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Eine Bündelung der Stadt­verkehre ist zwingend ­notwendig Mittwoch, 07 November 2018 10:56 Foto: André Pause

Eine Bündelung der Stadt­verkehre ist zwingend ­notwendig

Viele Hoffnungen – in der Wirtschaft wie in der Gesellschaft – sind mit dem Fortschritt im Bereich Elektromobilität verknüpft. Bei der Betrachtung von logistischen und verkehrstechnischen Prozessen ist die Elektrifizierung des Antriebs jedoch nur ein Teil­aspekt. Auf die ökologische Grundfrage, wie das Verkehrsaufkommen grundsätzlich besser gehandelt, sprich im Rahmen gehalten werden kann, vermag die Antriebstechnologie naturgemäß keine befriedigende Antwort zu geben.

Für einen wachsenden Teil der Bevölkerung wird das Automobil im Alltag verzichtbar. Verschiedene Studien zum Mobilitätsverhalten verweisen darauf, dass immer mehr Menschen auf ein eigenes Auto verzichten und zu einer multimodalen, an die jeweiligen Anforderungen angepasste Verkehrsmittelnutzung übergehen.
Das Problem: Was im Personenverkehr noch ganz gut funktionieren mag, speziell in Ballungszentren mit gut ausgebautem ÖPNV, wird durch die Trends im Güterverkehr konterkariert. In den vergangenen 18 Jahren ist das Aufkommen im Paketdienst hierzulande um rund 60 Prozent gestiegen. Dass es weiter steigen wird, dafür muss man kein Prophet sein, verstetigt sich die Neigung, selbst kleinste Einkäufe online zu erledigen, doch zusehends. Seien wir ehrlich: Viele Jugendliche schwören eher auf das Amazon-Konto als auf die Sammlung von Treuekarten des stationären Einzelhandels.

Verstärkt wird der Güterstruktureffekt mit seinen rapide steigenden Sendungszahlen bei geringeren Gewichten und höheren Warenwerten durch die Rückzugsneigung der Menschen in die Städte, was ebenfalls zu immer mehr Güterverkehr führt. Das alles stellt bislang in erster Linie die Metropolen vor Probleme, doch auch Städte wie Braunschweig oder sogar Goslar sollten nicht zu lange damit warten, die Herausforderungen des Güterverkehrs im Citybereich anzunehmen.

Dass wir damit beginnen, den Verkehr ganzheitlich zu denken, ist unabdingbar. Überlegen müssen wir, ob und wie wir steuernd eingreifen, um die Verkehrsströme zu bündeln. Vor einigen Jahren gab es bereits Ideen für das Thema Citylogistik, doch haben sich die Konzepte nicht durchgesetzt. Als Geschäftsführer eines lokal ansässigen Unternehmens würde ich mir wünschen, dass gemeinsam mit der Stadt Braunschweig ein gesamtlogistisches Konzept entwickelt wird, das die Unternehmen vor Ort mit einbindet – und im Prinzip durch Steuerungsmechanismen wie Einfahrverbote die großen Player dazu zwingt, neue nachhaltigere Wege zu gehen.

Wie das aussehen könnte, zeigt uns in Ansätzen ein Blick nach Berlin. Seit Juni nutzen dort die fünf größten Paketdienstleister Deutschlands – DHL, DPD, GLS, ­Hermes und UPS – gemeinsam einen innerstädtischen Umschlagplatz ausgestattet mit Mikro-­Depots, um den Bezirk Prenzlauer Berg lokal emissionsfrei mit Lastenrädern zu beliefern. Wenn sich jetzt noch zu einer Lösung durchgerungen würde, die nicht alle Dienstleister nacheinander an ein und derselben Tür schellen ließe, wäre sogar noch mehr gewonnen.

Sie können Anthony Wandt auch eine E-Mail ­schreiben: a.b.wandt@wandt.de

Bild oben: »Wir müssen damit beginnen, den Verkehr ganzheitlich zu denken«, sagt Anthony Wandt, Geschäftsführer der Wandt ­Spedition Transportberatung GmbH.

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