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Fokus Chefbüro: Harald Tenzer Montag, 03 März 2014 00:00 Foto: Peter Pohl

Fokus Chefbüro: Harald Tenzer

Ein Büro, in dem Sport eine große Rolle spielt: »Hier haben wir auch Trainer verpflichtet, hier ist eine Menge geschehen«, erzählt Harald Tenzer. Von 1987 bis 1995 war der Geschäftsführer der Tenzer GmbH & Co. KG Präsident von Eintracht Braunschweig. Seit 2007 veranstaltet er das mit 150 000 Dollar dotierte Braunschweiger ATP-Tennisturnier. »Wirtschaft, Sport und Politik – das faszinierende Dreieck«, so umreißt er sein vielseitiges Wirken, auch auf kommunalpolitischer Ebene. Am 2. Februar vollendete er sein 70. Lebensjahr. »Der Ruhestand ist nicht in Sicht« Zahlreiche Ehrenämter hat er inzwischen niedergelegt. Der Ruhestand ist indes nicht in Sicht: »Ich war nie ein totaler Hausgeist und werde es auch nicht sein.«

Einige Fotos und Dokumente im Büro erzählen von den Anfängen seines Unternehmens – und von der Vorgeschichte. Sein Großvater Kurt Tenzer war an einem Unternehmen beteiligt, das Rohöl aus Russland und Rumänien einführte, zu Maschinenöl, Rüböl und Wagenfett verarbeitete und in ganz Europa exportierte. »Zu Hause habe ich noch eine Bestellkarte von 1873. Die Aktienzuckerfabrik Vechelde hatte ein Fass Maschinenöl geordert«, berichtet der Mineralölkaufmann. »Die Firma hatte ihren Geschäftssitz an der Rüninger Chaussee. Das Gebäude steht zum Teil noch. Aus diesem Umfeld kommt mein Vater. Er gründete das heutige Unternehmen 1931.« Sein jetziges Büro in der Büchnerstraße bezog Harald Tenzer 1974.

Rund 16 000 Kunden werden heute beliefert. »In den letzten Jahren sind wir stetig gewachsen. Ich werde weiter voll im Job bleiben, zumal Ende 2012 ein weiterer Betriebsteil hinzugekommen ist: ein Tanklager in Goslar mit weiteren 6000 Kunden in der Harzer Region.« Das Mineralölgeschäft sei indes derzeit nicht einfach. »Der Kuchen ist kleiner geworden, der Wettbewerb noch größer.«

Sein zweites Unternehmen, die Brunswiek Marketing GmbH, wurde 2006 gegründet, um das ATP-Turnier weiterzuentwickeln. Im Flur hängen Mosaike mit Impressionen aller seitdem veranstalteten Turniere. Darüber hinaus verfügt Tenzer über alle Plakate aus 20 Jahren. Die ersten Motive wurden noch farbenfroh von Künstlern gestaltet, etwa von James Rizzi. »Brunswiek Marketing organisiert inzwischen auch die jährlichen Empfänge für die Wohlfahrtsverbände und das Fußballturnier des Cura e. V. für ehemalige Strafgefangene. Da treten zehn Mannschaften im Eintracht-Stadion an. Und dann kam noch der IHK-Sozialtransferpreis dazu.« Harald Tenzer hatte die Idee, den Preis »Mit Eintracht-Mütze auf dem Kilimandscharo« auszuloben und ist seit der ersten Verleihung im Jahr 2010 Vorsitzender der Jury. Die Finanzierung wird über Sponsoren sichergestellt. »Nach der Finanzkrise 2008 wurden Unternehmer mit den kriminellen Machenschaften im Banksektor verbunden. Das öffentliche Bild ist in eine totale Schieflage geraten. Dabei gibt es gerade im Mittelstand vielseitiges soziales Engagement. Es war mir ein Anliegen, dies ins Bewusstsein zu rücken.«

»Tenzers Idee: Sponsorenpool 100« Auch zu seinem 70. Geburtstag lud Harald Tenzer viele Unternehmer ein. »Ich wollte die Leute um mich haben, die mir etwas bedeuten; die mich seit Jahrzehnten begleiten, unterstützen und auch mal kritisieren. Denn nur das bringt einen ja letztlich weiter.« Sehr persönliche, emotionale Reden in der Dornse hielten neben seinen drei Kindern auch Sebastian Ebel, mit dem er vor Kurzem in Israel war, und Gerhard Glogowski.

Letzterer ist auch auf einigen Fotos im Büro zu sehen, zum Beispiel auf dem Kilimandscharo, den Tenzer 1993 mit Eintracht-Mütze bestieg – oder 1989 bei einem Dinner des »Club 100« von Hertha BSC mit dem Sponsorenpool »Eintracht 100«. Die Idee zur Sponsorengemeinschaft hatte Harald Tenzer 1987 nach dem Abstieg in die dritte Liga. »Mit einem positiven Torverhältnis abgestiegen, mit drei ehemaligen Nationalspielern, das gab es nicht wieder«, erinnert er sich. »Ölkaufmann bohrt Geldquellen an«, titelte dann das Westfalenblatt. Der bisherige Hauptsponsor Günter Mast wollte indes nicht mitziehen. »Er sagte, ich bin nicht einer von 100. Dafür gab es dann bereits bei der außerordentlichen Hauptversammlung 23 Unternehmen, die dem Pool beitraten.«

Bald wurde die Initiative nachgeahmt. Hertha BSC und der KSV Hessen gründeten eigene Sponsoren-Pools. Bayern-Manager Uli Hoeneß kam zum Erfahrungsaustausch. Um das angekratzte Image des Vereins zu verbessern, war dann auch eine Straßenbahn in der Stadt unterwegs, mit den Logos der Pool-Partner. »Damit waren wir auch die ersten. Die Straßenbahn wurde im Depot getauft. Dann fuhren wir zum Spiel ins Stadion.«

Von all diesen besonderen Momenten erzählen Fotos im Büro. Zu sehen ist auch ein Benefiz- Spiel der Adidas-Traditionsmannschaft, bei dem Harald Tenzer 1989 im Team mit Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Berti Vogts, Wolfgang Overath und Sepp Maier antrat. Thomas Gottschalk stand im Tor. Was weniger bekannt ist: Tenzer arbeitete auch sechs Jahre lang ehrenamtlich im Ligaausschuss des Deutschen Fußball-Bundes. »Da war ich mit Lizensierungsverfahren für die 1. und 2. Bundesliga betraut. Über 30 Tage im Jahr war ich in Frankfurt – und dann auch viel mit der Nationalmannschaft unterwegs. Als wir 1995 in der Dornse 100 Jahre Eintracht Braunschweig feierten, waren alle drei Ehrenspielführer dabei, Uwe Seeler, Franz Beckenbauer und Fritz Walter. Denen wurde ein Braunschweiger Löwe überreicht. Das war ein toller Abend.«

»Lieber Tennis als Golf« Von vielen Ehrenämtern hat sich Harald Tenzer inzwischen getrennt. »Ich gehöre noch der IHK-Vollversammlung an und bin Handelsrichter am Landgericht, seit nun 27 Jahren. Das ist eine hochinteressante Tätigkeit«, erzählt er. Und wie sieht es aus mit seiner sportlichen Aktivität? Spielt er Golf? »Golf nicht. Solange ich laufen kann, spiele ich einen vernünftigen Sport – Tennis «, antwortet er lächelnd. Er ist bekannt als Mann des klaren Wortes. »Ja«, sagt er, »ich bin niemand, der gern um den heißen Brei herumredet. In dem Sinne ist Zeit wirklich wertvoll. Gestalten kann man nur, wenn man es auf den Punkt bringt.«

Was sagt er zur Regionsdebatte? »Derzeit ist zu viel Kirchturmdenken im Spiel, es spricht zu viel Politik«, so seine Einschätzung. »Es gibt ja eine gewisse Bekennerkultur der Menschen zu bestimmten Standorten. Man sollte Abstand nehmen von willkürlich geschnittenen Landkreisen und eine Bürgerbefragung durchführen. Einfach mal die Menschen fragen, wo sie sich emotional zugehörig fühlen. Das sollten die Politiker dann respektieren. Das ist dann gewollt und nicht verordnet. Generell finde ich es positiv, dass die Region im Aufbruch ist. Wenn die finanziellen »Tenzer zur Regionsdebatte« Bedingungen ein Zusammenwachsen erfordern, kann ich nur sagen: Bitte so groß wie möglich. Denn die nächste Gebiets- und Verwaltungsreform bekommt man dann wahrscheinlich erst in 50 oder 60 Jahren hin.«

geschrieben von  wo
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