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»Die Zukunft ist Glasfaser« Montag, 30 Juli 2018 11:40 Foto: IHKN, Insa Hagemann

»Die Zukunft ist Glasfaser«

Eine zuverlässige Anbindung an die Breitband-Datennetze ist eine wesent­liche Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen und den Ausbau einer effizienten Verwaltung. Im Zuge der fortschreitenden Digitali­sierung werden die Anforderungen an die Breitband-Datennetze ­weiter zunehmen. In unserem Titel-Interview nehmen der niedersächsische ­Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann und IHKN-Präsident Helmut Streiff zum Thema Stellung.



Herr Dr. Althusmann, Herr Streiff, ist ­Niedersachsen auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorbereitet?

Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann: Breitband sichert Wohlstand. Die Digitalisierung wird künftig ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Niedersachsen sein. Betrachtet man die aktuelle Versorgung der Haushalte mit mindestens 50 Mbit pro Sekunde, liegt Niedersachsen entsprechend der aktuellen Daten des TÜV Rheinland bei 77,5 Prozent, leicht über dem Bundesdurchschnitt (76,9 Prozent). Bei höheren Bandbreiten, erst recht im Gigabitbereich, sind die Versorgungszahlen deutlich geringer. Das gilt insbesondere in den ländlichen Räumen, wo entsprechende Netze häufig nicht allein durch privatwirtschaftliche Aktivitäten in dem erforderlichen Maße entstehen können. Dieses Problem haben wir erkannt und die Thematik der Digitalen Infrastruktur zu einem Schwerpunkt der Digitalisierungspolitik in Niedersachsen für die kommenden Jahre gemacht.

IHKN-Präsident Helmut Streiff: In Niedersachsen hat sich in den letzten Jahren beim Breitbandausbau viel getan. Der überwiegende Teil der Gebäude ist inzwischen mit einem Breitbandanschluss mit einer Bandbreite von mindestens 50 Mbit/s versorgt. Aber das ist gerade aus Sicht der Wirtschaft bei Weitem nicht ausreichend. Wir begrüßen es daher, dass von der einen Milliarde Euro, die für den neuen Masterplan Digitalisierung der Landesregierung bereitgestellt wird, der überwiegende Teil in die Förderung des Breitbandausbaus fließen. Denn vor allem in der Fläche, also im länd­lichen Raum existieren noch immer zahlreiche sogenannte weiße Flecken. Die dort ansässigen Unternehmen drohen abgehängt zu werden. Diese Lücken in der Breitbandversorgung müssen daher zügig geschlossen werden. Zudem muss zukünftig der Breitbandausbau vornehmlich mit Glasfaser bis in die Gebäude erfolgen, die Verfahren zur Bewilligung der Fördergelder müssen für einen beschleunigten Breitbandausbau vereinfacht werden und beim Mobilfunkstandard 5G muss Niedersachsen eine Vorreiterrolle einnehmen. Wenn es uns gelingt, diese wesentlichen Punkte in den nächsten Jahren umzusetzen, ist Niedersachsen von der Infrastruktur her gut auf die Digitali­sierung vorbereitet.

Wie können IHKs und Regierung Unternehmen bei den Herausforderungen der Digitalisierung konkret unterstützen?

A: Wir wollen erreichen, dass die Digitalisierung gerade von den Unternehmen in Niedersachsen als Chance begriffen wird. Wir wollen die Wirtschaft dabei unterstützen, dass alle Möglichkeiten genutzt werden, die sich mit der Digitalisierung der Wertschöpfungskette und dem Einsatz neuer Technologien ergeben. Die Unternehmer brauchen deshalb qualifizierte Ansprechpartner, die ihnen dabei helfen, die Potenziale der digitalen Transformation für das eigene Unternehmen zu erkennen und umzusetzen. Diese Funktion sowie einen Zugang zu themenspezifischen Netzwerken können IHKs im Zusammenspiel mit Institutionen des Landes abbilden. Es bedarf aber auch einer finanziellen Förderung, die sich über gezielte Förderprogramme zur Digitalisierung realisieren lässt.

S: IHKs und die Landesregierung können gemeinsam darauf hinarbeiten, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Unternehmen die Chance geben, die Digitalisierung zu ihrem Vorteil zu nutzen. Hierzu zählen erst einmal eine zukunftsfähige Glasfaseranbindung, Förderprogramme zur Unterstützung von KMU bei der Digitalisierung sowie eine Anpassung der beruflichen Bildung auf die neuen personellen Anforderungen. Die IHKs werden in der Aus- und Weiterbildung ihre Angebote weiterentwickeln, um auch zukünftig junge Nachwuchskräfte auszubilden und erfahrene Fachkräfte für die Digitalisierung weiter zu qualifizieren. Darüber hinaus organisieren wir für unsere Wirtschaft Veranstaltungen und Sprechtage und stellen Informationen bereit, um die Unternehmen bei der digitalen Transformation konstruktiv zu begleiten. Vor allem geht es dabei auch darum, den Nutzen für die Unternehmen bei der Einführung digitaler Prozesse herauszustellen und sie für digitale Themen zu sensibilisieren.

Viele Unternehmer wären gern noch ­digitaler unterwegs, sitzen aber in schwach versorgten Regionen. Was raten Sie ­diesen?

A: Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass alle Unternehmen eine gute Versorgung erhalten und können dabei bereits erste Fortschritte aufweisen. Zudem werden wir die Digital­beratung für Mittelstand und Handwerk gezielt ausbauen. Die Unternehmen sollten die Digitalisierung als echte Chance verstehen, Produktion oder Dienstleistungsprozesse innovativ neu aufzustellen. Das sichert die Wettbewerbsfähigkeit. Die Unternehmer in Niedersachsen stellen sich mehrheitlich bereits der digitalen Transformation unabhängig von der Versorgung auch in vielen anderen Bereichen ihrer Betriebe, indem sie ihre internen Prozesse digitalisieren und vernetzen. Dabei müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgenommen werden.

»Wir arbeiten mit ­Hochdruck«

S: Unternehmen mit einer unzureichenden Breitbandanbindung, die insbesondere in der Fläche noch immer ein großes Problem darstellt, raten wir, sich sowohl an die Telekommunikationsanbieter als auch an ihre Kommune und ihren Landkreis zu wenden und auf ihre schlechte Versorgung mit Nachdruck hinzuweisen. Darüber hinaus raten wir dazu, sich gegebenenfalls mit anderen Unternehmen zusammenzuschließen, um gemeinsam bei den Telekommunika­tionsunternehmen zu signalisieren, dass sich der Breitbandausbau am jeweiligen Gewerbestandort – entgegen der ursprünglichen Annahme – doch wirtschaftlich lohnt.

»Digitalisierung ­bedeutet Transformation der Geschäftsprozesse«

Gerade mittelständische Unternehmen brauchen fachliche Unterstützung für die Entwicklung von Digitalisierungs­strategien. Was können das Land und die ­Kammern hier an Unterstützung anbieten?

A: Seitens des Landes und der Kammern existiert bereits ein umfangreiches Beratungsangebot, bei dem Unternehmer auf ausgewiesene Fachexperten kostenlos zurückgreifen können. Für den Bereich der innovativen und additiven Fertigung sowie des 3-D-Drucks existiert beispielsweise das »Niedersachsen ADDITIV – Zentrum für additive Fertigung«. Dort können sich Unternehmer die zugrunde liegenden Prozesse und Vorteile der additiven Fertigung anschaulich erläutern lassen. In Niedersachsen existiert eine Vielzahl themenspezifischer Beratungsangebote. Um die breit aufgestellten Aktivitäten künftig zu bündeln und transparenter darzustellen, werden wir einen zentralen Ansprechpartner initiieren.

S: Für viele Unternehmen bedeutet Digitalisierung Transformation ihrer Geschäftsprozesse, ihrer Organisation und Produktion sowie ihres Vertriebes in ein neues Marktumfeld. Die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter wird von herausragender Bedeutung und das alles vollzieht sich in höchster Geschwindigkeit. Die Unternehmen sind gefordert, ihre bisherigen erfolgreichen Geschäftsmodelle abzusichern und gleichzeitig disruptive Veränderungen zuzulassen. Wir brauchen deshalb vor allem für den Mittelstand Unterstützung bei Innovationen und bei Investitionen. Deshalb sollte die steuerliche Forschungsförderung auf Bundesebene nun zügig umgesetzt werden und das Land könnte IT-Investitionen des Mittelstandes unterstützen. Zur Verbesserung der personellen Ausstattung mittelständischer Betriebe und zur Begleitung von Digitalisierungsprojekten sollte das Land zudem sogenannte Digitalisierungsassistenten befristet fördern. Die IHKs bieten Beratung und Weiterbildung an – auch in neuen Online-­Formaten – und organisieren Netzwerke zum überbetrieblichen Erfahrungsaustausch und individueller Beratung.

Hierbei ist die Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum »mit uns digital« sehr wertvoll. Die Bündelung von Know-how und Fachkompetenz geschieht dort ausgezeichnet. Dessen Experten besuchen in Kooperation zum Beispiel mit den Innovationsberatern der IHKs kleinere Unternehmen, sensibilisieren für das Thema »Digitalisierung« und bieten Unterstützung bei der Umsetzung an. Ich gehe davon aus, dass sich die Landesregierung gegenüber dem Bund nachdrücklich für eine Fortsetzung der Förderung des Kompetenz­zentrums »­Mittelstand 4.0« einsetzt, das aktuell unter dem Leitthema »mit uns digital!« vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie finanziert wird. Nicht zuletzt sind mehrere Universitäten mit entsprechend ausgerichteten Instituten Partner des Zentrums, das unter anderem mit Expertenfabriken, Projekten und Roadshows gelungene Anwendungen der Digitalisierung zeigt und für und mit kleineren Unternehmen Anwendungsmöglichkeiten erörtert. Auch der Innovationsverbund »Smart Hybrid« an der Universität Osnabrück ist ein Beispiel für gelungene Kompetenzbündelung und Wissensvermittlung in den Mittelstand. Wünschenswert ist ergänzend ein Förderprogramm des Landes, um durch zeitlich begrenzten Einsatz der von mir so bezeichneten Digitalisierungsassistenten aus der Wissenschaft einen »Wissenstransfer über Köpfe« zu den Chancen der Digitalisierung zu unterstützen.



Wie sollten Start-ups bei der Digitalisierung gefördert werden?

A: Start-ups haben eine hohe Innovationskraft und die Bereitschaft, Risiken einzugehen. Als Land müssen wir die Start-ups dabei unterstützen, die Geschäftsmodelle, Produkte und Services von morgen umzusetzen und die Unwegsamkeiten, die gerade zu Beginn einer Gründung Schwierigkeiten verursachen können, erfolgreich zu bestehen. Ein oftmals wesentliches Problem ist die Verfügbarkeit von genügend Kapital. An dieser Stelle bietet das Land Niedersachsen bereits unterschiedliche Förderprogramme wie NSeed oder künftig noch ein Wagnis-Kapital-Fonds. Eine große Unterstützung können aber auch die Netzwerke sein, auf die branchenspezifische Netzwerkmanager des Innovationszentrums Niedersachsens Zugriff haben. Diese können Geschäftskontakte oder Partner vermitteln.

»Start-ups können Impulse setzen«

S: Start-ups basieren in den meisten Fällen auf digitalen Geschäftsmodellen. Sie sind oftmals ausgesprochen wachstumsorientiert und können an ihren Standorten spürbare Impulse setzen. Die gezielte Förderung in diesem Bereich sollte deshalb zentraler Baustein einer Digitalisierungsstrategie sein. In Niedersachsen gibt es derzeit acht Start-up-Zentren, die stärker untereinander vernetzt werden sollten und nicht nur für zwei sondern für mindestens fünf Jahre vom Land unterstützt werden sollten, bevor eine Evaluierung dieser Zentren erfolgt. Darüber hinaus sollte für diese Gruppe ein zielgerichtetes Förderprogramm entwickelt werden. Dieses sollte sowohl Coaching- und Mentoring­elemente umfassen, die jungen Unternehmen den Kontakt zu möglichen etablierten Kooperationspartnern eröffnen als auch Auslandsreisen für Start-ups zu den digitalen Hotspots – beispielsweise in Skandinavien, dem Baltikum oder auch Israel – anbieten.

Niedersachsen wird gern als Mobilitäts- und Logistikland Nr. 1 beschrieben. Wie realistisch ist es, dass wir beim Aufbau des 5G-Netzes eine Vorreiterrolle übernehmen?

A: Ich sehe in Niedersachsen große Potenziale für die Anwendungen, die mit 5G möglich werden. Beispielhaft möchte ich Intelligente Mobilität, Smart Cities und Smart Villages, Smart Farming und E-Health nennen. Es wird erwartet, dass durch die vielen Anwendungsbereiche ein marktgetriebener Ausbau stattfinden wird. Weil es Potenziale für diese Anwendungen in Städten wie in ländlichen Räumen gibt, müssen wir allerdings dafür Sorge tragen, dass die Infrastruktur auch in der Fläche zur Verfügung steht. Der Ausbau der Glasfaserinfrastruktur muss deshalb auch dem Ziel der Konnektivität mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G und seinem flächen­deckenden Ausbau in den ländlichen Regionen Rechnung tragen.

Wir wollen auch bei den Versorgungsauflagen für die neuen 5G-Frequenzen ambitionierte Versorgungsziele durchsetzen. Aus Sicht Niedersachsens ist es erforderlich, den Telekommunikationsunternehmen im Rahmen der Lizenzierung Ausbauauflagen aufzuerlegen, die die Qualität der Mobilfunkinfrastruktur auch in der Fläche weiter verbessern und zu einer schnellen und erfolgreichen Einführung von 5G-Diensten beitragen.

Darüber hinaus möchte ich mit den Telekommunikationsunternehmen für Niedersachsen zu Vereinbarungen kommen, die eine Versorgung über die Erfüllung der Auflagen hinaus sicherstellen. Ziel für mich ist eine möglichst flächendeckende Mobilfunkversorgung.

S: 5G ist die Basisinfrastruktur für Autonomes Fahren. Ohne 5G wird die hierfür erforderliche Echtzeitkommunikation zwischen den Fahrzeugen und den Telematikdienstleistern nicht möglich sein. Als Mobilitäts- und Logistikland Nr. 1 besitzen wir in Niedersachsen beste Voraussetzungen, um die Vorreiterrolle beim Thema Autonomes Fahren einzunehmen und unsere Automobilindustrie und Logistik für die Zukunft aufzustellen. Die Landespolitik muss sich nun bei der Bundesnetzagentur und beim Bund dafür einsetzen, dass Niedersachsen Pilotregion und Vorreiter bei der Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G wird. Neben der Vollversorgung der Verkehrswege an Land ist beim Aufbau des 5G-Netzes auch darauf zu achten, dass die Hafengebiete und die Fahrrinnen für die Seeschifffahrt in den küstennahen Gewässern flächendeckend mit dem Mobilfunkstandard der Zukunft versorgt werden. 5G basiert auf Glasfasernetzen, sodass für ein flächendeckendes 5G-Netz die Mobilfunkmasten mit Glasfaser versorgt werden müssen.

»Weiterentwicklung der Ausbildung ist ­unverzichtbar«

Stichwort Fachkräftemangel: Wie kann es gelingen, vor allem die Berufliche Bildung an die Digitalisierung anzupassen?

A: Um einem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die Berufliche Bildung an die Digitalisierung anzupassen, laufen derzeit zwei Innovationsvorhaben: »Digitalisierung in der Arbeitswelt – Industrie 4.0/Wirtschaft 4.0« an den Standorten Goslar, Neustadt am Rübenberge, Osnabrück und Emden sowie »Lernen und Arbeiten 4.0 in der Berufsausbildung« an den Standorten Lüneburg und Wolfsburg. Damit soll berufliche Kompetenz bei zukunftsweisenden digitalen Lern- und Arbeitsprozessen vermittelt werden, mit dem Ziel des Transfers auf andere niedersächsische berufsbildende Schulen, um entsprechende Bildungsangebote flächendeckend zu gestalten.

S: Hierzu ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der Ausbildungsberufe unverzichtbar. Beispielhaft sind die Metall- und Elektroberufe. Diese sind in einer Rekordzeit von einem runden halben Jahr angepasst worden. Und es gibt einen neuen Beruf: Kaufmann/-frau für E-Commerce. Dauern die Anpassungen der Berufsbilder in anderen Bereichen etwas länger, sollten wir entsprechende Zertifikatslehrgänge anbieten, um die Ausbildung mit modernen und zukunftsorientierten Elementen zu ergänzen. In den Unternehmen werden digitale Arbeitsmittel, Produktionsanlagen und Organisations­formen sowie vernetztes Arbeiten in hoher Geschwindigkeit Einzug halten. Es ist deshalb von hoher Bedeutung, dass Ausstattung und Ausrichtung der Schulen und Berufsschulen den betrieblichen Entwicklungen möglichst gut entsprechen können. Vor allem Berufsschulen benötigen moderne Maschinen und Ausstattungen, mit denen der Nachwuchs die Zukunft der Arbeitswelt kennenlernen kann, und sie benötigen qualifizierte Lehrkräfte. Leuchtturmprojekte wie »Lernen und Arbeiten 4.0 in der Berufsbildung« weisen in die Richtung und sollten schnell übertragen werden.

Wie unterstützen Sie die Berufsschulen bei der Bewältigung der Herausforderungen der Digitalisierung im Interesse unserer Mitgliedsunternehmen?

A: Mit der Förderung von sechs »Smart Factories« an den Standorten Emden, Osnabrück, Neustadt am Rübenberge und Hannover hat die Landesregierung begonnen, die Qualität der Berufsausbildung in überwiegend gewerblich-­technischen Berufen zu verbessern. An den weiteren Standorten Lüneburg und Wolfsburg steht darüber hinaus die »Arbeitswelt 4.0« im Vordergrund. Hier wird zum Beispiel ein stärkeres Augenmerk auf die direkte Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern in kaufmännischen Ausbildungsberufen gelegt, Teamarbeit entlang der Wertschöpfungskette angeregt und Methoden des modernen Wissensmanagements eingebracht. Durch den Transfer aus den Modellprojekten heraus profitieren nicht nur andere Berufsschulen, sondern auch die KMU vor Ort.

Info- und Netzwerk­veranstaltungen der IHK

S: Wir bieten unseren ­Mitgliedsunternehmen eine Vielzahl von Info- und Netzwerk-­Veranstaltungen, Trainings und Beratungs­angeboten an, die gerade dem Mittelstand helfen sollen, Impulse aufzunehmen und konkrete Umsetzungen diskutieren zu können. Wir setzen dabei sowohl bei den Ausbildungsabteilungen der Unternehmen an, als auch bei Fach- und Führungskräften, die wir in der strategischen Unternehmensausrichtung unterstützen können. Das Angebotsspektrum greift weit: Es reicht unter anderem von der Entwicklung personaler und sozialer Kompetenzen über Datenschutz bis hin zu digitalen Prozess- und Vertriebsfragen.

Weiterbildung und Qualifizierung vieler Mitarbeiter müssen um digitale Inhalte erweitert werden. Gibt es dafür Orientierungshilfen?

A: Wir haben dank verschiedener Projekte und in der Zusammenarbeit mit den Arbeitsmarktpartnern, insbesondere im Rahmen der Fachkräfteinitiative, gelernt, dass es mehrerer Ansätze bedarf. In den regionalen Fachkräfte­bündnissen befassen sich einzelne Projekte mit branchenspezifischen Ansätzen beziehungsweise orientieren sich an den regionalen Bedarfen. In den Berufsschulen werden didaktische Konzepte einerseits innerhalb einzelner Ausbildungsberufe entwickelt, andererseits für berufsübergreifende Zusammenhänge. Auch im Rahmen beruflicher Weiterbildungen gewinnt die Digitalisierung immer mehr an Bedeutung und eröffnet vielen Beschäftigten eine neue Flexibilität hinsichtlich Zeit und Ort der Bildungsmaßnahme. Was mir auch wichtig ist: Es sind nicht nur technische Kenntnisse, die im Zuge der Digitalisierung erworben werden müssen. Auch soziale und personale Kompetenzen, wie zum Beispiel Führung, Kommunikation und Resilienz spielen eine viel bedeutendere Rolle in der Arbeitswelt 4.0.

S: Ja sicher. Gerade die neuen Metall- und Elektro­berufe oder der Kaufmann/-frau für E-Commerce setzen sogar formale Rahmen, an denen sich auch Facharbeiter und Facharbeiterinnen orientieren können. Und wer bei den IHKs in ihren Netzauftritten stöbert, findet zu vielen Themen umfangreiche Angebote. So werden zum Beispiel IHK-Zertifikatslehrgänge zum Social Media Manager (IHK) angeboten, und nicht nur als klassischer Präsenzkurs, sondern auch als Live-Online-Seminar (Webinar).

Masterplan Digitalisierung

Die Landesregierung hat zugesagt, die Digitalisierung mit einer Milliarde Euro zu fördern. Für welche Maßnahmen und Projekte sollen diese Gelder eingesetzt werden? Reichen diese Mittel aus?

A: Wir werden im Rahmen des Masterplans Digitalisierung festlegen, für welche Aufgaben und Projekte bis 2022 Landesmittel aus einem Sondervermögen von bis zu einer Milliarde Euro eingesetzt und damit in die digitale Zukunft Niedersachsens investiert werden. Die positive Einnahmesituation auf Landesebene ermöglicht eine kurzfristige Umsetzung, so dass in diesem Jahr rund 500 Millionen Euro einem entsprechenden Sondervermögen zugeführt werden können. Wir werden dabei alle Bereiche der Gesellschaft und Wirtschaft berücksichtigen, welche die Digitalisierung betrifft. Wir sind dabei darauf bedacht, die Mittel so effektiv und so effizient wie möglich einzusetzen. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur soll die Wirtschaftskraft der Unternehmen im Land stärken.

S: Bei den Maßnahmen und Projekten zur Digitalisierung sollte der flächendeckende Glasfaser­ausbau bis spätestens 2025 sowie der Aufbau des neuen 5G-Mobilfunknetzes als primäres Ziel des Masterplans Digitalisierung im Vordergrund stehen. Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft haben leistungsfähige, skalierbare Gigabitnetze oberste Priorität. Die Glasfasererschließung sollte dabei vorrangig in Gewerbegebieten sowie an Unternehmens- und Gewerbestandorten erfolgen – und zwar nicht nur in Agglomerationsräumen, sondern flächendeckend auch in ländlichen Räumen, in denen im Wesentlichen kleine und mittlere Unternehmen angesiedelt sind. Darüber hinaus sollten die bereitgestellten Mittel in die Digitalisierung der Verwaltung, die aktive Förderung digitaler Produkte und Prozesse, die gezielte Unterstützung digitaler Start-ups sowie in die Bildung und Qualifizierung fließen.

Ob die im Sondervermögen eingebrachten Gelder für alle notwendigen Maßnahmen ausreichen werden, kann zu diesem Zeitpunkt nicht abschließend eingeschätzt werden. Es deutet viel darauf hin, dass die Bedarfsanmeldungen aus den Ressorts das geplante Budget überschreiten. Wichtig ist daher aus unserer Sicht, die Projekte zu priorisieren und wirtschaftsnahe Vorhaben zu bevorzugen, die das Wachstum in Niedersachsen direkt befördern. Darüber hinaus dürfen zusätzlich erforderliche Investitionen keinesfalls über eine Neuverschuldung finanziert werden. Das Land sollte mit den vorhandenen Mitteln vielmehr den Schuldenstand reduzieren und darüber hinaus diszipliniert haushalten.

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die Ankündigungen einiger Anbieter, im Rahmen von »Gigabit-Offensiven« unter anderem auch das Kabelnetz aufzurüsten?

A: Ich kann nur begrüßen, wenn die Anbieter so in ihr Netz investieren. Wir haben das Ziel definiert, dass den Bürgern in Niedersachsen bis 2025 zuverlässige Anschlüsse mit Gigabit-­Geschwindigkeiten zur Verfügung stehen. Das Kabelnetz in Niedersachsen ist gut ausgebaut. Wenn die Technik es zulässt, zuverlässig Gigabit-­Geschwindigkeiten im Kabelnetz zu erreichen, dann könnte dies ein zusätzlicher Weg für Niedersachsen als Gigabit-Land sein.

S: Aus Sicht der Wirtschaft sind die »Gigabit-­Offensiven« verschiedener Anbieter zu begrüßen. Dazu gehört grundsätzlich auch die Aufrüstung der Kabelnetze. Für Privatkunden ist der ertüchtigte Kabelanschluss mittelfristig eine gute Möglichkeit, um einen Gigabit-­Anschluss zu erhalten. Für die Wirtschaft ist jedoch ein symmetrischer Gigabit-Anschluss erforderlich, der ausschließlich über einen Glasfaseranschluss gewährleistet werden kann. Die Zukunft ist Glasfaser. In Gewerbegebieten und an Gewerbe­standorten muss der Breitbandausbau zukünftig ausschließlich mit Glasfaser erfolgen.

Lesen Sie hierzu bitte auch in unserem Standpunkt.

Bild oben: IHKs und die Niedersächsische Landes­regierung wollen Unternehmen bei den ­Herausforderungen der Digitalisierung stärker unterstützen. Mehr als eine Milliarde Euro aus Sondervermögen möchte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (l.) investieren. IHKN-­Präsident Helmut Streiff fordert den flächendeckenden Glasfaserausbau bis spätestens 2025.
geschrieben von  IHKN/wo
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