihn in vielen anderen Städten findet, mit schlichtem Kioskcharakter und dem üblichen Union-Jack-Nippes. Ich wollte neben dem Supermarktsortiment auch Spezialitäten zeigen.« Im Bereich der Geschenk­artikel und hochwertiger britischer Keramik etwa gebe es immer noch viele ganz kleine familiengeführte Hersteller-Unternehmen.

Reize setzen

Auch wenn nach knapp zweieinhalb Jahren nicht mehr täglich neue Produkte präsentiert werden könnten, so versuche sie noch immer, gezielt Anreize für einen Besuch bei Simply British zu schaffen. Das wirkt. Selbst Kunden, die überhaupt keine Affinität, keine Verbindung zu Großbritannien hätten, seien aus reiner Neugier in den Laden gekommen, hätten was ausprobiert und kämen seither wieder. »Was ich besonders toll finde, ist, dass aus guten Kunden echte Freunde geworden sind.« Die Liebe zu Land, Leuten und Lebensmitteln schaffe Gemeinsamkeit, das ergebe sich einfach.

Bei ihr selbst sei aus der Liebe zu einer Person die Liebe zu einer ganzen Nation geworden. Ihr Mann Keith Richard war in Wolfenbüttel stationiert. Seit mehr als 30 Jahren sind sie jetzt zusammen. Da nehme man in Sachen landestypischer Lebensweise natürlich einiges mit. »Mein Mann hatte Heimweh zur britischen Küche. Deshalb habe ich versucht, einiges nachzukochen, was aber nicht so gut gelang, weil die Zutaten fehlten. Also gingen Pakete hin und her, wurden die Schwieger­eltern angebettelt«, erinnert sich die unternehmerische Einzelkämpferin schmunzelnd.

Selbst und ständig

Heute verschaffe eine Minijobberin ihr den Raum für ein wenig zeitliche Flexibilität. Zudem ist ihre 24-jährige Tochter Ashley, eine angehende Medien-Designerin, als studentische Aushilfe angestellt. Gut und gerne 50 Stunden bleiben trotzdem: neben dem Verkauf wollen die Buchführung am Wochenende, das Kassen­buch am Abend und Bestellvorbereitungen zwischendurch erledigt werden. »Selbst und ständig«, seufzt Frauke Allen, die vor ihrer Existenzgründung als Zahnarzthelferin und Mitarbeiterin im Seniorenwohnstift gearbeitet hat. Das Privatleben sei ihr extrem wichtig, aber es leide schon manchmal unter dem Pensum für ihren Lebenstraum.

Letzteren wolle sie nach durchaus mühsamer Aufbauarbeit – besonders Angela Wandrey vom Gründungsnetzwerk der Stadt sei in dieser Phase eine große Stütze gewesen – auf jeden Fall weiterleben. »Natürlich gibt es aktuell Ängste, aber man schiebt das auch weg: Scheuklappen halt. Da bin ich wahrscheinlich genauso wie die britische Regierung«, lacht Frauke Allen, die ihr Geschäft zwei Wochen vor der Brexit-Entscheidung eröffnet hat.

Und was wäre, wenn das Ergebnis des Votums vorher vorgelegen hätte? »Dann hätte ich trotzdem eröffnet«, sagt sie kämpferisch. »Keep calm and carry on!«

geschrieben von  pau
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok