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Neue Brauerei an altem Standort – Craft Beer von der National Jürgens Brauerei Montag, 18 Juni 2018 09:38 Foto: Markus Hörster

Neue Brauerei an altem Standort – Craft Beer von der National Jürgens Brauerei

Manch ein Braunschweiger wird sich noch erinnern: Am Rebenring war einst die 1872 gegründete National Jürgens Brauerei beheimatet. Produziert wurden dort Marken wie »Gala« oder »Brunswiek Alt«. Seit 2017 feiern die Brauerei und die Markennamen ein Comeback – 40 Jahre nach der Übernahme durch Feldschlößchen und der Schließung einige Jahre später.

Kennengelernt haben sich drei der vier Gründer der neuen National Jürgens Brauerei – Paul Briesemeister, Max Juraschek und Stefan Speit – beim regelmäßig stattfindenden Craft-Beer-Stammtisch in Braunschweig. Seit einigen Jahren ist der in den 1970er-Jahren entstandene Craft Beer-Trend auch aus Deutschland nicht mehr wegzudenken. Hobby-Bierbrauer oder kleinere, von den großen Bierkonzernen unabhängige Brauereien, produzieren besondere Biersorten in kleinen Mengen. Sorten, die sich im Geschmack von den großen bekannten Marken abheben und somit zu echten Genussmitteln werden. Briesemeister, Jaruschek und Speit waren überzeugt, dass auch Braunschweig ein eigenes Craft Beer brauche und so war die Idee für das Crabbs Bier geboren. Der griffige Name steht zum einen als Abkürzung für »Craft Beer Braunschweig«, gleichzeitig ist es auch der englische Begriff für Krabbe. Insofern war die Krabbe auf dem Etikett der Flaschen eine recht naheliegende Design-Idee.

Jeder Gründer bringt seine eigenen Kompetenzen ein

Paul ­Briesemeister machte seine Berufsausbildung zum Brauer und Mälzer bei der Feldschlößchen Brauerei. 2009 wurde Feldschlößchen in Braunschweig von Oettinger übernommen. Er blieb, machte 2011 seinen Meister und ist heute in der Qualitäts­sicherung der Brauerei tätig. Er freut sich über die Offenheit seines Arbeitgebers, in der Freizeit eigene Craft Beer Sorten produzieren zu dürfen. Max Juraschek arbeitet hauptberuflich am Institut für Werkzeug­maschinen und Fertigungstechnik der Technischen Universität Braunschweig. In Karlsruhe studierte er Maschinenbau und hat schon als Student viel Spaß daran gehabt, in seiner WG eigenes Bier zu brauen. Durch sein im Masterstudium Produktionstechnik in Kassel erworbenes Wissen und sein Interesse an der Braukunst bereichert Juraschek das Team von Beginn an. Stefan Speit, der bei Volkswagen tätig ist, ist in seiner Freizeit engagierter Hobbykoch und natürlich Bierkenner.

Die Suche nach einer ­passenden Immobilie

Ziel der drei war es von Anfang an, eine eigene Brauerei aufzubauen. Da eine passende Immobilie fehlte, starteten sie zunächst als »Wanderbrauer«, haben ihr Bier also bei einer Brauerei in Auftrag gegeben – bei der Robens Craft Beer GmbH in Eldagsen bei Hildesheim. »Relativ schnell haben wir die Idee entwickelt, Untermieter im Protohaus im Rebenpark in Braunschweig zu werden«, erinnert sich ­Briesemeister. Und wie der Zufall es wollte, lernte das Team auf diesem Wege den Geschäfts­führer des Rebenparks, Alexander Zahn, kennen. Zahn ist Nachfahre der alten Inhaber­familie der National Jürgens Brauerei und trug zu diesem Zeitpunkt bereits seit Längerem die Idee in seinem Kopf herum, wieder Bier zu brauen. »Wir haben schnell gemerkt, dass wir gut miteinander klarkommen«, erinnert sich Alexander Zahn. Also wurde er in das Team aufgenommen, das gemeinsam die National Jürgens Brauerei GmbH gründete. Außerdem sicherten sich die Unternehmer die Markenrechte des ehemaligen Braunschweiger Tradi­tionsunternehmens. Seit 1981 sei die Marke »Gala« nie wieder benutzt worden, erklärt Alexander Zahn. »Brunswiek Alt« hingegen wurde noch bis Mitte der 1990er-Jahre von der Feldschlößchen Brauerei gebraut. »Für viele sind die Marken noch ein Begriff«, hat der Unternehmer beobachtet. Motivation genug, die Brauerei wieder zum Leben zu erwecken.

Genau das geschah im August 2017, und zwar dort, wo die National Jürgens Brauerei einst groß wurde: am Rebenring, im heutigen Rebenpark. Die Geräte und Maschinen, die für die Bierherstellung notwendig sind, hat das Team nach und nach auf dem Gebrauchtmarkt erstanden. Bald war auch die Abfüllanlage einsatz­bereit, sodass mit dem Abfüllen von »Gala Hell« und »Brunswiek Alt« in Flaschen begonnen werden konnte.

Alte Rezepte neu ­interpretiert

Auch wenn die Biere fast genauso heißen wie damals: der Geschmack ist ein anderer, macht Braumeister Paul Briesemeister deutlich. »Durch Veränderungen bei den Rohstoffen ist eine Eins-zu-eins-Umsetzung nicht möglich.« Die alten Rezepte seien aber noch vorhanden und man habe sich von ihnen inspirieren lassen. An den Geschmack der Original-Sorten könne sich heute ohnehin niemand mehr genau erinnern. »Die Einflüsse sind aber durchaus da und auch zu schmecken.«

Es habe an der historischen Stätte bereits ein Treffen mit den Brauern von damals stattgefunden. »Für sie war es ein Gänsehautgefühl, als sie von der Neugründung ihrer alten National Jürgens Brauerei gehört haben«, freut sich Paul Briesemeister. Begeistert waren sie vor allem vom »Gala Hell«, einer Sorte, die es früher nicht gab.

Alexander Zahn bedauert, dass auch Lebensmittel zu einem Massenprodukt geworden sind. Es fehle die Wertschätzung. »Ich habe irgendwann Langeweile beim Biertrinken verspürt«, sagt Zahn, der dann lieber eher zu einem Glas Wein gegriffen habe. Auch die Marketing-Abteilungen der großen Brauereien würden langsam auf den Craft Beer Zug aufspringen und eigene Produkte anbieten. Das mache das Biertrinken nun wieder zu etwas Besonderem.

Handarbeit soll ­Handarbeit bleiben

Vier Sorten hat die National Jürgens Braue­rei derzeit im Angebot: das ursprüngliche Crabbs Pale Ale, das Crabbs Südsee IPA, Brunswiek Alt sowie Gala Hell. Bald soll es alle Biere auch in Flaschen zu kaufen geben. Die Etiketten sind dem alten Design mit viel Liebe zum Detail nachempfunden. »Viele Geschäfte können es schon gar nicht mehr abwarten«, freuen sich die Gründer. In einem Punkt sind sie sich einig: die National Jürgens Brauerei soll auch zukünftig Bier in Handarbeit und in kleinen Mengen produzieren. Ziel sei es, die Marken in der Region bekannt zu machen und nicht zu einer Großbrauerei heranzuwachsen. Sogar die Auslieferung bewerkstelligen die Gründer in Eigenregie.

 

Bild ganz oben: Paul Briesemeister, Max Juraschek und Alexander Zahn (v. l.) haben die National ­Jürgens Brauerei neu gegründet. Es fehlt: Stefan Speit.

geschrieben von  hör
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