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»Einmal Shinrin Yoku, bitte!« – Warum ein Waldbad der Gesundheit guttut Dienstag, 24 April 2018 08:37 Foto: Kerstin Lautenbach-Hsu

»Einmal Shinrin Yoku, bitte!« – Warum ein Waldbad der Gesundheit guttut

Wer im Wald spazieren geht, atmet regelrecht auf. Das sattgrüne Licht, die saubere Luft und die unendliche Ruhe tun uns gut. Ein Waldspaziergang vermag jedoch weitaus mehr auszurichten, als »nur« der Entspannung zu dienen. Warum sich Ausflüge in den Wald auch positiv auf das Herz-Kreislaufsystem, die Immunabwehr und die Psyche auswirken, daran forschen Wissenschaftler weltweit. Um in den Genuss der wohltuenden Wirkung zu kommen, muss noch nicht einmal viel Zeit aufgewendet werden: Bereits 50 Minuten pro Woche reichen aus, um etwas Gutes für die Gesundheit zu tun, sagt Gabriela Hülse, Leiterin des Waldforums in Braunschweig.

Seit 1997 leitet die Diplom-Forstingenieurin das Walderlebniszentrum in Riddagshausen, das Spaziergängern und Wanderern durch ein reichhaltiges Veranstaltungsangebot Gelegenheiten bietet, den Wald auf unterschiedliche Weise zu erleben und dabei etwas für das körperliche und geistige Wohlbefinden zu tun. Die Einrichtung der Niedersächsischen Landesforsten, die einen wichtigen Bildungsauftrag verfolgt, vermittelt Wissenswertes rund um das Thema Wald inklusive Forstwirtschaft und beantwortet naturwissenschaftliche ­Fragen. Ziel des Waldforums ist es, das Bewusstsein für den Wald und seine nachhaltige Bewirtschaftung zu fördern. Darüber hinaus macht die Einrichtung auf alle positiven Auswirkungen des Waldes im Gesundheitskontext aufmerksam und lädt zu diesem Thema regelmäßig Referenten ein, die über die neusten Forschungsergebnisse berichten.

Bewegung reduziert Infarktgefahr

So wurde im Rahmen einer Studie des Zentrums für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln festgestellt, dass bereits 3000 Schritte zusätzlich am Tag das Risiko für Arterienverkalkung reduzieren und damit das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle minimieren. Dass der Wald dabei eine zusätzliche positive Komponente darstellt, konnten koreanische Forscher in einer weiteren Studie belegen. Sie schickten eine Gruppe von Probanden auf einen einstündigen Spaziergang durch den Wald und eine zweite Gruppe durch die Stadt. Auffällig war dabei, dass der Blutdruck der Waldgruppe deutlich gesunken war und die Lungenkapazität zugenommen hatte. Bei der Stadtgruppe hingegen gab es keine signifikanten Unterschiede zur Ausgangsmessung. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass Waldspaziergänge den Blutdruck und die Herzfrequenz ebenso senken wie den Spiegel des Stresshormons Cortisol, wohingegen das Immunsystem durch die Erhöhung der Anzahl der sogenannten Killerzellen gestärkt wird.

»Shinrin Yoku« – Wald­baden auf Japanisch

Wissenschaftler der Nippon Medical School in Tokio fanden sogar heraus, dass Waldspaziergänge offenbar auch Krebs-Killerzellen aktivieren. Dies führten sie auf die sogenannten Phytozyden zurück, eine Substanz, die Pflanzen bilden, um sich vor Krankheitserregern und Schädlingen zu schützen. Spaziergänger atmen diese Stoffe ein und profitieren scheinbar ebenfalls von dieser Gesundheitswirkung. Überzeugt von den Forschungsergebnissen verordnen japanische Mediziner seit den frühen 1980er-Jahren stressgeplagten Managern »Shinrin Yoku« als Therapie gegen Herz-Kreislauferkrankungen. Der Begriff bedeutet übersetzt so viel wie »in Waldluft und -licht baden«. Seit 1982 ist »Shinrin Yoku« sogar Teil des japanischen nationalen Gesundheitsprogramms.

Um einen besonders großen Nutzen aus einem Waldbad zu ziehen, empfehlen Wissenschaftler, möglichst alle fünf Sinne zu aktivieren. Die vielfältigen Sinneseindrücke wie der Duft der Tannennadeln, das Zwitschern der Vögel und die Unebenheiten des Bodens stimulieren die Aktivität des Parasympathikus, der als Bestandteil des menschlichen Nervensystem für die Regeneration der Nervenzellen verantwortlich ist, sagt Clemens Arvay. Der österreichische Biologe, der sich seit Jahren mit der Heilkraft von Bäumen beschäftigt, vertritt die Auffassung, dass der Sympathikus als Gegenspieler des Parasympathikus im hektischen Treiben der Stadt besonders aktiv sei und wir Menschen genau deswegen den Wald als Ausgleich brauchen.

Gesteigertes Selbstwertgefühl beim Waldspaziergang

Waldspaziergänge beeinflussen aber nicht nur das physische Wohlbefinden, sie sollen laut einer Studie sogar das Selbstwertgefühl steigern und stimmungsaufhellend wirken. Verstärkt wird dieser Effekt zusätzlich, wenn der Weg an einem See oder einem Bach vorbeiführt. Dies bestätigt auch Gabriela Hülse. Den besonderen Wert dieser Kombination sieht sie darin, dass sich die aktiven Biostoffe der Bäume mit den Aerosolen des Wassers zu einer erquicklichen »Waldmedizin« vereinigen. Diese wohltuende Kombination habe man zum Beispiel, wenn man durch die Teichlandschaft in Riddagshausen wandere, so Hülse.

Waldbad im Waldforum Riddagshausen

Wer die Vorteile eines gesundheitsfördernden Waldbades für sich nutzen und gleichzeitig etwas für seinen Geist tun möchte, findet im Waldforum ein abwechslungsreiches Angebot an Veranstaltungen.

Unter dem Stichpunkt Familiensonntag bietet das Waldforum beispielsweise jeden ersten Sonntag im Monat für Besucher ein besonderes Programm. Experten, Waldgeschichtenerzähler, Musiker, Künstler, Holzdesigner, Philosophen und Forst­experten laden unter verschiedenen Themen­schwerpunkten ein, dem Lebensraum Wald auf unterschiedliche Art und Weise zu begegnen.

Bei den Wildkräuterwanderungen mit Gisela Stöckmann dürfen auch die Geschmacksknospen vom Wald profitieren. Mit ihr durchstreift der Besucher die nähere Umgebung des Waldforums, sammelt unterschiedliche Wildkräuter und verarbeitet diese im Anschluss zu leckerem Pesto oder schmackhafter Kräuterbutter.

Auch für die Ohren bietet der Wald Wohltuendes. Bei den Vogelstimmenwanderungen mit Anne-Gret Decke geht es gleich frühmorgens auf Tour. In einer zweistündigen Wanderung erleben Hobby-Ornithologen, dass es im Wald nicht nur still sein kann, sondern dass die heimischen Vögel mit ihren Gesängen und Rufen die grünen Oasen mit Leben füllen.

Egal, für welche Form des Waldaufenthalts man sich entscheidet, wichtig dabei ist nicht, dass man sich möglichst athletisch durch das Grün bewegt, schon mit einem gemütlichen Spaziergang könne man etwas Gutes für seine Gesundheit tun, betont Gabriela Hülse abschließend.

Infos Waldforum
Öffnungszeiten
Montags, mittwochs und freitags von 10 bis 14 Uhr und nach ­Vereinbarung.
Tel.: 0531 70748-32, -33
Waldforum Riddagshausen, Ebertallee 44, 38104 Braunschweig

Bild ganz oben: Eine besonders wohltuende Wirkung von Wald und Gewässer findet man am Kreuzteich in Riddagshausen. 

 
geschrieben von  klh
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