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Synergien entdecken – MAN Truck & Bus, Autovision und Volkswagen kooperieren im Ausbildungsbereich Logistik Dienstag, 09 Januar 2018 08:26 Foto: André Pause

Synergien entdecken – MAN Truck & Bus, Autovision und Volkswagen kooperieren im Ausbildungsbereich Logistik

So oft der Blick über den Tellerrand von Gott und der Welt eingefordert wird, umso seltener wird er schlussendlich praktiziert. Sorgen Praktika oder Hospitanzen im Studium hier und da für eine Horizonterweiterung, gucken junge Leute, die eine betriebliche Ausbildung absolvieren, noch oft in die sprichwörtliche Röhre. Es geht aber auch anders: Um ihren Auszubildenden Einblicke in die Arbeitsweisen, Prozesse und Strukturen jenseits des eigenen Unternehmens zu ermöglichen, arbeiten die Volkswagen Akademie Braunschweig/Salzgitter und die MAN ­Academy Salzgitter beim Thema Logistik seit nunmehr vier Jahren sehr erfolgreich zusammen. In diesem Jahr war nun auch die Autovision mit an Bord. Unterstützt wird die Kooperation durch die Ludwig-Erhard-Schule in Salzgitter, die die Jahrgänge der Auszubildenden aller Konzernmarken im Sinne einer stärkeren Netzwerkbildung zu gemeinsamen Berufsschulklassen zusammenfasst.



»Manche Umfänge der Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik können bei Volkswagen in der Tiefe besser vermittelt werden, manche bei MAN. Was liegt da näher, als sich mit einem Partner zusammenzutun, der ebenfalls zum Konzern gehört?«, skizziert Ausbilder Burkhard Dube von der MAN Academy den Grundgedanken des Projektes.

Dabei sei die Sache anfangs keinesfalls so einfach gewesen, wie sie sich nun anhört. Nachdem Carsten Macke, Ausbildungsleiter der Volkswagen Akademie Salzgitter, vor etwa sechs Jahren die Idee hatte, in Sachen Logistik-­Ausbildung konsequenter an einem Strang zu ziehen, mussten zunächst hüben wie drüben sowohl die Betriebsräte als auch die Bildungsausschüsse dem Projekt zustimmen. »Dort wurde das Potenzial aber schnell erkannt und durchgewunken«, sagt Dube.

Schon nach dem ersten Durchlauf seien sämt­liche Bedenken verflogen gewesen. Mittlerweile machten die an der Kooperation teilnehmenden Auszubildenden der drei Unternehmen eifrig Werbung für das Projekt. »Die jungen Leute erkennen, dass das, was wir da machen, schon etwas ganz besonderes ist. Wobei sie natürlich auch ihre Komfortzone verlassen müssen.«

Lerninhalte ergänzen und vertiefen

Und so haben seither in jedem Jahr zwischen 22 und 26 Auszubildende den Schritt auf nicht gewohntes Terrain gewagt. In drei Durchläufen á acht Wochen pro Jahr verschafften sich die jungen Mitarbeiter einen Eindruck im jeweils anderen Haus. Die Stationen waren dabei unter anderem: Wareneingang, Warenausgang, Lagerhaltung und Kommissionierung. »Ziel war und ist es, den Zusammenhalt der Auszubildenden beider Konzernmarken zu fördern, Lerninhalte zu ergänzen und zu vertiefen sowie die unterschiedlichsten logistischen Unternehmensbereiche von Volkswagen und MAN kennenzulernen. Selbstverständlich gehört auch mit dazu, die Unternehmens­kultur der jeweils anderen Marke zu erleben«, betont Maria König, Stammausbilderin der Volkswagen Akademie. »Am Ende findet immer ein Feedbackgespräch statt. Das ist eine schöne Sache, weil wir dadurch noch besser sehen, wo wir wirklich stehen.«

Die Betreuung der Auszubildenden in der Kooperation laufe in den Unternehmen ausgesprochen gut, bestätigen sowohl Dube als auch König. Möglich machen dies unter anderem kurze Kommunikationswege. Dr. Christoph Lerche, Leiter der Volkswagen Akademie Braunschweig/Salzgitter, und Professor Heiko Gintz, Leiter Berufsausbildung MAN Gruppe, kennen sich sogar persönlich sehr gut und treffen sich regelmäßig. Aber auch der Ausbildungsleiter der Volkswagen Akademie Salzgitter, Carsten Macke, und MAN-Ausbildungsleiter Hans-­Werner Ruhkopf pflegen einen intensiven Austausch.

Reibungslose Kommunikation, enge Zusammenarbeit

Zusammengearbeitet wird bei Autovision, MAN Truck & Bus und Volkswagen freilich auch in anderen Ausbildungsbereichen. »Die dualen Maschinenbaustudenten beispielsweise lernen seit mehr als 14 Jahren beide Unternehmen kennen. Bei Volkswagen findet außerdem regelmäßig ein reger internationaler Austausch zwischen Konzernmarken statt. Über einen Zeitraum von zwei Wochen bis drei Monaten kommen dann Auszubildende von Bentley oder Seat zu uns – oder umgekehrt«, skizziert Dr. Christoph Lerche, der sich, bedingt durch die vielfältigen Herausforderungen der Digitalisierung, weitere standortübergreifende Kooperationen vorstellen kann. »In unserem Zukunftsprogramm ›Together – Strategie 2025‹ haben wir verankert, marktübergreifende Synergien zu nutzen. Je eher wir das in unsere Ausbildung tragen, desto besser. Um die gewerblich-­technische Ausbildung im Rahmen von Messen und ähnlichen Veranstaltungen in den Mittelpunkt öffentlichen Interesses zu rücken, arbeiten die ›Big Five‹ (dazu gehören die fünf größten Unternehmen Salzgitters: Salzgitter AG, Alstom Transport Deutschland GmbH, MAN Truck & Bus AG, die Volkswagen AG und Robert Bosch Elektronik GmbH) ja jetzt schon eng zusammen.«

Überzeugte Auszubildende

Die Bemühungen der Unternehmen scheinen sich zu lohnen: Ausgesprochen positiv fällt das Fazit der Auszubildenden als diesjährige Teilnehmer der Kooperation aus, in die auch die Jugend- und Auszubildendenvertretungen von Anfang an aktiv mit eingebunden waren. In einer Abschlussveranstaltung in der Ludwig-­Erhard-Schule präsentierten die angehenden Fachlageristen (zwei Jahre) und Fachkräfte für Lagerlogistik (drei Jahre) von Autovision, Volkswagen und MAN ihre Tätigkeiten, Eindrücke und Erfahrungen der Exkursion. Deutlich wurde dabei: Der Wissenszuwachs erstreckte sich bei den Auszubildenden der jeweiligen Konzernmarken auf durchaus verschiedene Bereiche. Konnten die MAN-Leute eigenen Angaben zufolge ihre Kenntnisse und Fertigkeiten bei der Be- und Entladung von Waggons, bei den Kommissionierungsmethoden und im Automatischen Kleinteillager (AKL) vertiefen, erzielte der VW-Nachwuchs seine Lernerfolge vor allem in den Themenkomplexen Kommissionier-­Methoden, Packhilfsmittel verwenden, Regressierung und Kommissionier-­Stapler. »Unser schulisches Wissen besteht aus insgesamt zwölf Lernfeldern. Da sind zum Teil operative Logistik­aufgaben mit enthalten, aber auch EDV-Themen. Lernfeld fünf heißt beispielsweise Güter kommissionieren. Mit den Programmen, die wir diesbezüglich in der Schule gelernt haben, konnten wir vorher quasi nichts anfangen. Bei MAN konnten wir das Erlernte praktisch umsetzen«, erklärt Annika Menzel, Auszubildende im Volkswagenwerk Salzgitter. Persönlich nehme die 19-Jährige vor allem zwei Sachen mit: da seien zum einen die gesammelten Erfahrungen bei der Arbeit. »Ich habe aber auch viel über mich gelernt, weil ich eigentlich eine schüchterne Person und mit einem sehr aufgeregten Gefühl hier hergekommen bin. Hier habe ich gesehen, dass man auch mal aus sich herauskommen kann.« Eine Position, die MAN-Auszubildende Laura Engler teilt: »Ich habe bei VW in Braunschweig viel Neues kennengelernt, zum Beispiel die Bahnbeladung, die haben wir hier ja nicht. Aber auch für mich war der Austausch vor allem deshalb ein Erfolg, weil ich selbstbewusster geworden bin.«

Gute Einbindung in die Teams

Die Herausforderung des Auf-sich-allein-­gestellt-seins zu Beginn, rasch selbstständig zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und in unterschiedlichsten Teams zu arbeiten und kreativ zu sein – all das haben Sabrina Jorde (VW) und Rebecca Assmann (MAN) eher genossen: »Man hatte nicht erst noch eine Woche Einarbeitungsphase, die Arbeitszeiten sind zwar jeweils andere, aber man gewöhnt sich schnell an die neue Umgebung. Am ersten Tag wurden wir ein bisschen herumgeführt, bekamen die wichtigsten Sachen gezeigt, am zweiten Tag konnten wir gleich ohne Komplikation anfangen«, berichten die beiden MAN-Auszubildenden unisono. Der oft geforderte Blick über den ­Tellerrand: hier ist er geglückt.

Bild oben: Annika Menzel (VW Salzgitter), Rebecca Assmann, Laura Engler (beide MAN) und Sabrina Jorde (VW Salzgitter) nehmen viel Positives aus ihrer Zeit im anderen Unternehmen mit.
geschrieben von  pau
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