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Vorbildlich engagierte Unternehmen wurden ausgezeichnet Dienstag, 26 Juni 2018 11:46 Foto: André Pause

Vorbildlich engagierte Unternehmen wurden ausgezeichnet

Füreinander einstehen, Verantwortung übernehmen, Solidarität üben, ­Respekt voreinander zu haben, Lebensleistungen anerkennen – alles das werde hier vorbildlich gelebt, betonte die ­niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Dr. Carola Reimann, in ihrer Festansprache im Rahmen des IHK-Sozial­transferpreises. Dieser wurde in diesem Jahr bereits zum ­neunten Mal an engagierte Unternehmen aus dem Kammerbezirk verliehen. Die Unterstützung aus der Wirtschaft galt wie in jedem Jahr sozialen Einrichtungen, die sich über ein Preisgeld von insgesamt 20 000 Euro freuen konnten.


Ausgezeichnet wurden die drei auserkorenen Projekte von IHK-Vizepräsident Georg Weber und Harald Tenzer, dem Initiator und Juryvorsitzenden des Sozialtransferpreises, im Kongresssaal der IHK Braunschweig. Tenzer würdigte die Preisträger und appellierte in der Tradition des Ehrbaren Kaufmannes, den Brückenbau zwischen Wirtschaft und Ehrenamt nicht zu vernachlässigen: »Wir müssen uns nicht nur um unsere Unternehmen und unsere Mitarbeiter kümmern. Wir sind letztlich ein Teil der Gesellschaft und bewegen uns in diesem gesellschaftlichen Raum. Man sollte sich immer wieder die Mühe machen und über den eigenen Tellerrand hinausschauen, um zu spüren, dass man auch Hilfeleistung geben kann.«



Den mit 10 000 Euro dotierten Hauptpreis gewann in diesem Jahr die TAG Wohnen & ­Service GmbH aus Salzgitter für ihr Engagement im Projekt »Gewaltfrei lernen«. Eltern, Lehrkräfte und Betreuer erleben häufig, dass Kinder und Jugendliche Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung anwenden. Durch das gemeinsam von der Kranichdammschule in Salzgitter-­Lebenstedt und der Jumpers gGmbH ins Leben gerufene Projekt werden die jungen Menschen mit Hilfe von Regeln in ihrer Team- und Konfliktfähigkeit unterstützt.

Persönlichkeitsbildung ohne Gewalt

Verschiedene Trainingsprogramme sollen den Mädchen und Jungen bei ihrer Persönlichkeitsbildung helfen und zugleich vorbeugend auf Gewalt und Ausgrenzung wirken. Gerade bei Kindern im Grundschulalter spielen Freundschaften eine zentrale Rolle. Um diese pflegen zu können, bedarf es der Aufstellung und Einhaltung von Regeln, damit die Kinder einen Leitfaden haben und sich in diesem Rahmen sicher und geborgen fühlen können. Kommt es dennoch zu Regelverletzungen, so müssen diese leicht und verständlich nach einer abgesprochenen Verfahrensweise zu klären sein. Das Einüben konfliktentschärfender Verhaltensmuster in der Schule und in der außerschulischen Betreuung am Nachmittag soll den Kindern neue Handlungsmuster aufzeigen, um Streitigkeiten auch ohne Gewalt lösen zu können. Damit dieses Ziel erreicht wird, werden nicht nur die Kinder, Lehrkräfte und Betreuer aktiv in das Projekt eingebunden, sondern auch die Eltern.

Stadtquartiere attraktiver machen

Für die TAG Wohnen & Service GmbH ist es die zweite erfolgreiche Teilnahme am Sozialtransferpreis, wie Vorstandsvorsitzende Claudia Hoyer nicht ohne Stolz berichtete, da der Preis auch die Geschäftsstrategie des börsennotierten Unternehmens bestätige: »Wir engagieren uns seit 2011 sozial in Salzgitter mit ganz vielen Partnern. In diesem Fall heißt der Partner Jumpers, der sich sehr aktiv in die Kinder- und Jugendbetreuung der Stadt einbringt, beispielsweise mit kreativen oder sportlichen Angeboten zur Freizeitgestaltung oder auch mit einem Nachhilfeangebot. Wir haben selbst immer überlegt, wie wir unsere Stadtquartiere noch attraktiver machen können, und gefragt: Welche Möglichkeiten gibt es, das Miteinander stärker zu fördern?«, sagt Hoyer. Deshalb freue man sich, gemeinsam mit der Kranichdammschule und Jumpers ganz speziell jenen Kindern zu helfen, denen im häuslichen Umfeld nicht immer das beigebracht wird, was für den täglichen Umgang vonnöten ist.

Senioren und Jugendliche

Um generationsübergreifendes Miteinander geht es dem gleichberechtigt von der Baugenossenschaft »Wiederaufbau«, der Nibelungen-Wohnbau-GmbH, der Braunschweiger Baugenossenschaft und der Stadt Braunschweig getragenen Verein Stadtteilentwicklung Weststadt mit dem Projekt »Senioren und Jugendliche in der Weststadt«. Hier haben sich Senioren mit der Idee zusammengefunden, Jugendlichen niederschwellig Perspektiven aufzuzeigen und sie sinnvoll zu beschäftigen. Diese Herren verfügen über langjährige Erfahrungen in handwerklichen Berufen und haben allesamt Spaß am Umgang mit jungen Menschen. Auf diese Weise erleben die Kinder außerhalb von Schule und Elternhaus, wie sie mit eigenen Händen Dinge schaffen, die einen Mehrwert für die gesamte Gesellschaft haben. Gebaut werden zum Beispiel Nistkästen aus Holz, Computer aus alten Elektronikteilen oder auch Möbel aus Paletten. Durch das Zusammenspiel der Generationen erfahren die Jugendlichen eine Wertschätzung, die ihnen sonst nicht immer zuteil wird. Für alle Beteiligten hat dieses nun mit einer Preissumme von 6000 Euro ausgezeichnete Projekt einen großen Mehrwert. Die Werkstattaktivisten haben ein sinnstiftendes Ehrenamt gefunden, mit dem sie auch ihre sozialen Kontakte ausbauen können und die Kinder- und Jugendlichen bekommen durch dieses Engagement auf spielerische Art und Weise Erfolgserlebnisse.

Die Braunschweiger Niederlassung der IKEA Deutschland GmbH & Co. KG unterstützt das inzwischen im Treffpunkt Pregelstraße, dem sogenannten Haus der Talente, beheimatete Projekt. Der Begriff Haus der Talente als Bestandteil des Gebäudenamens ist auch der Name einer gemeinschaftlichen Initiative des Bürgervereins Weststadt und des Vereins Stadtteilentwicklung Weststadt, die Ende 2012 begann und in der Werkstatt des Nachbarschaftszentrums weitergeführt wird. Die Grundidee ist, dass vielen in der Weststadt im Hinblick auf ihre unterschiedliche Migrationsgeschichte und aufgrund unzureichender Deutschkenntnisse zwar eine gemeinsame Sprache fehlt, eine Kommunikation aber mittels gemeinsamen Handwerken und kreativer Betätigung möglich ist.

»Wir sind Fußball«

Dass auch der Sport »gemeinsame Sprache« sein kann, belegt das dritte, mit einer Preissumme von 4000 Euro ausgezeichnete Projekt »Wir sind Fußball«, das der Verein Tiny Tots unterstützt durch die KICK OFF OHG der ehemaligen Profi­fußballer Marco Dehne und Holger Wehlage vorantreibt. Sport vereint unsere Gesellschaft und schafft Begegnung zwischen Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund. »Wir sind Fußball« hat das Ziel, das Thema Inklusion durch Sport in einem einzigartigen Fußballturnier aufzugreifen. In zweiter Auflage eines inklusiven Turniers spielten Kinder und Jugendliche mit körperlicher, seelischer oder geistiger Beeinträchtigung der Sportfreunde Braunschweig, Kinder der Remenhof-Stiftung, die aus problematischen familiären Verhältnissen stammen, Kinder mit Hörschädigung aus dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte und zwei Jugendmannschaften des BSC Acosta und des SV Querum. Die Besonderheit des Aufeinandertreffens: Die Spiele konnten ohne Schiedsrichter ausgetragen werden, weil die beteiligten Teams getreu dem Motto »Begegnung statt Wettbewerb« nicht gegeneinander sondern miteinander angetreten sind. Auf diese Weise war die Veranstaltung für alle Beteiligten von ganz besonderem Wert und zeigte wie selbstverständlich gelebte Inklusion. Gesundheitlich beeinträchtigte Kinder und Kinder aus sozial schwächeren Familien fanden in diesem Turnier ihren Platz mitten in der Gesellschaft.

Alle mit dem IHK-Sozialtransferpreises prämierten Projekte wurden noch vor Ort für den Deutschen Engagementpreis, den Dachpreis für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland, nominiert. Dessen Ziel ist es, die Anerkennungskultur in Deutschland zu stärken und mehr Menschen für freiwilliges Engagement zu begeistern.

In der Region Braunschweig ist die Bereitschaft hierzu, nicht zuletzt dank des jahrelangen persönlichen Einsatzes von Harald ­Tenzer, schon recht ausgeprägt. Der Unternehmer dankte den Preisträgern für ihren vorbildlichen Einsatz: »Ich wünsche mir, dass Sie diesen auch weiterhin fortsetzen. Sie tun Gutes, bitte reden Sie also auch darüber, damit sich viele Menschen finden, die es Ihnen gleichtun!«

Nominierung für Deutschen Engagementpreis

Die als Inklusionsprojekt der Evangelischen Stiftung Neuerkerode gegründete Band The Mix, sorgte für den musikalischen Rahmen der Festveranstaltung, die mit netten Gesprächen am Buffet im Sitzungssaal gebührend ausklang.

Bild ganz oben: Strahlten mit der Sonne um die Wette: Die Preisträgerinnen und Preisträger des 9. IHK-Sozialtransferpreises zusammen mit der niedersächsischen Sozialministerin, Dr. Carola Reimann (1. v. r.), IHK-Vizepräsident Georg Weber (1. v. l.) und dem IHK-Juryvorsitzenden Harald Tenzer (3. Reihe rechts).

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
geschrieben von  pau
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