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Ein Wildgericht muss immer auf der Karte stehen Freitag, 05 Dezember 2014 13:22 Foto: Peter Sierigk

Ein Wildgericht muss immer auf der Karte stehen

Betritt man die Gaststube des Dorfkrugs in Ostlutter, bleibt man erst einmal stehen und bestaunt die kompakte Eichentheke, die schönen alten Fenster, die Parkettböden mit echten Teppichen, die Türen, die handgeschmiedeten Türgriffe, die Deckenbalken, die Wandpaneele: gepflegte, bodenständige und authentische 50er Jahre. Hier ist ein wenig die Zeit stehen geblieben. Regina Zelies: »Das lieben unsere Gäste.« Bewertung im Internet: Altdeutsches Ambiente, nette, aufmerksame Bedienung. Und: hervorragende Küche.


Wolfgang Zelies ist der Koch, Regina Zelies ist im Service. Das Ehepaar hat den Dorfkrug 1996 gekauft, ein wunderschönes altes Fachwerkhaus, das aus dem Jahr 1622 stammt, 1950 neu eröffnet wurde und wohl schon seit jeher eine Gaststätte war. Viel wurde renoviert und restauriert, um die Atmosphäre des Hauses zu erhalten. Regina Zelies: »Wir haben hier kräftig investiert.« Zu beiden Seiten der alten Stube ­öffnen sich weitere helle Gasträume, das »Blaue

»Einen Hirschbraten für 14,90 Euro. Wo gibt es das noch?«

Zimmer« mit der schönen Seidentapete lädt zu kleinen Familienfeiern ein, im oberen Stockwerk ist für den Mittagstisch eingedeckt und in dem angrenzenden kleinen Saal kann auch getanzt werden. Ob Wandervolk, Taufen, Konfirmationen, Sitzungen der örtlichen Feuerwehr oder der Volksbank – hier kommt viel zusammen und die Küche passt zum Haus.

Es gibt eine ständige Karte und eine Jahreszeiten­karte. Erstere enthält das, was zu einem traditionellen Dorfkrug dazugehört: Jägerschnitzel, Rumpsteak, hausgemachte Sülze und Omelette »Hoppelpoppel.« Welche Gerichte sind am beliebtesten? Wolfgang Zelies: »Natürlich die nach der Jahreszeit.« Grünkohl mit Bregenwurst wenn es kalt wird, Spargel im Frühjahr. »Aber im Großen und Ganzen Wild.« Ein Wildgericht muss immer auf der Karte stehen, ob Reh, Wildschwein oder Hirsch. Hirschbraten »Hubertus« mit Edelpilzen, Preiselbeerbirne, Apfelrotkohl und Kartoffelkroketten. Wildlieferant ist u. a. der Graf von Hardenberg mit seiner in Ostlutter ansässigen Jagd. Preis: 14,90 Euro. Wo gibt es das noch?

»Eine Hompage haben wir noch nicht«

Regina Zelies: »Wir haben hier auch heimische Forellen.« Die aus den Teichen von Lutter am Barenberge kommen. Gebratene Forelle oder Forellenfilet, Butterkartoffeln und Salate der ­Saison, 13,90 Euro. »Auch die sind ein Zug­pferd.« Als ersten Gang eine Steckrübensuppe, eine Grünkohlsuppe oder eine Kürbiscremesuppe. Leicht scharf gewürzter Hokkaidokürbis, Sahne, Schnittlauch und knusprige Croutons. Total lecker. Zum Dessert Walnusseis mit warmem Zwetschgenmus und Zimtsahne.

Für sich Reklame macht der Dorfkrug kaum. Regina Zelies: »Wir sind trotzdem Weihnachten ausgebucht.« Homepage? »Haben wir noch nicht.« Die Gäste sind Stammgäste, Einzugs­gebiet etwa 40 Kilometer: Salzgitter-Bad, Seesen, sehr viele aus Goslar und auch aus Braunschweig und Hannover. Zufriedene Gäste, vertraute Gäste, die die familiäre Atmosphäre genießen. Wolfgang Zelies: »Die kommen auch in die Küche, sagen ›Hallo‹ oder ›Tschüss‹. Sagen: ›Heute war es besonders gut!‹ Wir kennen sie ja fast alle.«

Neue Gäste kommen auf Empfehlung: »Wir haben gehört, dass bei Ihnen die Gänsebrust ganz toll sein soll.« Ofenfrisch mit Apfelrotkohl, Rosenkohl, Schmorapfel und hausgemachten Kartoffelklößen in Orangensauce, 14,90 Euro. Die ganze Gans 17,50 Euro. Regina Zelies: »Wir sind hier auf dem Dorf und man kann es mit den Preisen auch übertreiben. In der Stadt kommen Sie mit einer Gänsebrust unter 24 Euro nicht weg.«

»Für einen Tafelspitz ­kommen die Gäste extra«

Welche Kartoffeln nimmt Wolfgang Zelies für seine Klöße? Prinzesskartoffeln, festkochend. »Das sind die besten.« Vom Bauern aus der Gegend. Alle Beilagen werden (anders als auf dem Foto) vom Fleisch getrennt in Schüsseln serviert. Nie kommt alles zusammen auf den Teller. Regina Zelies: »Das geht uns gegen den Strich.« Was macht Wolfgang Zelies am meisten Spaß? Etwas Neues auszuprobieren oder das Bewährte so perfekt wie möglich auf den Tisch zu bringen? »Das, was mir schmeckt, schmeckt auch meinen Gästen am besten. Das ist meine Erfahrung in all den Jahren.«

Deutsche Hausmannskost in ausgezeichneter Qualität zubereitet, frisch und regional, dafür steht der Dorfkrug in Ostlutter. Regina Zelies: »Wenn wir draußen auf die Tafel Rinderbrust oder Tafelspitz mit Meerretichsauce schreiben, kommen viele Gäste nur deshalb.« Wolfgang Zelies: »Oder für eine schöne hausgemachte Rinderroulade.« Regina Zelies: »Eigentlich sind wir schon im Rentenalter. Aber wir arbeiten weiter. Mein Mann kocht eben aus Liebe.« Aus Liebe und mit Liebe.

Öffnungszeiten Mittwoch – Freitag ab 17.30 Uhr. Samstag und Sonntag ab 11.30 Uhr. Auf Wunsch wird auch unter der Woche mittags ­geöffnet. Tel.: 05383-376.

Bild ganz oben: Wolfgang und Regina Zelies.
geschrieben von  maru