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Der Dreh für mehr Sicherheit Donnerstag, 20 Dezember 2018 09:35 Foto: Spinsafe

Der Dreh für mehr Sicherheit

Mit einem portablen ­Tresor für Schwimmbad, Festival und Baggersee haben Gero Kraus (26) und Dennis Zappi (35) ein bislang ­unangetastetes Outdoor-­Ärgernis in Angriff genommen. Der Erfolg ihrer Crowdfunding-Kampagne und viel positives Feedback machen die beiden ambitionierten Gründer zuversichtlich, dass der von ihnen entwickelte Spinsafe ab dem Frühjahr 2019 auch auf dem Markt bestehen kann.

Erfinder wollen Probleme lösen. Zum Beispiel dieses, das jeder kennt: Wer passt auf die Wertsachen auf, wenn man etwa im Freibad oder am See seine Decke auf der Liegewiese verlässt, um ein paar Bahnen zu schwimmen? Diese Gedanken machte sich auch der Gifhorner Dennis Zappi – und kam schließlich auf den Dreh mit dem Spinsafe. »Es war nicht sein erster Einfall«, berichtet Gero Kraus, der gemeinsam mit Zappi an dem handlichen Outdoor-Tresor arbeitet. Und nicht jede Idee des Ostfalia-Studenten (Entrepreneurship und Innovation Management) sei ein Geniestreich gewesen. »Aber mit dem Spinsafe hat er mich gleich gecatcht«, erinnert sich der gebürtige Augsburger an die Zeit der Ideenfindung vor etwa zwei Jahren.

Der Clou mit der App

Die Funktionsweise und Handhabung des ­Spinsafe ist gleichermaßen einfach und durchdacht. Mit einer Metallstange als Hebel wird eine Kunststoffschraube in den Boden gedreht. Die Stange wird daraufhin aus der Waagerechten in die Senkrechte geklappt, dient als Stütze für Portemonnaie, Smartphone und Co. Anschließend wird eine konische Oberschale über Stange und Wertsachen gestülpt und durch ein Loch in der oben herausragenden Metallstange ein Zahlenschloss befestigt. So lange dieses angelegt und die Oberschale somit fixiert ist, haben Diebe keine Chance, den Tresor herauszudrehen oder -reißen – denn durch die sich drehende Oberschale bietet der Spinsafe keinerlei Angriffspunkte. Man bräuchte also schon einen Spaten, um den im Boden verankerten Tresor zu stibitzen. »Das wird aber niemand machen«, ist Kraus sicher. Und liefert ein gutes Argument mit: »Ein Gelegenheitsdieb möchte unauffällig bleiben. Der sucht sich dann lieber die nächste unbeobachtete Liegemöglichkeit und klaut da.«

In der offenen Hightech-Werkstatt des Proto­hauses im Braunschweiger Rebenpark begannen die beiden Tüftler, per 3D-Drucker erste Modelle anzufertigen. Gleichzeitig kümmerten sie sich um die Finanzierung ihres Unternehmens. So bewarben sie sich etwa auf das Exist-Gründerstipendium des Bundes­ministeriums für Wirtschaft und Energie, das ein Start­kapital und ein monatliches »Gehalt« für ein Jahr vorsieht. Ganz leicht wurde es den beiden Erfindern allerdings nicht gemacht. »Die wenigsten, die das Exist-Stipendium bekommen, haben physische Produkte. Meistens geht es um Apps und Software«, berichtet Kraus. Deswegen habe es im ersten Anlauf leichte Probleme gegeben, die Förderung zu bekommen. Kraus und Zappi besserten ein wenig nach und machten aus der Not eine Tugend, in dem sie eine App für den Spinsafe entwickelten. Und die ist mittlerweile der eigentliche Clou: Denn befindet sich das eingeschaltete Smartphone im Tresor, schlägt die App lautstark Alarm, sobald sich jemand daran zu schaffen macht, etwa daran rüttelt. Zur Markteinführung des Spinsafe im Frühjahr 2019 soll die Software fertig sein – Informatiker Kraus freut sich schon auf lange Winternächte am Computer.

Ein Sicherheitsprodukt »Made in Germany«

Die beiden Freunde, die sich 2011 bei einem »Work & Travel«-Jahr in Kanada kennengelernt hatten, versuchten es außerdem mit Crowdfunding. Ein erster Anlauf, im Internet Finanzmittel zu sammeln, scheiterte, erinnert sich Kraus, »am Ende wurde das Geld zurücküberwiesen. Daraus haben wir sehr viel gelernt und anscheinend die richtigen Schlüsse gezogen, denn die zweite Aktion war erfolgreich.« Mit mehr Werbung im Vorfeld wurde im August das angepeilte Ziel von 10 000 eingesammelten Euro schließlich erreicht. Auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo können Käufer freilich noch immer profitieren, wenn sie das Projekt schon heute unterstützen.

Ein Produzent fand sich derweil schnell. Genau genommen war es eigentlich andersherum. Ein Unternehmen aus dem Allgäu kam nach einem Artikel in der Augsburger Allgemeinen auf die beiden Gründer zu. »Wir waren schon mehrfach da und haben uns das angeguckt, das passt«, sagt Kraus, der wie sein Kollege Zappi hohe Ansprüche an die Qualität des Sicherheitsproduktes stellt. Die bisherigen Testmodelle aus dem – mittlerweile selbst angeschafften – 3D-Drucker können die nötige Robustheit nicht bieten. Das erste Spritzgusswerkzeug bei den Allgäuern wurde bereits bestellt, der Outdoor-Tresor wird somit das Siegel »Made in ­Germany« tragen können. Für die Bodenschraube soll recycelter Kunststoff verwendet werden.

Im März oder April wird der Spinsafe, so der Plan, in den Handel kommen. Ein eigener Online-Shop soll ebenso beim Vertrieb zum Einsatz kommen wie kleine lokale Händler und Branchenriese Amazon. Doch nach der ersten Auslieferung ist die Arbeit am Produkt noch lange nicht abgeschlossen – dann geht sie erst richtig los. Zappi und Kraus jedenfalls haben schon konkrete Vorstellungen, wie der Spinsafe noch attraktiver werden kann. »Der Tresor selbst ist noch nicht smart, aber wir planen da einiges«, verrät Kraus.

So sei bereits eine Powerbank im Teller über der Schraube angedacht, mit der man das Handy laden könne und die zugleich eine autarke, Smartphone-unabhängige Alarmanlage ermögliche. »In diese Richtung haben wir einige Ideen. Wenn die Zeit gekommen ist und wir genug Kapital dafür haben, werden wir auch Erweiterungen bringen.« Den analogen Teller sollen die Käufer der ersten Produktgeneration dann kostengünstig gegen einen digitalen tauschen können.

Und dann soll es auch noch ein ganz besonderes Spinsafe-Modell geben, das den Käuferkreis signifikant erweitern könnte. »Die jetzige Schraube ist zu klein, als dass sie am Strand wirklich Halt bietet. Die kann man da doch relativ einfach rausziehen«, schildert Kraus das Ärgernis mit sandigen Böden, dem das Gründer­duo mit einer breiteren Schraube begegnen will. Damit wäre bis zur nächsten Sommersaison womöglich noch ein weiteres Problem gelöst.

 
 
 
 
geschrieben von  cm
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