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Fokus Chefbüro: Michael P. Aust Montag, 29 Oktober 2018 12:47 Foto: André Pause

Fokus Chefbüro: Michael P. Aust

Im Juni 2014 hat Michael P. Aust die Leitung des Internationalen Filmfests Braunschweig übernommen. Seither pendelt er zwischen Braunschweig und Köln, wo er für das Film­musikfestival SoundTrack_Cologne verantwortlich zeichnet, hin und her. Darüber hinaus ist er seit 22 Jahren Geschäftsführer und Produzent der in der Domstadt ansässigen TelevisorTroika GmbH. Auch sein Braunschweiger Chefbüro teilt er sich. Hier sitzt er der Juniorkuratorin Karina Gauerhof gegenüber.

Dass Aust das Amt des Festivaldirektors in Braunschweig übernehmen würde, war nicht von Anfang an klar. Erst nach einiger Bedenkzeit habe er zugesagt. »Ich wollte das Festival in Köln nicht aufgeben und erst schien Beides unvereinbar«, erinnert er sich. Mittlerweile ist klar zu sehen, dass es funktioniert. Jede Woche verbringt er jeweils zur Hälfte in beiden Städten. Die Projekte vermischten sich dabei ganz automatisch. »Ich arbeite auch hier für Köln und in Köln für Braunschweig. Das hängt davon ab, was grade ansteht.«

Arbeit im Zug

Die langen Bahnfahrten zwischen seinen Wirkungsstätten sind für den 53-Jährigen ganz und gar keine verschwendete Zeit. Er nutze sie, um zu arbeiten. »Im Zug ist es gut, dass man nicht so oft angerufen wird. Ich mache dann gern Sachen, die etwas aufwendiger sind, wie zum Beispiel Pressetexte schreiben.« Sein ständiger Wegbegleiter hierbei ist sein Laptop, der vor Ort in seinen beiden Büros an den jeweiligen Monitor angeschlossen wird. Ansonsten hat ein Büro für ihn kein »Muss«. »Für mich ist nur wichtig, dass es einigermaßen aufgeräumt ist – da fühle ich mich wohler.« In der Tat ist an seinem Arbeitsplatz nichts von einem, der Künstlerszene nachgesagten, kreativen Chaos zu sehen.

Kultur und Wirtschaft

Wenn man sich den Lebenslauf von Michael P. Aust anschaut, hätte man auf den ersten Blick nicht davon ausgehen können, dass er in die kulturelle Richtung gehen würde. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann wurde ihm ein Angebot für eine Stelle als stellvertretender Zweigstellenleiter gemacht. Aust entschied sich dagegen und studierte Betriebswirtschaftslehre, Kunstgeschichte, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft und Kulturmanagement.

»Mir war sehr früh klar, dass ich in die Kultur will. Ich habe eine kurze Zeit damit geliebäugelt, Musiker zu werden, aber dann wusste ich, dass ich in einer kulturellen Institution arbeiten möchte.« Für die Leitung einer solchen Institution brauche man aber nicht nur kulturelles Wissen, sondern auch das »richtige Handwerkszeug«. Dafür sei die Erstausbildung zum Bankkaufmann und das vertiefende BWL-Studium die richtige Entscheidung gewesen.

Die Liebe zur Kultur wird in der ganzen Familie gelebt, vor allem von Austs Brüdern. »Der eine komponiert in erster Linie Filmmusik, der andere tourt momentan mit seinem experimentellen Musiktheater um die Welt.« Schon als Kinder haben die Geschwister zusammen musiziert. »Wenn man das so früh anfängt, fällt es schwer, später etwas anderes zu machen«, erklärt der Filmfestleiter. Als Jugendlicher habe er in einer Band gesungen und Gitarre gespielt. »Das war ordentlicher Mainstream-Pop, eine Mischung aus Simple Minds und The Cure: stark elektronisch, aber mit richtigen Streichern und Bläsern auf der Bühne.« Durch eine ­Operation am Handgelenk wurde seine Karriere als Gitarrist allerdings vorzeitig beendet.

Drei Filme in Vorbereitung

Das erste Mal mit seiner Band auf der Bühne zu stehen, sei für Aust sehr prägend gewesen. Sein erstes eigenes Festival zu machen, den Schritt zu wagen, eine Filmproduktion zu starten und, nicht zuletzt, nach Braunschweig zu kommen, sind nur einige seiner bedeutsamen Meilensteine. »Momentan juckt es wieder unter den Nägeln – ich habe drei Dokumentarfilme in Vorbereitung.«

Die Bedingungen in Braunschweig sind grundsätzlich gut, was die Verankerung in der Stadt anbelangt und auch finanziell.

Zudem sei es in den letzten vier Jahren möglich gewesen, alle »Altlasten« des Festivals abzutragen. Der momentane Etat beträgt 680 000 Euro. Davon kommen 150 000 Euro vom Haupt­sponsor Volkswagen Financial Services AG. Der Filmfestdirektor schätzt die Zusammenarbeit mit der Volkswagen Tochtergesellschaft. »Wir pflegen seit Jahren eine gute und vertrauensvolle Partnerschaft.« Zumindest auf das Filmfest scheint die Dieselkriese also keine größeren Effekte zu haben.

Für die 32. Auflage vom 5. bis 11. November gibt es für Aust einige Highlights. »Wir haben einen tollen Wettbewerb mit zehn deutschen Premieren. Das haben wir zuvor noch nie geschafft.« Dieses Jahr wird erstmalig der Volkswagen Financial ­Services Filmpreis verliehen. Er kürt den besten europäischen Debüt- oder Zweitfilm. Ebenfalls erstmalig findet das FxM Film Meets Music Festival innerhalb des Festivals statt. Sieben Konzerte zu Film und Musik – und jede Musik­reihe ist verschränkt mit dem Festival: Jedes dieser Konzerte steht für eine andere inhaltliche Reihe. »Das ist eine klare Alleinstellung in Deutschland«, bekräftigt Aust nicht ohne Stolz.

Der Filmfestleiter hat in den letzten vier Jahren viel verändert. »Inzwischen ist allen bewusst geworden, dass man im Hinblick auf das Publikum nicht mehr so weitermachen kann, wie bisher.« Man müsse für junge Zielgruppen attraktiv werden. »Das Festival ist in Braunschweig allgegenwärtig, was nicht heißt, dass es auch für alle interessant ist.« Um dagegen anzugehen, stecke Aust momentan in Verhandlungen mit den regionalen Hochschulen, um Flatrates zu vereinbaren. Mit der Hochschule für Bildende Künste ist ihm dies nun schon gelungen. Die jungen Studenten können das Filmfestival gratis besuchen.

Ihm sei es sehr wichtig, allen Teilen der Braunschweiger Gesellschaft zu verdeutlichen, dass das Festival ein bedeutungsvoller Teil der Stadtkultur ist.

Das Thema »Verjüngung« spielt für Michael P. Aust eine große Rolle. So gibt es aktuell eine App für das Filmfestival, es gibt mittlerweile ein Teammitglied, das sich ausschließlich um Social Media kümmert und es gibt Überlegungen, in geraumer Zukunft die klassische Werbung weitestgehend abzuschaffen. »Dafür gibt es aber noch zu viele Leute, die gern den Katalog in den Händen halten und die denken, das Festival findet nicht statt, wenn sie kein Plakat in der Stadt sehen«, erklärt Aust.

Die Menge der auf dem Filmfest gezeigten Filme hat der Festivaldirektor enorm erhöht. »Es mussten andere Zuständigkeiten geschaffen werden, wir haben uns schlicht anders organisiert.« Es gibt nun eine Datenbank, die die Arbeit in vielerlei Hinsicht vereinfacht und verringert. Mit den gleichen Ressourcen wie vorher werde jetzt viel mehr geschafft.

Kontakte sind essenziell

Für seine Arbeit in Braunschweig hat er von den Beziehungen, die er über die Jahre bereits in Köln geschlossen hat, profitiert. »Für die Filmbranche braucht man unbedingt Kontakte. Durch Köln bringe ich eine Basis mit, die ich allein in Braunschweig nicht bekommen hätte. Dafür fehlt hier eine Filmszene im engeren Sinne.«

Als Ausgleich zur Arbeit geht der 53-Jährige morgens gern am Löwenwall joggen. »Das passiert aus Zeitgründen aber leider viel zu selten.« Sein einziges ihm verbliebenes Hobby ist Musikvideos sammeln. Letztendlich spiegelte sich aber auch das in seiner Arbeit am Festival wieder, da er Vorträge dazu anbiete, auch, um sich selber weiterzubilden. »Wenn man alle Hobbys zu seinem Beruf vereint hat, bleibt nicht mehr allzu viel über«, lacht Aust.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
geschrieben von  zf
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