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Fachkräfte­mangel: Auch die Betriebe müssen nachdenken Dienstag, 12 Juni 2018 07:57 Foto: Jörg Scheibe

Fachkräfte­mangel: Auch die Betriebe müssen nachdenken

Der Fachkräftemangel hat viele und unterschiedliche Ursachen. Unzureichende oder ­falsche Rahmenbedingungen, konstruiert von regierenden Parteien, die nur sehr bedingt in der Lage sind, erkennbare Ursachen zu verändern, sind ein Teil des ­Problems.

Jeder hat die demografische Entwicklung in unserem Land vor Augen. Jeden Tag. Selbstverständlich brauchen wir junge qualifizierte Menschen für die Ausbildung zu Facharbeitern. Willkürlich Flüchtlinge aufzunehmen, nur um etwas Gutes zu tun, reicht da – salopp gesagt – bei weitem nicht aus. Um die Voraussetzungen für eine qualifizierte Ausbildung zu gewährleisten, müssen wir künftig verstärkt darauf achten, dass vor allem die Menschen, die dringend benötigt werden, möglichst schnell integriert werden können. Noch behindert die bestehende Gesetzeslage allzu oft eine schnelle und qualifizierte Ausbildung. Auch der Zuzug von qualifizierten Fachkräften könnte klarer und unkomplizierter geregelt sein. Wie es besser geht, zeigen uns beispielsweise Australien und Kanada.

Ein weiteres Problem sind unsinnige und unnötige Gesetze wie die Rente mit 63. Tausende qualifizierte Mitarbeiter werden jedes Jahr in die Rente geschickt und ­reißen bisweilen völlig unnötig eine große Lücke in die Personaldecken der Betriebe. Nicht wenige können und wollen weiterarbeiten. Anstatt dieses Potenzial zu nutzen, dass die steigende Lebenserwartung uns schenkt, gibt es immer noch Unternehmen, die ihren Mitarbeitern anbieten, mit 58 Jahren vorzeitig stufenweise in den Ruhestand zu gehen, sodass mit 60 Jahren das Rentenalter beginnt. Ich selbst werde in diesem Monat 71 Jahre alt und freue mich, jeden Tag arbeiten zu dürfen. Mein Eindruck ist: viele Facharbeiter würden es gerne genauso handhaben, beispielsweise um junge Menschen zu qualifizieren.

Sicherlich ist es schwieriger geworden, geeignete Auszubildende zu finden, da die Quantität und auch die Qualität der Bewerber nachgelassen hat. Auch wären junge Arbeitnehmer gefragt, was Wohnortwechsel anbelangt, etwas flexibler zu reagieren. Letztlich sollten aber auch viele Betriebe, die den Fachkräftemangel beklagen, intensiver darüber nachdenken, was sie selbst tun können oder müssen, um mehr Fach­arbeiter auszubilden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: es lohnt sich. Wir bilden seit 46 Jahren aus und der erste Auszubildende ist, inklusive Meisterausbildung, noch heute im Unternehmen. Insgesamt bilden wir pro Jahr in fünf kaufmännischen und gewerblich-technischen Berufen sowie in zwei dualen Studiengängen etwa 16 Auszubildende aus. Die meisten von ihnen, etwa 90 Prozent, bleiben danach bei uns im Unternehmen, stehen uns also bis zu 25 Jahre zur Verfügung. Aus meiner Sicht wird es auch in Zukunft sicher nicht immer einfach sein, geeignete Fachkräfte zum richtigen Zeitpunkt zu finden. Wenn aber jeder an seiner Stelle rechtzeitig etwas dafür tut, wird es keine echten Probleme geben.

Bild oben: Klaus Kroschke, Geschäftsführer der Kroschke sign-international GmbH

geschrieben von  wo
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