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Weiter denken Dienstag, 27 März 2018 13:22 Foto: Heinz Gramann

Weiter denken

Nun hat sich auch der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) zu Fahrer­assistenzsystemen in Nutzfahrzeugen geäußert. In der Braunschweiger Zeitung vom 15. März hat er die positive Entwicklung der Unfallzahlen bestätigt. Wir danken für sein Interesse und wissen bei allen guten Zahlen, dass jeder Unfall einer zu viel ist.

Tatsache bleibt jedoch, dass Autobahnunfälle – gerade auf historischem Tiefstand festgestellt – nicht immer durch LKW verursacht wurden. Vielmehr überfordert die steigende Kilometerleistung auf der A 2 mit mittlerweile täglich bis zu 30 000 Fahrzeugen, die Braunschweig passieren, unsere Infrastruktur.

Die Fahrzeugindustrie hat die Zeit genutzt und inzwischen ist es schon seit drei Jahren Pflicht, die geforderten Systeme zur Vermeidung von Auffahrunfällen ab Werk einzubauen. Damit ein Abschalten nicht mehr möglich ist, war allerdings erst einmal geltendes EU-Recht zu ändern. Besser wäre ein nach wenigen Minuten Fahrzeit automatisch wieder zugeschaltetes System. Es gibt schwierige Situationen für den Berufskraftfahrer bei Auf- und Abfahrten, bei Raststätten, Parkplätzen und in Baustellen, wo durch das oft rücksichtslose Einscheren anderer Verkehrsteilnehmer nun die Bremsblockade für Nachfolgende nicht erkennbar ist und weitere Unfälle provozieren. Daher bitten wir grundsätzlich um Verständnis.

Ein Nachrüsten ist nach Herstellerangaben nicht möglich. Ein Lastwagen hat mehrere Leben. Durchschnittlich fünf Jahre im Fernverkehr bis zu 800 000 Kilometern, weitere Jahre im regionalen Verkehr und oft Einsätze in ausländischen Märkten mit häufigen Binnentransporten wiederum in Deutschland.

Die Anträge über den Bundesrat an die Bundesregierung, um Verbesserungen bei der EU-Kommission einzufordern, sind hilfreich, sollten jedoch realistisch eingeschätzt werden. Die Verkehrskommissarin aus Slowenien hat ebenso wie ihr Vorgänger aus Litauen wenig Interesse, osteuropäische Transporteure in Deutschland zur Anschaffung neuerer Fahrzeuge anzuhalten. Geringe Investitionskosten dieser Wettbewerber verursachen ebenso Markt­störungen wie das breite Sozialdumping durch fehlende Kontrollen bei Mindestlohn, Lohnsteuer und Lohnnebenkosten. Es wäre schön, wenn der Innenminister durch Straßen-­Kontrollen erreichen könnte, dass die Abstände auf den Autobahnen permanent überwacht und die dann zu erhebenden Bußgelder auch eingezogen würden. Da die Kfz-Steuer eine Landessteuer ist, könnte Niedersachsen erheblich profitieren, wenn nach dänischem Beispiel im Ausland zugelassene PKW in unserem Land nur maximal vier Wochen gefahren werden dürfen. Dies wäre auch eine Bundesrats-Initiative wert.

Die Versorgung der Bevölkerung sowie die Beschaffung und der Versand von Gütern für die Region müssen, bei weiter wachsendem Transportaufkommen im Sinn einer geltenden Verkehrsmarktordnung, möglich bleiben. Ab Juli fließen weitere Milliarden durch die LKW-Maut auf Bundesstraßen. Mein Dank gilt der Landesregierung, die sich vielleicht sogar schon des Problems bewusst ist. Den Bürgern rufe ich provozierend zu: Verzichten Sie auf die Rücksendung zu viel bestellter Waren, dann reduzieren Sie LKW-Fahrten und schützen die Umwelt. Die großen Euro 6-Diesel-­Motoren sind dabei das kleinste Problem.

Sie können Adalbert Wandt auch eine E-Mail schreiben: A.Wandt@wandt.de

Bild oben: Präsident Adalbert Wandt, Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und ­Entsorgung (BGL) e. V.
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