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Kunst, die unter die Haut geht Dienstag, 10 Juli 2018 10:41 Foto: Frank Bierstedt

Kunst, die unter die Haut geht

Wer sich tätowieren lässt, ist ein gesellschaftlicher Außenseiter? Ein Provokateur oder zwielichtiger Zeitgenosse? Das mag früher so gewesen sein. Heute sind Tattoos Teil der Alltagskultur. Wenn man Karol Kabala fragt, warum sich so viele Menschen ein Bild in die Haut stechen lassen, dann antwortet er: »Die Technik bietet ganz einfach viel mehr Möglichkeiten als früher. Tätowierungen sind heute bunter, realitätsnäher und haben sich zur Körperkunst entwickelt.«

Karol Kabala ist Geschäftsführer von Lucky­tattoo&Friends. Seit gut einem Jahr gibt’s das Braunschweiger Tattoo-Studio, das »im Prinzip alle Stilrichtungen anbietet«, erzählt er.

Zum Beispiel die Old School, die klassische, eher schlichte Motive wie Rosen und Kreuze, Anker und Herzen in die Haut bringt; die New School, die knallige Farben für ihre Motive verwendet und deutlich detailverliebter ist; und auch realistische Tattoos, die, der Name sagt es, täuschend echt aussehen: Sie können Menschen zeigen, die dem Tattoo-Träger nahestehen, spielen mit Licht und Schatten und wirken wie Fotos, die auf den Leib gezaubert sind.

Die eigene Handschrift ist wichtig

Nach Meinung von Karol Kabala sind Tätowierungen Kunst am Körper. »Zu ­Lucky­tattoo&­Friends gehören zehn inter­nationale Künstler, die auf Projektbasis für mich arbeiten.« Was einen guten Tätowierer auszeichnet? Er habe ein erstklassiges Talent zum Zeichnen und viel Geschick, Kreativität und Fantasie. »Wichtig ist auch, dass er eine eigene Handschrift hat. Einen Ausdrucksstil, für den er steht«, erzählt der 33-Jährige, der sich von Lukasz Garyga zu seiner Geschäftsidee hat inspirieren lassen. Sein Schwager hat zwei Studios namens Luckytattoo in Tychy in Polen und ist seit zwanzig Jahren eine feste Größe in der Szene seines Landes.

Wenn Kunden seine Geschäftsräume am Neustadtring besuchen, »dann dauert das erste Gespräch mit ihnen in vielen Fällen ein bisschen länger«. Zwar kommen die meisten mit einer ganz bestimmten Vorstellung zu ihm, wie ihr Tattoo denn bitteschön aussehen soll. Doch hat ein echter Tattoo-Profi immer eine eigene Überzeugung, wie er das Wunschmotiv des Kunden umsetzt – mit zusätzlichen Elementen, besonderen Effekten, ungewöhnlichen Tätowierfarben.

»Die Vorlage des Kunden einfach nur zu kopieren, ist vielen Künstlern zu einfach. Am liebsten bringen sie eigene Ideen in ihre Arbeit ein. Am Computer und mit dem entsprechenden Programm können wir die Motive exakt planen«, sagt Karol Kabala. Auch Freihand-Tattoos zählen zum Repertoire seines Studios – also Tätowierungen ohne Hilfsmittel wie Skizzen oder Schablonen. »Das können wirklich nur die wenigsten.«

Das Gefühl muss stimmen

Der Sommer ist da, die Menschen zeigen Haut und der ein oder andere wird jetzt sicher Lust bekommen, seinen Körper mit einem frisch gestochenen Tattoo zu präsentieren. Was rät Karol Kabala jenen, die in der Szene Novizen sind und noch nie in ihrem Leben ein Tätowier-Studio betreten haben? »Sich das Studio der Wahl mit eigenen Augen ganz genau anzuschauen«, sagt er. »Um einen Eindruck zu gewinnen, wie das Team arbeitet. Man braucht unbedingt ein gutes Gefühl.«

Und auch Zähheit, denn man muss damit rechnen, dass es wehtut. Es komme auf den Typen an, sagt Karol Kabala, »der eine ist weniger schmerzempfindlich, der andere mehr«. Es gibt Stellen am Körper, die sich besonders bemerkbar machen; da, wo die Haut eher dünn ist. »Zum Beispiel auf dem Hand- und dem Fußrücken. Oben am Arm spürt man dagegen weniger.«

Mehrere Sitzungen sind ratsam

Ein aufwendiges Motiv zu stechen, kann gut und gerne acht Stunden dauern. »Am besten ist, man verteilt die Zeit auf zwei Sitzungen.« Die besten Ergebnisse zeigen sich »auf der blassen Haut«, sagt Karol Kabala, der diesen Mai dazu nutzte, Studio und Team auf den Tattoo-Messen in Hildesheim und Magdeburg vorzustellen.

Selbstverständlich sollte man sich zu hundert Prozent sicher sein, dass das Tattoo auch mit Eintritt ins Rentenalter und darüber hinaus ein echter Hingucker ist. Gut, dass Braunschweig Motive bietet, die zeitlos sind und eine innige Verbundenheit zur Stadt ausdrücken können.

Auch das Team von Karol Kabala hat diese Erfahrung gemacht. Man habe schon eine Menge Braunschweiger Originale auf der Haut verewigt, erzählt er. »Natürlich das Wappen von Eintracht Braunschweig und den Braunschweiger Löwen – und auch die Braunschweiger Schloss-Arkaden.«

Bild ganz oben: Gründer Karol Kabala (links) und sein­ Schwager Lukasz Garyga.

 
 
geschrieben von  boy
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