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Was bedeutet der Brexit für die Landwirtschaft in Deutschland? Donnerstag, 28 Juni 2018 07:53 Foto: Peter Pohl

Was bedeutet der Brexit für die Landwirtschaft in Deutschland?

Am 23. Juni 2016 haben sich die Bürger des Vereinigten Königreichs (VK) in einem Referendum für einen Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union entschieden. Aufgrund der starken ökonomischen Verflechtung des VK mit Kontinentaleuropa, ist auch für die deutsche Agrarwirtschaft mit unmittelbaren Auswirkungen zu rechnen. Der Versuch einer branchenbezogenen Brexit-Folgenabschätzung ist allerdings problematisch, weil noch nicht klar ist, ob die Regierung Londons nun den »weichen« oder den »harten« Ausstieg plant.

Eine weiche Variante wäre wie im Falle Norwegens zu handhaben. Das skandinavische Land genießt als Mitglied des Europäischen Wirtschaftraums (EWR) Zollfreiheit und unterwirft sich auch den meisten Produktstandards der EU. Damit wäre ein weitgehend ungehinderter Agrarhandel möglich. Sollte es jedoch zur harten Variante kommen und der Handel zwischen EU-Ländern und dem Vereinigten Königreich allein auf WTO-Regeln basieren, sind hohe Zollschranken absehbar.

Wie stark Niedersachsens Landwirtschaft vom Brexit betroffen sein wird, wird sich zeigen, wenn politisch Fakten geschaffen worden sind. Folgende Entwicklungen und Auswirkungen aber lassen sich schon jetzt eindeutig voraussehen: Als starke Land- und hier wiederum besonders starke Veredlungswirtschaft führen wir viele Fleischwaren und Milchprodukte aus. Wir produzieren einen erheblichen Überschuss und werden es zu spüren bekommen, wenn das VK als drittwichtigster Exportmarkt in der EU für niedersächsische Produkte verloren wäre.

Was den Warenfluss der niedersächsischen oder bundesrepublikanischen Landwirte betrifft, ist jeder Verlust von Absatzvolumen sehr bedauerlich. Noch entscheidender ist jedoch, und dies wird bei vielen Diskussionen nicht erwähnt, dass der Austritt des Netto-Zahlers Großbritannien eine große Lücke im EU-Haushalt hinterlässt. Der Topf in Brüssel wird kleiner. Die Ausgaben für Landwirtschaft machen rund 40 Prozent aus diesem Topf aus. Abstriche im Agrarhaushalt sowie die Erhöhung der Beiträge für die anderen Mitgliedsstaaten sind also absehbar. Die Gewinne in der Landwirtschaft sind heute nur durch Ausgleichszahlungen darzustellen. Sollte es hier zu gravierenden Einschnitten kommen – jeder Eingriff in die Ausgleichszahlungen führt zu weiteren Gewinneinbrüchen –, werden wir einen gewaltigen Strukturwandel und eine Veränderung des ländlichen Raumes erleben. Bleibt die Frage, ob dies wirklich so gewollt ist.

Bild oben: Kurt Fromme, Geschäftsführer der Firma Wilhelm Fromme Landhandel

geschrieben von  wo
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