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»Wir sind eine kleine, gemütliche ­Trattoria« Mittwoch, 15 August 2018 09:16 Foto: Jörg Scheibe

»Wir sind eine kleine, gemütliche ­Trattoria«

In den vielen Jahrzehnten, in denen die italienische Küche ihren Siegeszug durch Deutschland angetreten hat, hat sie sich auch verändert. Sie ist zwar italienisch geblieben, aber auch deutscher geworden. In Italien zum Beispiel gibt es in einer Trattoria meist keine Pizza, in Deutschland ist das beinahe schon Pflicht. Jeden Morgen um neun Uhr bereitet Filippo Sirianni, Chef und Namensgeber der Trattoria da Filippo in Salzgitter-Lichtenberg, seinen Pizzateig vor. »Pizza belegen kann jeder«, sagt er dazu, »aber den Teig herstellen, das ist schon eine ganz andere Sache.«



Der Erfolg gibt ihm recht: Pizza Roma, Pizza Tonno, Pizza Pollo, überhaupt alle Pizzen sind bei den Gästen total beliebt. Ein Renner ist die Pizza Parma mit Mozzarella, Parmaschinken, Rucola, Parmigiano und Kirschtomaten. Man sei ja kein Nobelrestaurant, sondern eine kleine, gemütliche Trattoria. Das ist Filippo Sirianni wichtig: »Hier ist jeder willkommen, Filetsteakesser, die eine teure Flasche Wein bestellen, und junge Fußballspieler mit Pizza und Cola.«

Pizza Parma ist ein Renner


Wie, unter den Gästen sind Fußballspieler? Ja. Die Trattoria ist das Vereinslokal des MTV Salzgitter-­Lichtenberg von 1912. Das Vereinsheim wurde 1968 eingeweiht, ein schlichter Zweckbau, praktisch, quadratisch – aber kein Hingucker. Filippo und Christine Sirianni haben das Lokal seit zweieinhalb Jahren gepachtet. Die einladende Gemütlichkeit der Trattoria im Inneren ist ­Christine ­Siriannis Werk. Immer liegen Bücher aus, für Gäste, die allein kommen, für Gäste, die sich die Zeit vertreiben wollen, bis das Essen kommt: ein Service, der sehr gern angenommen wird und einen Gutteil zur familiären Wohnzimmer­atmosphäre des Gastraums beiträgt.

Filippo Sirianni stammt aus Kalabrien, ist gelernter Koch und kam im Alter von zwanzig Jahren in unsere Region. Sein Küchenmeister vermittelte ihm eine Stelle in Braunschweig in einem Lokal, das, als Filippo ankam, schon vor der Insolvenz stand. 1981 wurde Sirianni Koch in Salzgitter-Lebenstedt, arbeitete von 1986 bis 1992 bei VW, verkaufte danach Sportbedarf – und blieb letztendlich doch seinem alten Beruf treu. Kochen sei seine Leidenschaft, sagt seine Frau Christine. Wo haben Sie sich kennengelernt? In der Lebenstedter Pizzeria. Er kochte, sie war Stammgast. Auch seinetwegen. »Wir haben an einem 23. Dezember geheiratet«, sagt Filippo Sirianni, »es war der einzige Tag, den ich frei hatte.«

Selbst gemachter Schinken


Für einen Koch alter Schule, wie sich Filippo Sirianni selbst beschreibt, heißt es in erster Linie, möglichst viel selber herzustellen. »Es gibt Dinge, die ich nicht gern anderen überlasse.« Das betrifft nicht nur den Pizzateig. Es geht auch um Brot und Nudeln. Das Brot ist selbst gebacken, die Cannelloni, Lasagne und Ravioli sind selbst gemacht, die Antipasti wie die grünen Tomaten und Auberginen sind selbst eingelegt, die Steinpilze selbst gesammelt. Die Rosmarinkartoffeln gibt es jeden Tag frisch. Die Saucen, das Tiramisu, alles ist selbst gemacht. Das ist nicht nur Geschmackssache, das schafft auch Vertrauen. Selbst der Schinken ist Eigenherstellung, Coppa, feinstes Nackenfleisch vom Schwein, zwei Wochen in Salzlake eingelegt, dann luftgetrocknet. Reifezeit ein halbes Jahr und jetzt im Sommer fertig zum Genießen.

Das Familiäre wird ­großgeschrieben


Schweinefilet, Rinderfilet und Lamm: Filippo Sirianni kann mit Fleisch umgehen. Das hat er während seiner Ausbildung gelernt. Er hat auch selbst geschlachtet. Aber alles allein machen kann er nicht. In der Küche waltet noch Santo Arcuri, auch er ein gelernter Koch. Ohnehin lieben es die Gäste, wenn Filippo nicht für sie unsichtbar in der Küche verschwindet, sondern sie persönlich begrüßt. Familien, Freunde, Vereinsmitglieder, Lichtenberger – die Trattoria hat viele Stammgäste. Das liegt nicht nur am Chef und seiner guten Küche, sondern auch an der Chefin und ihrem hochgelobten Service. Wenn bei Sonnenschein auch die Terrasse so stark frequentiert ist, dass es mit der Bedienung eng wird, helfen Sohn und Schwager aus. Das Familiäre wird in der Trattoria eben rundum großgeschrieben. Das zahlt sich aus. Früher habe er viel Geld in Werbung gesteckt, erklärt Filippo Sirianni, leider ohne spürbaren Gewinn. »Jetzt mache ich gar keine Werbung mehr.« Er vertraut auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Und der Laden läuft. www.trattoria-salzgitter.de

Bild oben: Chef Filippo Sirianni begrüßt seine Gäste gern persönlich.
geschrieben von  maru
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