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Wer ist eigentlich … Christian Cordes? Dienstag, 02 Oktober 2018 10:18 Foto: oh

Wer ist eigentlich … Christian Cordes?

Es ist schon eine Weile her, da bekam er seinen Spitznamen weg: digitaler Herbergsvater der Region 38. Das klingt ulkig, bringt die Funktion von Christian Cordes jedoch bestens auf den Punkt. Fest angestellt bei der Stadt ­Wolfsburg im Referat Digitalisierung, leitet er den Coworking-­Space Schiller 40 und das Projekt Markthalle in der VW-Stadt, ein Zentrum, das Bürgern Ein­blicke in Sachen digitale Entwicklung geben soll.

Seine Stärken – analytisches und strukturiertes Denken, das Erkennen und verstehen von Prozessen, Kommunikationskompetenz und Verhandlungsgeschick – setzt der 43-Jährige nicht nur im Job ein. »Das was alle meine beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeitsfelder gemein haben, ist das gleiche Ziel. Es geht am Ende immer um die Vernetzung von Menschen und Prozessen: digital und offline«, sagt Cordes.

Umfangreiches Engagement

Dabei ist sein Engagement so umfangreich wie vielfältig. Als Vorsitzender des Bundesverbandes Coworking Deutschland – German Coworking Federation organisiert er pro Jahr vier Netzwerktreffen sowie eine Deutschlandkonferenz und reist in ganz Europa umher, um sich neue Arbeitswelten und Arbeitsformen anzuschauen. Darüber hinaus ist der kreative Kopf Initiator und treibende Kraft diverser Event-Formate, wie der von der Braunschweigischen Stiftung geförderten Kultur- und Netzwerkreihe »Die Stadtfinder« oder dem stARTcamp38, bei dem es darum geht, die Teilnehmer für das digitale Zeitalter zu begeistern.

Auch einen Lehrauftrag an der TU Braunschweig hat Christian Cordes inne, am Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik Abteilung Informationsmanagement für die Bereiche Community-­Management und Social Innovation. »Allerdings halte ich aktuell keine Vorlesungen«, bemerkt der Netzwerkprofi, der ursprünglich Pädagogik und Medienwissenschaften studiert hat. Straff ist sein Programm trotzdem.

Neue Arbeit

Sich selbst bezeichnet Cordes als »Remote-­Worker«, der um zu arbeiten ganz grundsätzlich nur eine stabile Internetverbindung und Smartphone braucht. Als mobiler Wissensarbeiter sei er immer online und schaffe sich aus den skizzierten unterschiedlichen Bereichen seine Arbeitsumgebung. Anders wäre das Pensum wohl auch nicht zu bewältigen. »Das was ich heute mache, habe ich mir selber geschaffen und fortlaufend mit aufgebaut«, sagt er nicht ohne Stolz. Ein Role-Model für die inzwischen vielbeschworene Arbeit 4.0?

Zumindest werde der klassische Karriereweg immer seltener. Unternehmen von Morgen müssten sich stärker als bislang geschehen anpassen. »Dienstwagen und Co. sind keine Motivationsfaktoren mehr, vielmehr geht es um Mitgestaltungsoptionen, Freiheit und Diversität in Projekten und Prozessen«, skizziert ­Cordes. »Das Modell der Arbeit am Arbeitsplatz, so wie wir das heute kennen, wird in den nächsten Jahren keinen Bestand mehr haben.« In vielen Bereichen seien diese Veränderungen schließlich schon sichtbar: Künstliche Intelligenz beispielsweise ersetze Dienstleitungen in zunehmendem Maße. Und auch die Notwendigkeit der physischen Anwesenheit von Mitarbeitern stehe logischerweise immer mehr zur Debatte, wenn jedermann immer und überall auf seine Dateien zugreifen kann. Beim in Braunschweig lebenden Coworkingspezialisten laufe ein Großteil der Kommunikation über Videokonferenzen oder sonstige Kollaborationstools wie Slag oder Trello. »Ich arbeite zuhause, im Café oder eben im eigentlichen Büro. Wie es zeitlich am besten passt«, sagt Cordes. »Die IT-Strukturen in den Unternehmen müssen diesem Anspruch des agilen Arbeitens natürlich nachkommen, wenn das so gehen soll.«

Wertewandel ist nötig

Was sich freilich nicht so ganz einfach gestalte, weil die Digitalisierung nun mal an einen kulturellen Wertewandel gekoppelt sei. »Man kann nicht per se eine Technologie verteufeln, nur weil es Probleme mit der Nutzung gibt. Wie bei vielen Dingen liegt es, auch was Digitaltechnologie anbelangt, zuallererst am Nutzer. Wir müssen uns konsequenter fragen, wie wir mit dem Medium und seinen Möglichkeiten umgehen und Sinnvolles von nicht Sinnvollem trennen«, meint Cordes, der sein erstes Handy Anfang der 90er-Jahre anschaffte, sehr früh ein Laptop besaß und das erste iPhone aus Amerika einfliegen ließ.

Trotz aller nerdhaften Technikliebe (»ich habe aber auch lange Schlagzeug gespielt – ganz analog«) könne er Menschen mit Berührungsängsten verstehen. Umso wichtiger sei es allerdings, »unserer besten Ressource, dem Nachwuchs« ausreichend Digitalkompetenz zu vermitteln. »In anderen Ländern lernen Kinder Programmieren wie Fremdsprachen und wenden das Gelernte so selbstständig wie selbstverständlich an. Durch die Angst des Nichtbeherrschens entwickeln Leute zwangsläufig eine eher defensive Haltung zum Thema. Davon müssen wir mit mehr Kompetenz und mehr echter Auseinandersetzung wegkommen.«

geschrieben von  pau
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