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Vor, vor, Wiegeschritt – körperlich und geistig fit im Dreivierteltakt Mittwoch, 17 Oktober 2018 09:15 Foto: Kerstin Lautenbach-Hsu

Vor, vor, Wiegeschritt – körperlich und geistig fit im Dreivierteltakt

Capoeira in Brasilien, Liebestanz in Swasiland, Tango in Argentinien und Drachentanz in China – Tanzen gilt in vielen Kulturen als Ausdruck purer Lebensfreude. »Leider ist die Tanzkultur in Deutschland nicht ganz so stark ausgeprägt wie in anderen Ländern«, bedauert Mareike Wünsch, Tanztrainerin in der Braunschweiger Dance Company. Dabei sind Walzer, Jive und Hiphop weitaus mehr als ein bloßes Freizeitvergnügen. Richtig betrieben, kann Tanzen für Körper und Geist wahre Wohltaten bringen.

»Tanzen hält fit und spricht viele Muskel­gruppen an, die durch andere Sportarten nicht beansprucht werden«, antwortet Mareike Wünsch auf die Frage, warum man des ­Öfteren eine kesse Sohle aufs Parkett legen sollte. Und Tanzsport punktet tatsächlich in vielen Aspekten gegenüber anderen Freizeitsportarten. Von der scheinbaren Leichtigkeit des Tanzens profitieren besonders eingefleischte Bewegungsmuffel. Im Gegensatz zum Joggen oder dem Besuch im Fitnessstudio trainiert man beim Tanzen gemeinsam – sei es mit Partner oder in der Gruppe – was es per se schon mal leichter macht. Zusätzlich sorgt die Musik für gute Laune. Studien der Uni Tübingen konnten gar belegen, dass die schwungvollen Tanzbewegungen in Kombination mit musikalischer Untermalung den Serotoninspiegel im Blut ansteigen lassen. Das Glückshormon baut Stress ab und sorgt somit für eine gute Stimmung.

Tanzen für jedes Alter und Fitness-Level geeignet

Gerade für Wieder- oder Neueinsteiger ist das Tanzen wesentlich besser geeignet als Laufen oder Walken, da eine Überlastung von Herz- und Kreislaufsystem kaum möglich ist. Erst als routinierter Tänzer erreicht man ähnliche Belastungswerte wie beim Laufen.

Einen großen Vorteil sieht Mareike Wünsch darin, dass man den Tanzsport in jedem Alter und mit nahezu jedem Fitness-Level betreiben kann. Während sich vor allem bei älteren Tänzern durch die Verbesserung der motorischen Bewegungen das Sturzrisiko senken lässt, kann das Tanzen Übergewichtigen helfen, das Gewicht zu reduzieren und ein positives Verhältnis zu ihrem Körper aufzubauen. Da es primär auf die richtige Schrittfolge und die Bewegungsqualität ankommt, haben übergewichtige Sportler beim Tanzen meist größere Erfolgserlebnisse als bei anderen Sportarten. Nicht verwunderlich also, dass das zum Weitermachen motiviert. Das Verletzungs- und Überanstrengungsrisiko ist zudem beim Großteil der Tänze erheblich geringer als bei anderen Sportarten, weil der Aktive das Ausmaß seiner körperlichen Beanspruchung selbst bestimmen kann. Selbst für Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen ist das Tanzen eine wunderbare Möglichkeit, sich fitzuhalten.

Gutes Faszientraining

Ganz nebenbei wird das Bindegewebe trainiert. Die schnellen und abwechslungsreichen Bewegungen stellen ein hervorragendes Training für die Faszien – das Bindegewebe um Muskeln und Organe – dar. Verspannungen lösen sich und die Bewegungen werden zunehmend elastischer. »Wichtig ist, dass man auch beim Tanzen seinen Körper pflegt. Vor allem das Stretching ist von entscheidender Bedeutung, um aktiv einer Muskelverkürzung entgegenzuwirken,« betont Mareike Wünsch.

Aufrechte Körperhaltung

»Unser Sport fördert eine aufrechte Körperhaltung«, verrät Standardtänzerin Victoria Ghadiri, die gemeinsam mit ihrem Tanzpartner Vlad-Constantin Milinovici die Turnierkindergruppe in der Dance Company leitet. »Man beansprucht den Körper ähnlich wie ein Marathonläufer.« »Außerdem lernt man aktiv, Muskeln anzusprechen, die nicht nur für die Körperhaltung zuständig sind. Bewegungsabläufe, von denen man auch bei anderen Sportarten profitiert, werden außerdem optimiert«, fügt Milinovici hinzu. Vor allem in den Standardtänzen lässt sich die Körperhaltung verbessern, da der Rücken gerade gehalten und die Schultern nach unten gedrückt werden müssen. Je länger und intensiver das Tanzen betrieben wird, desto eleganter und jugendlicher wirken schließlich die Bewegungen.

Tanzen kann Demenz ­vorbeugen

Regelmäßiges Training fördert Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit. Mit dem Tanzen tut man aber nicht nur seinem Körper etwas Gutes, sondern auch seinem Kopf. Ähnlich wie beim Singen oder dem Erlernen eines Musikinstruments wirkt sich das Tanzen positiv auf die Gehirnaktivität aus. Mareike Wünsch kann diesen positiven Einfluss bestätigen: »Tanzen ist einerseits wunderbar geeignet, um nach einem stressigen Arbeitsalltag runterzukommen, andererseits trainiert man sein Langzeitgedächtnis, da man sich teilweise sehr komplizierte Schrittfolgen merken muss.«

Regelmäßig praktiziert kann es sogar das Risiko, an Demenz zu erkranken, bis zu 76 Prozent minimieren. Dies fand ein deutsches Forscherteam um Professor Notger Müller vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen heraus. In einer Studie untersuchten die Wissenschaftler, welche Auswirkungen das Tanzen auf die Gehirnleistung hat. Dabei stellten sie fest, dass Tanzen die Bildung neuer Nervenverbindungen und Nervenzellen stärker unterstützt als andere Sportarten. Sie erklärten sich das Phänomen dadurch, dass auf dem Parkett ständig neue Schrittfolgen und Figuren erlernt werden müssten, während beim monotonen Fitnesstraining die Bewegungen fortlaufend wiederholt werden und das Gehirn somit keine neuen Impulse erhält.

Keine speziellen Trainingsgeräte nötig

Ein weiterer Aspekt, der für den Sport spricht, ist die Tatsache, dass keine speziellen Trainingsgeräte oder Räumlichkeiten benötigt werden. Tanzen ist fast überall und nahezu immer möglich. Lediglich gutes Schuhwerk sind notwendig, um in ein erfülltes Tänzerleben zu starten. Wer das Tanzen als Fitnesstraining nutzen möchte, sollte langsam beginnen und das Training nach und nach steigern. Um langfristig von den positiven Auswirkungen zu profitieren, sind zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche optimal.

Mareike Wünsch empfiehlt für den Anfang, einen Schnupperkurs bei einer Tanzschule oder der Volkshochschule zu belegen. »So lässt sich leicht herausfinden, was einem am meisten Spaß macht«, sagt die Trainerin.

Bild ganz oben: Tanztrainerin Mareike Wünsch.

 
 
geschrieben von  klh
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