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Auf in den Iran Freitag, 31 August 2018 09:47 Foto: Sascha Gramann

Auf in den Iran

»Jedes deutsche Unternehmen darf im Iran weiterhin investieren, so viel es möchte«, so Wirtschaftsminister Peter Altmaier jüngst vor der Presse. Man lasse sich von ­Washington keine Handelsbeziehungen diktieren. Klare Kante, möchte man meinen und doch so weit an der Realität vorbei, dass »dem Publikum elend wird beim ­Zuhören«, wie die Frankfurter Rundschau süffisant kommentiert.

Die Wahrheit: Schon vor dem Vertragsbruch des Atomabkommens durch den amerikanischen Präsidenten waren die Geschäftsbeziehungen mit dem Iran schwierig, weil die von den USA abhängigen Banken Finanzierungen verweigerten. Die Hoffnungen der Iraner auf eine Lockerung der ursprünglichen Sanktionen und damit auf einen wirtschaftlichen Aufschwung erfüllten sich schon vor der Entscheidung Trumps nur schleppend. Der Iran beklagt aktuell zu Recht einen massiven Vertrauensverlust, nach dem die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mehrfach bestätigt hatte, dass sich das Land an das Abkommen hält. Und die USA bedrohen Europa durch sogenannte sekundäre Sanktionen, die besagen, dass auch in Drittstaaten alle Firmen, die mit dem Iran Handel treiben, in den USA juristisch belangt werden können. Völkerrechts­widrig! Ein Land kann keinem anderen Land auferlegen, was es zu tun hat und was nicht. Warum sollten sich angesichts dieses Werteverfalls andere Staaten noch an Verträge halten?

Zurück zu uns und dem Iran: Sind wir bereit, eine echte Konfrontation mit Amerika in dieser Sache einzugehen? Kaum ein Land ist den Deutschen so zugetan wie der Iran. Das hat sprachliche, kulturelle und wirtschaftliche Wurzeln. Wir stehen für Leistungsfähigkeit, Verlässlichkeit und Vertragstreue. Dieses Kapital verschleudern wir gerade im Gefolge des amerikanischen polit-wirtschaftlichen Amoklaufes, wenn wir uns dem Diktat beugen. Dabei wäre auch für unsere Region Braunschweig-Wolfsburg der Iran ein Riesenmarkt. Das 80-Millionen-Volk verfügt nicht nur über eine gut ausgebildete und vergleichsweise junge Bevölkerung, sondern auch über riesige natürliche Ressourcen wie die größten Gas- und die drittgrößten Ölreserven der Welt. Maschinenbau, Ingenieursdienstleistungen, Schienen- und Verkehrstechnik, Autobau et cetera – alle Stärken unserer Region passen wie gemalt als Begleitung für die Aufholjagd des Iran.

Aber Altmaiers klare Kante ist wohl mehr ein morsches Stück Holz, es wird den Unternehmen hierzulande nichts nutzen. Zu groß ist die Angst vor Auftragsverlusten im US-Markt, inklusive der drohenden Strafaktionen. »Der Iran setzt jetzt auf Tourismus«, so vor wenigen Tagen der iranische Tourismuschef Ali Asghar Monesan mit Blick auf Europa. Empfehlenswert. Lebhafte Basare, uralte Königspaläste, prachtvolle Gärten – seit der Öffnung des Iran fasziniert das Land immer mehr Reisende mit seiner sagenhaften Kultur, der schillernden Geschichte und der grenzenlosen Gastfreundschaft. Und: für viele bestimmt überraschend – es ist eines der sichersten Länder der Welt. Also: Auf in den Iran.

Sie können Martin K. Burghartz auch eine E-Mail schreiben: m.burghartz@bita-communications.de

Bild oben: Martin K. Burghartz, geschäftsführender Gesellschafter bita communications gbr.
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