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So gut wie ein kleines Labor: Lilian Labs’ Messgerät zur Wasseranalyse Donnerstag, 15 Februar 2018 08:47 Foto: Frank Bierstedt

So gut wie ein kleines Labor: Lilian Labs’ Messgerät zur Wasseranalyse

In Schwimmbädern kann man diese Szene mehrmals täglich beobachten: Der Schwimm­meister tritt an den Beckenrand und nimmt eine Probe, um die Qualität des Wassers zu überprüfen – eine Tätigkeit, die vom Wasserentnahmestab über die Untersuchungsküvette bis hin zum Proto­kollbogen viele Hilfsmittel und auch eine Menge Zeit erfordert. Zumindest noch, denn das Braunschweiger Start-up Lilian Labs will die Wasseranalytik grundlegend ändern. Die drei Gründer haben ein Messgerät entwickelt, das Chlorgehalt, pH-Wert & Co. auf Knopfdruck ermittelt.



Dr. Sebastian Döring, Dr. Torsten Rabe und Alexander Rohr heißen die Jungunter­nehmer. Sie erklären, warum Lilian Labs, beheimatet im Rollei-Zentrum für Existenzgründer an der Salzdahlumer Straße, die Wasseranalyse auf ein neues Niveau hebt: »Unser Mess­gerät macht die Analyse einfach und günstig. Man kann sich das Gerät wie ein Mikrolabor vorstellen, in dem ein kleiner Chemiker sitzt und alle Messarbeiten ausführt – von der Probenentnahme bis zur Dokumentation der Daten.«

Werte auf Knopfdruck

Schwimmbäder müssen ihr Wasser regelmäßig prüfen, dreimal am Tag kontrollieren sie die Hygiene in ihren Becken. Inklusive Vorbereitung und Nacharbeit, meinen die Macher von Lilian Labs, »ist diese Tätigkeit derzeit sehr aufwendig. Es sind viele händische Arbeitsschritte nötig, um ein Ergebnis zu erzielen.« Ganz anders ihr handygroßes Messgerät – das Lilian. Man hält es ins Wasser, drückt den Knopf und schon sind die Werte da. Die passende App bereitet die Informationen auf und speichert sie. »Alles funktioniert automatisch.«

Seit zwei Jahren im ­Gründerzentrum

Gekreuzt haben sich die Wege der Gründer im Institut für Hochfrequenztechnik der Technischen Universität Braunschweig und im Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung in Potsdam. Vor zwei Jahren zogen sie ins Gründerzentrum ein. Die Zeit bis heute haben sie genutzt, um den Prototyp zu entwickeln. Und auch, um Partner und Investoren zu finden: Die Innovations- & Beteiligungs­gesellschaft Wolfsburg mbH, Tochtergesellschaft der Wolfsburg AG, und die Kapital­beteiligungsgesellschaft Niedersachsen mbH der NBank unterstützen Lilian Labs.

Jüngst ist eine weitere große Finanzierungsrunde zu Ende gegangen. Noch hat Lilian Labs kein Messgerät verkauft. »Unsere Aufgabe ist nun, den Prototyp in Serie zu bringen«, sagt Torsten Rabe, der für die Produktentwicklung zuständig ist. Sebastian Döring kümmert sich um die Produktion, Alexander Rohr um ­Marketing und Vertrieb.

Viel Arbeit und Zeit nötig

Der Schritt von der Universität in die freie Wirtschaft sei groß gewesen, erzählen sie, in den vergangenen beiden Jahren hätten sie viel ­lernen müssen. Zuallererst, dass ihre Erfahrungen aus der Grundlagenforschung und ihr Wissen, welche Fülle an technischen Möglichkeiten es gibt, zwar wertvolles Unternehmenskapital sind. Dass es aber viel Arbeit und Zeit bedeutet, diese Expertise in ein marktfähiges Produkt umzumünzen. »Und das zu einem Preis, den der Kunde bereit ist zu zahlen«, betont Torsten Rabe.

Elektrotechnik, Physik, Chemie – im Lilian kommen viele Disziplinen zusammen. Die Idee, sie zu einem Messgerät zu vereinen, ist preisgekrönt. Beim Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks in Wolfsburg erhielt Lilian Labs den Future Award; bei Idee2016, dem Ideenwett­bewerb für die Region Braunschweig, landete das Start-up auf dem zweiten Platz.

Nicht nur der Kunde, auch die Umwelt profitiert von dem Produkt. Noch kommen bei der Wasseranalyse viele Chemikalien zur Anwendung. »Durch den Einsatz unseres Messgeräts reduziert sich der Chemikalieneinsatz enorm«, sagt Alexander Rohr.

Verkaufsphase startet im Sommer

Im Sommer geht’s richtig los. Dann startet die erste Verkaufsphase – mit hundert Geräten, die an ausgesuchte Pilotkunden gehen. Welche Erfahrungen sammeln Schwimmbäder und Hotels mit Pool im Umgang mit dem Mess­gerät? Erwartet der Markt, dass das Gerät weitere Anforderungen erfüllt? Treten vielleicht sogar ganz neue Ideen zutage? »Wir möchten die Open-Innovation-Methode nutzen, um Einschätzungen und Anregungen zu bekommen«, erklärt Sebastian Döring. Die sollen das Produkt noch besser machen, damit Lilian Labs im kommenden Jahr den wichtigsten Schritt gehen kann: den Einstieg in die Serienfertigung.

Sehr breite Zielgruppe

Die rund 7000 Schwimmbäder in Deutschland sollen erst der Anfang sein. Fließgewässer, ­Teiche und Seen, unser Trinkwasser: Es gibt viele Unternehmen und kommunale Einrichtungen, die die Güte des Wassers kontrollieren müssen.

Und eine weitere große Zielgruppe: die Privat­personen. Etwa den Aquaristen, der sicherstellen will, dass es den Fischen in seinem Aquarium gut geht. Oder den Naturwanderer, der wissen möchte, ob die Wasserquelle am Wegesrand seinen Durst löschen kann. »Unsere Vision ist«, sagt Sebastian Döring, »dass wir jedem die Möglichkeit geben, die Qualität von Wasser schnell und einfach zu überprüfen.«

Bild oben: Alexander Rohr, Dr. Sebastian Döring und Dr. Torsten Rabe revolutionieren mit Lilian Labs die Wasseranalyse.
geschrieben von  boy
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