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Seien Sie mutig, ­stellen Sie ­Geflüchtete ein! Freitag, 05 Oktober 2018 09:53 Foto: André Pause

Seien Sie mutig, ­stellen Sie ­Geflüchtete ein!

Kaum ein Thema hat unser Land so beschäftigt, wie die Migrationspolitik. Nun können wir alle nach Berlin gucken und abwarten, was von dort kommt. Wir können auch hoffen, dass möglichst viele Geflüchtete wieder unser Land verlassen. Oder wir nehmen die Situation an: die Menschen, die in unsere Region gekommen sind, können wir nicht zurückschicken, das zeigt die Praxis – und ich will es auch nicht!

Zu einem menschenwürdigen Platz in unserer Gesellschaft gehört die Möglichkeit zu arbeiten. Ich möchte helfen, Wege aufzuzeigen, wie wir diese Menschen in unsere Betriebe integrieren. Mir war aus der Situation in unserem Dorf (20 geflüchtete Männer in einer Sammelunterkunft) schnell klar: wenn diese Menschen keine Beschäftigungsmöglichkeit erhalten, müssen die ja auf dumme Gedanken kommen. Also möglichst schnell in Beschäftigung bringen.

Und so haben wir 2015 begonnen, unsere Erfahrungen zu machen. Und die waren sehr vielfältig. Wir mussten schmerzhaft lernen, dass auch die Behörden gangbare Wege in Beschäftigung nicht parat hatten, dass Sprache eine viel größere Rolle spielt als anfangs angenommen, dass aber mangelnde Sprachkenntnis nur die Spitze des Eisberges ist. Ganz andere Schulbildung, oft sehr wenig Schulbildung, kulturelle Unterschiede erfordern von allen Beteiligten enorme Geduld, Offenheit, Fantasie und Durchhaltevermögen.

So allmählich setzen sich realistische Einschätzungen durch. Und der große Schub der Geflüchteten, die oftmals zu schnell und unbedarft in Ausbildung gebracht wurden, ist heute ja auch schon viel weiter mit absolvierten Sprachkursen, sogar vereinzelt schon mit deutschen Schulabschlüssen. Die Chancen und Möglichkeiten aus dem Kreis der Geflüchteten Mitarbeiter, Auszubildende oder sogar Fachkräfte zu generieren, ist enorm gestiegen. Ich kann nur empfehlen: Seien Sie mutig, stellen Sie Geflüchtete ein – es kann sich lohnen. Seien Sie aber nicht enttäuscht, wenn es Fehlschläge gibt – das gehört dazu. Jedes Schicksal ist ein Einzelfall, und so kommt man denn auch nur übers Probieren ans Ziel.

Leider gibt es immer noch Hürden, die meines Erachtens unnötig sind. So ist es nicht zu verstehen, dass es für eine Ausbildung eine Ausbildungsduldung gibt, für eine vorgeschaltete Einstiegsqualifizierung aber nicht. Das führt gegebenenfalls zu vorschnellem Ausbildungsbeginn und belastet unnötig die Beteiligten: Auszubildende, Berufsschule und Betrieb. Es ist auch nicht zu verstehen, dass in bestehenden Ausbildungs- oder Beschäftigungsverhältnissen Arbeitserlaubnisse entzogen werden, mit der Folge, dass in den Betrieben schmerzhafte Lücken entstehen und die Geflüchteten zu Hause bleiben müssen, um dann dem Sozialstaat zur Last zu fallen, denn Abschiebung funktioniert meistens nicht. Da wünsche ich mir, dass auf regionaler Ebene Betriebe, Wirtschaftsverbände und Behörden konstruktiv zusammen­arbeiten und die Ermessensspielräume voll ausschöpfen. Da ließe sich vieles besser regeln.

Übrigens: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich aus dem Kreis der Geflüchteten Auszubildende für den Ausbildungsstart 2019 zu suchen. Sie beginnen jetzt mit einem Praktikum als Einstiegs­qualifizierung bis zum Ausbildungsbeginn, der Auszubildende kann schon die Berufsschule besuchen und wird auf diese Weise gut auf den Ausbildungsbeginn vorbereitet.

Sie können Klaus-Henning Terschüren auch eine E-Mail schreiben: terschueren@kim-braunschweig.de

Bild oben: Klaus-Henning Terschüren, KIM ­Integrationsbeauftragter, Vorstand ­MiteinanderBUNT.

 

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