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»Ein Schritt näher zum Herzen« Dienstag, 11 September 2018 10:29 Foto: André Pause

»Ein Schritt näher zum Herzen«

»Ich bin mehr als angekommen, schneller als gedacht – und schöner als gedacht«, erzählt Anja Dittmar. Seit Anfang April ist die waschechte Hessin Leiterin des Privat- und Unternehmerkundengeschäfts der Commerz­bank am Standort Wolfsburg, zu dem unter anderem auch das Gebiet um die Städte Helmstedt und Schöningen gehört. Befeuert worden sind die positiven Eindrücke zusätzlich durch den Bilderbuchsommer. »Seit ich hier bin, scheint die Sonne«, schwärmt die Bankerin lachend.

Erwartet hat Dittmar, die im 600-Einwohner-­Örtchen Ahl – »sehr klein, sehr beschaulich und solange man sich zwischen den ­Pfadfindern, dem Freibad und der Schule bewegt wunderbar« – aufwuchs und zuletzt 20 Jahre in Frankfurt gelebt hat, nicht so ungeheuer viel. Eigentlich habe sie mit der Region vor ihrem Dienstantritt nur den Volkswagenkonzern verbunden. Der wiederum verleihe zumindest der Stadt Wolfsburg internationales Flair, findet sie.

Faszination Gegensatz

Anja Dittmar ist Urbanität ebenso lieb wie eine kräftige Portion Landluft. In ihrer neuen Wahlheimat hat sie beides. »Ich erlebe die Region als sehr vielfältig, finde, dass es eine hohe Lebensqualität gibt. Ich glaube auch, dass sie nicht zuletzt dadurch als Standort für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) hoch­interessant ist.« Grundsätzlich sei sie fasziniert von Gegensätzen. »Stadt und Land, in die Oper gehen, aber auch zum Fußball«, das mache den Reiz aus.

Sie selbst hat die sich bietenden Vorzüge noch gar nicht so intensiv genutzt, gesteht sie. Gut, die Restaurants in Büronähe kenne sie nun schon ein wenig, und die Umgebung ihrer fußläufig erreichbaren, im Stadtteil Klieversberg bezogenen Wohnung hat sie durch allsonntäg­liche Zehnkilometerläufe quasi en passant erkundigt. Auch der Strand am Allersee hat schon ihr Interesse geweckt. »Man findet viel, was lebens- und liebenswert ist. Und von meinen Mitarbeitern bekomme ich jeden Tag fleißig Sachen vorgeschlagen, auch was ­Kulturveranstaltungen anbelangt«, schwärmt sie.

Viel im Auto

Auf diese Weise hat sie die Tanzaufführungen des Movimentos-Festivals im Kraftwerk mit Begeisterung gesehen und auch dem Kunst­museum hat Anja Dittmar bereits einen Besuch abgestattet.

Allzuoft bleibe dazu wiederum auch keine Zeit, denn ihre Tage sind lang. Montags startet die 46-Jährige im Büro. Dann sitzt sie mit ihrem Stab zusammen, schaut auf Abläufe, Ergebnisse und organisiert die eigene Arbeitswoche. Von Dienstag bis Donnerstag versucht sie, komplett draußen in den Einheiten zu sein. »Das sind zwölf Filialen, fünf Standorte, an denen wir KMU betreuen, und drei, an denen wir Wealthmanagement anbieten. Ich fahre viel mit dem Auto durch die Gegend, das ich jetzt seit Mai habe. Stand jetzt stehen da 14 000 Kilometer auf dem Tacho«, skizziert die Frau, die sich selbst als »Kind des Privatkundengeschäfts« bezeichnet. »Zu Beginn meiner Laufbahn hatte ich ein paar Bedenken, weil ich dachte, dass der Beruf fast ausschließlich mit Mathematik zu tun hat. Ich habe aber bald begriffen: er hat sehr viel mehr mit Menschen zu tun.«

Ein Kind des ­Privatkundengeschäfts

Klassisch ausgebildet in der Kreissparkasse Schlüchtern und weitergebildet zur Sparkassenbetriebswirtin, wagte sie 1998 nach 13 Jahren direkter Kundenbetreuung den Schritt nach Frankfurt zur damaligen Dresdner Bank. »Anfang der Nullerjahre während der Zeit der großen Übertreibungen am Neuen Markt saß ich nun in der großen Stadt. Direkt neben meiner Filiale lag das Hochhaus, und ich habe mich oft gefragt: Was mache ich jetzt? Schlage ich mich vollumfänglich auf die Wertpapierseite? Ich hatte schließlich auch immer ein Herz für das Kreditgeschäft«, erinnert sie sich.

Das Ergebnis des Hinterfragungsprozesses: In vielen Bereichen hat Dittmar seither gearbeitet. Personalwesen, Projektarbeit, verschiedenste Tätigkeiten auf Vorstandsebene – sogar eine Trainer- und Coach-Ausbildung hat sie absolviert, »weil ich in der Zeit der Lehmann-­Pleite dachte, dass es gescheit wäre, etwas zu lernen, was einen von der Branche ein wenig unabhängiger macht.« Damals hatte sie überlegt: Was kann ich eigentlich richtig gut? Und so landete sie wieder bei Menschen – und bei Führung.

Betrachtet sie den Verlauf ihrer Karriere, so sei sie oft eine Art »Dolmetscherin« gewesen, sagt sie. Das Filialgeschehen einschließlich der Mitarbeiter (etwa 130 sind es bei der Commerz­bank in der Niederlassung Wolfsburg), die Kunden aber auch die Vorgaben des Vorstandes wollten und wollen unter einen Hut gebracht werden. Aktuell bedeutet dies unter anderem, Mitarbeitern den Veränderungsprozess aufgrund der umfassenden Umstrukturierung des Privat- und Unternehmenskundengeschäfts klarzumachen.

Die Dolmetscherin hält Balance

Die Steuerung des Gesamtgeschäfts sei, so Anja Dittmar, immer eine Frage des Balancehaltens. Sie selbst trainiert ihr Gleichgewicht regelmäßig auf einem Balanceboard, das sie von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz, von Büro zu Büro mitgenommen hat. »Als ich das noch richtig gut konnte, habe ich manchmal meine Telefon­konferenzen darauf abgehalten. Das schult: der erste Schritt erfordert etwas Mut und wenn ich eine Ecke überbetone falle ich runter«, beschreibt die Privatkundenspezialistin.

Absolut reibungslos verläuft die Zusammenarbeit der Niederlassungsleiter im Raum Süd-Ost-Niedersachsen. Besonders kurz ist der kurze Dienstweg zu Stefan Bommer. Ihr Vorgänger in Wolfsburg kümmerte sich vorüber­gehend zusätzlich um die Filiale in Braunschweig mit und ist nun komplett in die Löwenstadt gewechselt. Durch die gegebene räumliche Nähe arbeite man regelmäßig unter anderem im Rahmen von Events zusammen. »Demnächst wollen wir beispielsweise eine Veranstaltung für Gründer machen. Da wäre die Zielgruppe in Wolfsburg wahrscheinlich zu klein, also schauen wir aus regionaler oder nieder­sächsischer Sicht auf die Sache.«

Beste Sicht

Auf das Geschehen in Wolfsburg schaut sie freilich allein. Bei bester Sicht auf den Trubel in der belebten Porschestraße. Der Ausblick aus ihrem Büro erfolgt durch eine eindrucksvoll im 90-Grad-Winkel verlaufende Fensterfront. »Viele, die das Büro schon vorher kannten, meinen, dass es jetzt ganz anders aussieht. Dabei habe ich nur die Rollläden hochgefahren und Licht hereingelassen«, lacht Anja Dittmar. Einige persönliche Einrichtungsstücke aus unterschiedlichen Berufs- und Lebensphasen sind freilich im gesamten Raum platziert: das Foto eines Elefanten erinnert an eine Reise nach Myanmar (Asien ist das Lieblingsreiseziel), ein gerahmtes farbenfrohes Bild ist das Geschenk einer ehemaligen Mitarbeiterin und eine auf Mikrofon getrimmte Karaoke-­Maschine das Zeugnis eines Abends, bei dem die Führungsmannschaft des Hauses durch die Intonation des Dschinghis-Khan-Hits »Moskau« in der »Wolfsburg«-Version einen zweiten Platz errang.

Essenziell im Büro der Bankerin ist der große Konferenztisch. Ihr Job sei im Zweifel nicht der, viel zu rechnen oder viel zu schreiben, sondern viel zu reden, gut zuzuhören und gegebenenfalls Dinge zu verändern, sagt sie – »echte Führungsarbeit eben«.

Ein Koffer in Frankfurt

Von letzterer abzuschalten, gelinge ihr sehr gut beim Yoga oder bei gemeinsamen Aktivitäten mit ihrem Lebenspartner. Der lebt im Hamburger Raum, so dass sie ein bis zwei Mal in der Woche weitere 180 Kilometer pro Strecke im Auto zurücklegt. »Das ist zwar immer noch ein Stückchen, aber weniger als die halbe Strecke im Vergleich zu vorher, was wirklich schön ist«, sagt Dittmar. Ihre Eigentumswohnung in Frankfurt hat sie vermietet. Halten möchte sie die Immobilie auf jeden Fall, weil die Eltern in der Nähe leben, sie selbst in Hessen aufgewachsen ist, die Stadt ihr nach 20 Jahren ans Herz gewachsen ist und die Mainmetropole eben die deutsche Bankenstadt ist. Gezögert hat sie dennoch nicht, als das Wolfsburg-Angebot ihres Bereichsvorstandes kam: »Tatsächlich ist der Schritt in den Norden für mich einer der näher zum Herzen führt und das ist mir persönlich sehr viel wichtiger als Karriere im klassischen Sinn.«

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
geschrieben von  pau
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