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Wie wird man eigentlich Tankstellen-Geschäftsführerin, Frau Hillrichs? Sonntag, 10 Mai 2015 11:08 Foto: Peter Pohl

Wie wird man eigentlich Tankstellen-Geschäftsführerin, Frau Hillrichs?

Wenn die meisten von uns tief und fest schlafen und der Wecker noch lange nicht klingelt, steht Dagmar Hillrichs längst auf der Matte. Ihr Arbeitstag beginnt mitten in der Nacht. Gegen 4.30 Uhr betritt sie ihren Arbeitsplatz – und das genauso am Montag wie auch am Sonntag. »Die Arbeit macht mir Spaß«, sagt die 50-Jährige, »ich bin jeden Tag hier.« Hier – das ist die am Braunschweiger Bültenweg beheimatete HEM-Tankstelle, deren Pächterin sie seit wenigen Wochen ist.

Wie wird man eigentlich Geschäftsführerin einer Tankstelle? Dagmar Hillrichs bewarb sich auf eine Stellenanzeige der Deutschen Tamoil GmbH, in der ein Nachfolgerpächter für ebenjene Tankstelle gesucht wurde. Sie bekam den Zuschlag, weil sie das mitbringt, was für diesen Job wichtig ist: eine kaufmännische Ausbildung und Erfahrung im Einzelhandel.

Dagmar Hillrichs ist Handelsfachwirtin, Fachfrau für Warenwirtschaft im Lebensmittelmarkt und hat eine Reihe von Management-Kursen an der Heimvolkshochschule belegt. »Mein Mann betreibt ebenfalls eine Tankstelle. Da lag es nahe, dass ich es ihm gleichtue. Ich weiß durch ihn, was mich in diesem Geschäft erwartet und wie man eine Tankstelle selbstständig führt.«

»Tankstellen haben sich zum Dienstleistungs­zentrum entwickelt«

In Deutschland gibt es etwa 14 000 Tankstellen, und das Angebot fast aller besteht nicht nur aus Sprit an Zapfsäulen, sondern auch aus einem Supermarkt mit Lebens- und Genussmitteln. Die Tankstelle von Dagmar Hillrichs hat darüber hinaus einen Bistro-Bereich. Zu den ersten Aufgaben am Morgen gehört, die Brötchen aufzubacken und zu belegen. Nachfragengerechte Warenpräsenz, Frische, Ordnung und Sauberkeit seien oberste Pflicht im Shop, erzählt sie.

Es gibt eine Menge Stammkunden, die sich das Frühstück in ihrer Tankstelle kaufen und sich mit Snacks für den Tag eindecken – ohne auch nur einen Liter Benzin zu tanken. Tankstellen wie die von Dagmar Hillrichs haben sich zum Dienstleistungszentrum entwickelt.

Nach Abzug von Mehrwert- und Mineralölsteuer, die den Löwenanteil des Spritpreises ausmachen, sowie dem Einkaufspreis bleiben Tankstellen-Pächtern pro verkauftem Liter wenige Cent. Steigende Spritpreise sind hierzulande ein Politikum – und nicht im Sinne von Dagmar Hillrichs. »Am besten läuft das Geschäft, wenn die Preise niedrig sind.«

Vieles geschieht automatisch. Wenn die Füllmenge der Lagertanks die Mindestgrenze unterschreitet, kommt wenig später ein Tankwagen aufs Gelände gefahren, der für Nachschub sorgt; auch die Spritpreise auf den Anzeigetafeln werden zentral gesteuert.

Kfz-Mechaniker und Schlosser pachten eine Tankstelle – so war es früher. »Auch ich weiß, wo man im Auto das Öl kontrolliert und nachfüllt«, sagt Dagmar Hillrichs lachend. Eine Männerdomäne ist die Branche längst nicht mehr. Auf einer ihrer vergangenen Fortbildungen »war die Hälfte der Teilnehmer Frauen«, erzählt die Geschäftsführerin, die für die Zukunft ein Fernstudium der Betriebswirtschaftslehre plant.

»Tankstellen sind längst keine Männerdomänen mehr«

Schulungen sind wichtig, etwa zum Thema Sicherheit. Wo brennbare und das Grundwasser gefährdende Flüssigkeiten lagern, gelten strenge Regeln und hohe Standards. Dagmar Hillrichs trägt dafür Sorge, dass alle technischen und organisatorischen Maßnahmen umgesetzt werden. Funktionieren die Zapfsäulen einwandfrei? Ist der Bodenschutz des Tankfeldes dicht? Sind die Befüllungsstutzen der Lagertanks in Ordnung? Der Kontrollgang und die Sicherheits-Checks sind neben den Bestellungen der Waren und den Abrechnungen der Umsätze fester Bestandteil ihrer täglichen Aufgaben.

Der Arbeitstag von Dagmar Hillrichs endet meistens zwischen 15 und 17 Uhr, dann gibt sie den Staffelstab an einen ihrer Mitarbeiter weiter. Aber auch daheim dreht sich vieles um das Tankstellengeschäft. Ihr Mann und sie sind in derselben Branche tätig, da gibt es in der Regel jeden Tag etwas aufzuarbeiten. »Das Thema ist nie außen vor und immer präsent«, sagt Dagmar Hillrichs, »mir gefällt das.«

geschrieben von  boy
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