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Wer ist eigentlich … Anikó Merten? Dienstag, 03 Juli 2018 08:10 Foto: oh

Wer ist eigentlich … Anikó Merten?

»Manchmal bringt dich die Bürokratie zur Verzweiflung. Hier besteht für mich das größte Potenzial, um Hürden einzureißen und abzuschaffen. Es ist doch unlogisch, dass ich meine Gewerbeanmeldung am PC eingebe, dann ausdrucke, um sie dann beim Amt einzureichen und die Mitarbeiterin es dann wieder alles abschreibt, ausdruckt und ich es dann, mit einem Stempel versehen, unterschreibe«, blickt Anikó Merten leicht irritiert auf die Zeit der Gründung ihres eigenen Unternehmens Genusskurator UG zurück.



Vor gut zwei Jahren ist die 36-jährige Kunstwissenschaftlerin auf die Idee gekommen, die Inhalte aus ihrem Studium mit dem Thema Kulinarik zu einem Geschäftsmodell zu verknüpfen. »In der Welt der Kunst und Kultur geht es darum Geschichten zu erzählen, Geschichte aufleben zu lassen oder diese zu präsentieren. Für uns ist die Kulinarik ein sehr niedrigschwelliges Mittel der Vermittlung«, skizziert Merten den Kern ihres Unternehmens. »Tatsächlich sprechen Kuratoren und Caterer unterschiedliche Sprachen. Wir können diese Sprachen vereinen, übersetzen und daraus etwas wirklich Herausragendes machen, weil wir bei uns sowohl die eine als auch die andere Sphäre in unserem Team haben.«

Ehrenamtlich arbeitet Merten im Netzwerk des Vereins Torhaus Nord mit, der sich die Förderung der Zusammenarbeit kleiner, mittlerer und großer Unternehmen mit Akteuren, Organisationen und Vereinen in der Stadt und der Region auf die Fahnen geschrieben hat. Der Gründe­rinnentag der Braunschweig Zukunft GmbH im vergangenen Jahr habe den Impuls dazu gegeben, einen regelmäßigen Gründerinnen-Stammtisch im Torhaus zu etablieren. »Angefangen haben wir im August 2017. Durch die anderen Formate, die wir dort unter anderem in Kooperation mit dem Marketingclub Braunschweig und der Kreativ­region Braunschweig anbieten, ist klar geworden, dass es auch ein Format braucht, in dem Frauen unter sich sind. Dort können Fragen und Ideen anders besprochen werden als in gemischten Runden. Außerdem ist es wichtig, dass Frauen zu Netzwerkerinnen werden. Kräfte bündeln und neue Ansätze entwickeln, das kann gemeinsam noch besser gelingen«, erklärt Anikó Merten, die den Stammtisch ins Leben gerufen hat, und selbst veranstaltet. Seit kurzem arbeiten die Gründerinnen – die alle acht Wochen, jeweils am letzten Donnerstag im Monat zusammentreffen – vor Ort mit Impulsvorträgen. Die Themensetzung erfolgt dabei anhand eigener Vorschläge. Darüber hinaus gehe es natürlich auch um gegenseitige Hilfestellung. »Eine Beratung geben dürfen wir zwar nicht, aber wir können uns gegenseitig sagen, wer bei welchem Problem beraten kann«, grenzt Merten das Portfolio des Gründerinnen-Stammtisches von weiterreichenden Angeboten ab.

Das geschäftliche Fundament müssen die Unternehmerinnen freilich selber legen. »Selbstbewusstsein, Authentizität und das Brennen für die eigenen Ideen sind essenziell. Nur, wenn Gründerinnen – da gilt dasselbe, wie für Gründer – selbst von ihrer Gründungsidee überzeugt sind, werden sie auch nachhaltig erfolgreich sein«, glaubt Merten, die ihre Geschäftsführertätigkeit sowie politisches und ehrenamtliches Engagement derzeit mit dem Schreiben ihrer Doktorarbeit unter einen Hut bringt. An der HBK Braunschweig promoviert sie zum Thema »Politische Architektur der postsowjetischen Staaten nach ihrer Unabhängigkeit«.

Allem Stress zum Trotz sei sie am Ende des Tages glücklich, dass sich alles gut miteinander verbinden ließe. »Solange sich Genusskurator noch in der Entwicklung befindet, bin ich froh, dass ich in einem Projekt angestellt sein darf, in dem es um den Aufbau eines Bildungszentrums in Kasachstan geht. Ein Land, das ich in meiner Dissertation behandle«, sagt Anikó Merten. So greife das eine in das andere und das Leben werde nicht langweilig. Dass sie mit ihrem Mann Kai viele Aktivitäten gemeinsam gestalte, und dass Ehrenamt, Arbeit und Privates auf diese Weise des Öfteren ineinander übergehen, empfinde sie als positiv. Sich in der jetzigen Zeit nicht zu engagieren, sei jedenfalls keine Alternative. »Leise zu sein, macht nur die Lauten stark«, ist sie überzeugt. Laut ist Merten lieber auf anderem Terrain – als Stammgast im Stadion. »Meine Dauerkarte für die Heimspiele unserer Eintracht habe ich bereits verlängert. Ich freue mich schon auf den Beginn der neuen Saison und hoffe auf den direkten Wiederaufstieg.«
geschrieben von  pau
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