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Die süße Seite der Gesundheit genießen – Zuckerfasten fürs Wohlbefinden Donnerstag, 17 Mai 2018 09:47 Foto: Kerstin Lautenbach-Hsu

Die süße Seite der Gesundheit genießen – Zuckerfasten fürs Wohlbefinden

Studien zufolge werden wir immer dicker. Die Ursache liegt meist am übermäßigen Genuss von raffiniertem Zucker. Statistisch gesehen verzehrt jeder Deutsche durchschnittlich 35 Kilogramm Zucker pro Jahr. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine tägliche Verzehrmenge von maximal 25 Gramm – das ist gerade einmal ein Viertel von dem, was wir tatsächlich täglich zu uns nehmen. Der übersteigerte Konsum von Zucker lässt uns aber nicht nur an Gewicht zunehmen, er kann uns regelrecht krank machen. Zuckerfasten oder Zucker-Detox, also der Verzicht auf das »weiße Gold«, liegt derzeit im Bereich Food und Gesundheit voll im Trend. Wir sprachen mit Chefarzt Professor Dr. Max Reinshagen vom Städtischen Klinikum Braunschweig, welche Auswirkungen übermäßiger Zuckerkonsum auf unsere Gesundheit hat und welche positiven Effekte aus einem zuckerärmeren oder zuckerfreien Leben resultieren.

Im hektischen Arbeitsalltag verändern sich unsere Essgewohnheiten zusehends. Muss es morgens schnell gehen, fällt häufig das Frühstück aus. Den ganzen Tag über jagt dann ein Termin den nächsten, für ein ausgewogenes Mittagessen bleibt da meist keine Zeit. Am Abend ist man dann zu müde, um sich noch ein gesundes und vollwertiges Abendessen zuzubereiten. Um vermeintlich leistungsfähig zu bleiben, setzen wir auf den schnellen Snack mit einer hohen Energiedichte und vor allem mit viel zu viel Zucker.

Zucker kann Adipositas und Arteriosklerose begünstigen

Der Zucker in unserer Nahrung lässt den Blutzuckerspiegel rasant ansteigen, wir fühlen uns kurzfristig fit, doch genauso schnell, wie der Zuckerspiegel angestiegen ist, fällt er auch wieder ab. Die Folge: der Körper reagiert mit Heißhunger-Attacken. Um den Gelüsten nach dem schnellen Energiekick entgegenzuwirken, schlägt Professor Max Reinshagen vor, regelmäßige Mahlzeiten einzuhalten. Das Mittagessen solle dabei immer die Hauptmahlzeit des Tages darstellen und nicht das Abendessen, postuliert der Spezialist für Magen- und Darmerkrankungen. Auch die Essenzeiten müssten begrenzt werden. Nach einem leichten Abendessen solle man dem Körper nachts mindestens zwölf Stunden Zeit geben, damit dieser seine Fettreserven angreifen kann. Wer immer zwischen den Mahlzeiten esse, fülle unweigerlich seine Fettdepots am Bauch auf.

Der übermäßige Verzehr an raffiniertem Zucker wirkt sich aber nicht nur auf das Körpergewicht aus, sondern auch Karies und Stoffwechselerkrankungen nehmen deutlich zu. Die WHO schlägt in einer 2015 veröffentlichten Richtlinie vor, dass Kinder und Erwachsene maximal fünf Prozent der Gesamtkalorienmenge in Form von Zucker zu sich nehmen sollten, um das Risiko zu minimieren, an Karies, Adipositas oder Arteriosklerose zu erkranken.

Dass übermäßiger Zuckergenuss auch negative Auswirkungen auf das Gehirn hat, daran forscht der Pharmakologe Professor Rainer Spanagel an der Universität Heidelberg. Er untersucht an Ratten das extreme Verlangen nach Süßem und hat herausgefunden, dass ein hoher Zuckerkonsum zu molekularen Umbauten an den Synapsen führt. Darüber hinaus steht eine zucker- und kohlenhydratreiche Ernährung unter Verdacht, das Alzheimerrisiko zu begünstigen und sich negativ auf die kognitive Leistungsfähigkeit auszuwirken.

Auch in der Krebsforschung wird der Zucker kritisch unter die Lupe genommen. Professor Lewis Cantley der Harvard Medical School erforscht gemeinsam mit einem ­internationalen Forscherteam, welche Auswirkungen der Zucker auf die Entstehung der Krebszellen hat. Der Biochemiker vertritt die These, dass ein hoher Zuckerkonsum überhaupt erst die Basis für die Entstehung von Krebs bildet, da diese den Zucker benötigen, um sich zu vermehren. Deswegen empfiehlt er selbst »schlanken« Menschen, möglichst wenig Zucker zu sich zu nehmen.

Verschiedene Studien zeigen außerdem, dass Zucker suchtähnliches Verhalten auslösen kann, da er dieselben Hirnareale wie Alkohol und andere Drogen aktiviert. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass beim Zuckerfasten die Entzugserscheinungen ähnlich denen von Alkohol, Nikotin oder Heroin sind.

Zucker hat viele Gesichter

Ein besonderes Augenmerk muss beim Zuckerfasten auf die »versteckten« Zuckerfallen gelegt werden. Nicht nur Schokolade, Kekse und Kuchen sind voll davon, sondern auch in den meisten verarbeiteten Lebensmitteln findet man den weißen Dickmacher. Dextrose, Invertzuckersirup, Süßmolkepulver, Maltodextrin und Glukosesirup – mehr als 60 unterschiedliche Bezeichnungen lassen sich für den allgegenwärtigen Zucker finden. Viele Lebensmittelhersteller verwenden bewusst andere Zuckerarten oder Süßungsmittel, die mit ihren unterschiedlichen Bezeichnungen nicht gleich auf den ersten Blick für den Konsumenten als Zucker erkennbar sind. So lässt sich der tatsächliche Zuckergehalt in der Zutatenliste leichter verschleiern.

Dabei benötigen wir das industriell hergestellte Süßmittel gar nicht, denn unser Körper kann Zucker aus den Kohlenhydraten, die beispielsweise Brot oder Nudeln liefern, problemlos selbst herstellen. Professor Reinshagen betont, dass es wichtig sei, bei der Ernährung auf »gute« Kohlehydrate wie Vollkornprodukte, Obst und Gemüse zu setzen. Wer ernsthaft abnehmen und etwas für seine Gesundheit tun wolle, der solle den Zucker komplett weglassen. Obst und Gemüse enthalten zwar auch Zucker, doch der sei, so Reinshagen, für Nicht-Diabetiker unbedenklich. Außerdem liefern Obst und Gemüse wichtige Vitamine und Mineralstoffe.

Als besonders abschreckendes Beispiel für versteckte Zuckerfallen nennt die WHO Tomatenketchup. In einem Esslöffel der roten Würzsauce steckt rund ein Teelöffel Zucker. Noch mehr Zucker verbirgt sich in Limonaden: ein Glas Cola enthält beispielsweise mehr als 25 Gramm Zucker. Auch Alkohol sollte beim Zuckerfasten tabu sein, meint Reinshagen, da auch Alkohol extrem viel Zucker enthält.

Beim Zuckerfasten geht es nicht um Perfektionismus

Der Großteil der Menschen, die mit dem Zuckerfasten beginnen, berichtet schon nach kurzer Zeit von einer Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens. Man fühlt sich ausgeruhter und fit, die Leistungsfähigkeit nimmt zu und man verliert an Gewicht. Eine Beobachtung, die auch Reinshagen bestätigt. Die ersten Tage seien wie ein Entzug, nach etwa einer Woche fühle man sich besser.

Beim Zuckerfasten geht es nicht um Perfektionismus, sondern darum, ein gesundes Augenmaß für die Menge zu bekommen. Wer seinen Zuckerkonsum auf das von der WHO empfohlene Maß reduzieren möchte, der sollte neben Alkohol auch auf alle gesüßten Getränke verzichten und nur noch Wasser, Tee oder Kaffee pur trinken. Reinshagen rät außerdem, komplett auf Fertigprodukte zu verzichten und lieber bei Vollkornprodukten, Obst und Gemüse und proteinreichen Lebensmitteln zuzugreifen.

So lecker Kuchen, Cremes, Schokolade und Co. auch sind, Zucker ist und bleibt ein Genussmittel und sollte nur in kleinen Mengen verzehrt werden. Denn, »alles, was man im Übermaß zu sich nimmt, ist schädlich für den Körper«, sagt Reinshagen abschließend.


Foto ganz oben: Chefarzt Professor Dr. Max Reinshagen vom Städtischen Klinikum Braunschweig.
 

geschrieben von  klh