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Fokus Chefbüro: Frauke Oeding-Blumenberg Montag, 06 August 2018 10:56 Foto: André Pause

Fokus Chefbüro: Frauke Oeding-Blumenberg

Alle Büroteppiche im 2013 bezogenen Verwaltungs- und Produktionsgebäude in der Oeding Unternehmensgruppe in Braunschweig-Rautheim sind anthrazit. Alle Teppiche? Nein. Frauke Oeding-Blumenberg, geschäftsführende Gesellschafterin des Familienunternehmens und Vollversammlungsmitglied der IHK Braunschweig, strahlt: »Ich wollte meine Möbel aus dem alten Büro in der Wilhelmstraße unbedingt mitnehmen. Die mag ich wirklich sehr, das bin ich.« Allerdings habe die edle dunkelblaue Lasur des Holzes dann nicht mit dem dunklen Farbton des etatmäßigen Bodenbelages korrespondiert. »Das wäre mir zu düster geworden.« Die Lösung war schließlich ein hellgrauer Teppich.

Düster ist grundsätzlich keine Option – nicht im hochmodernen Gebäude, das Plusenergie-­Standard aufweist und in seiner Form dem runden Verlauf der Straße Erzberg angepasst wurde, und auch nicht im Chefbüro. Hier lassen sich die Jalousien zwar manuell einstellen, sorgen bei Sonneneinstrahlung durch die raumhohe Fensterfront aber wie von Geisterhand für den nötigen Blendschutz. Die Leuchten im Haus spenden via Bewegungsmelder gesteuert bis in die hintersten Ecken und Nischen angenehm warmes Licht.

Blumen und Kunst


Frauke Oeding-Blumenberg, die die Unternehmensgruppe Oeding seit dem Tod ihres Vaters Ende 1993 in fünfter Generation leitet, vorher acht Jahre in einem Büro mit ihm gearbeitet hat, gestaltete ihren Arbeitsplatz damals ganz bewusst um. Jetzt sorgen ein Farngewächs, lila Orchideen, gelbe Schnittblumen und ein Kunstwerk vis-à-vis des Schreibtisches für Farbtupfer. Letzteres hat Günther Kaphammel, verschiedene Aspekte des Druckens motivisch berücksichtigend, für sie angefertigt. »Ich habe mich riesig gefreut, dass dieser tolle Künstler mir ein solches Geschenk macht.«

Oeding-Blumenberg ist am Traditionsstandort des 1797 gegründeten Familienunternehmens in der Wilhelmstraße quasi groß geworden. »Meine beiden Schwestern und ich haben unsere Großeltern immer Maschinenoma und Maschinenopa genannt, weil sie inmitten der Anlagen gewohnt haben«, sagt sie lachend. Die Gerüche aus dieser Zeit seien unvergessen. Heute freilich unvorstellbar. Schritt für Schritt stellte die Unternehmerin den Betrieb um. Die ersten Ideen zum umweltfreundlichen Drucken habe es bereits Ende der 1980er-Jahre gegeben. Der heutige IHK-Vizepräsident Dr. Ralf Utermöhlen, mit dem sie seit ihrer Zeit bei den Wirtschaftsjunioren freundschaftlich verbunden ist, zeigte ihr damals den Weg auf, in Richtung Nachhaltigkeit und ökologische Neuausrichtung

Das Unternehmen sind alle

Innovation und Mut zur Veränderung sieht Frauke Oeding-Blumenberg als Wurzel des Unternehmens. Gesellschaftlicher und technischer Wandel fanden und finden zu jeder Zeit Berücksichtigung. Dabei ist es ihr nicht nur in Nachhaltigkeitsfragen wichtig, Vorbild zu sein. Als Unternehmerin sieht sie sich in der Verantwortung, für eine positive Unternehmenskultur und gegenseitiges Vertrauen zu sorgen. »Wir alle sind das Unternehmen, nicht der Chef allein«, hat ihr Großvater oft gesagt. Oeding-Blumenberg hat dieser zum Motto gewordene Satz geprägt. Alle leisten ihren Teil am Gesamterfolg, nehmen mit ihren Ideen Einfluss auf die Zukunft der Unternehmensgruppe. Neben dem Druckgeschäft der oeding print GmbH und den Verzeichnismedien der Oeding Info GmbH gehört seit knapp zwei Jahren die Magazin-Sparte zum Portfolio, welche die übernommenen Titel der ehemaligen Subway Medien GmbH umfasst. »Das macht richtig Spaß«, betont die Geschäftsführerin. Außerdem befruchten sich die einzelnen Bereiche gegenseitig. So erbringe oeding magazin beispielsweise Text-und Agenturdienstleistungen für die gesamte Gruppe, die andernfalls hätten eingekauft werden müssen.

Persönliches und freundschaftliches Netzwerk

Nach 33 Jahren im eigenen Familienunternehmen – »wirklich eine irre lange Zeit« – weiß Frauke Oeding-Blumenberg selbst am besten, welche Veränderungen im Sinne der Zukunftsfestigkeit richtig und wichtig sind. Nach ihrem Studium zur Diplomkauffrau in Braunschweig und Göttingen blieb sie zwei weitere Jahre in Südniedersachsen, absolvierte bei Hubert & Co. GmbH und Co. KG ein Traineeprogramm. »Da bin ich durch alle Bereiche durch, was ich rückblickend nur jedem empfehlen kann, bevor es in den elterlichen Betrieb geht.«

Als bereichernd empfindet die Unternehmerin bis heute auch ihr Engagement im Ehrenamt. Drei Jahre nach dem Beitritt bei den Wirtschaftsjunioren Braunschweig, war sie von 1988 bis 1992 im Vorstand des Zusammenschlusses aktiv. Die Wahl in die Vollversammlung unserer IHK, der sie bis heute angehört, war für Oeding-Blumenberg dann ein logischer Schritt: »Allein mit den Wirtschaftsjunioren haben wir ganz viel auf die Beine gestellt. Daraus ist ein bis heute belastbares Netzwerk entstanden. Es gibt kompetente Ansprechpartner für alle Belange, weil die verschiedensten Branchen vertreten sind. Ich habe mich immer gut aufgehoben gefühlt, weil der Umgang sehr persönlich und freundschaftlich ist. Was in der Wirtschaft ganz sicher keine Selbstverständlichkeit ist.«

Im Unternehmen stehen ihr die drei weiteren Gesellschafterinnen zur Seite. Das sind ihre beiden Schwestern und eine Cousine. Alles Frauen, was in der männerdominierten Branche schon etwas besonderes sei, findet Oeding-­Blumenberg: »Das ist bei Gesellschafterversammlungen immer eine sehr lebendige Runde. Da werden schon die richtigen Fragen gestellt.« Sie greift zum Tischkalender. Das aufgeschlagene Blatt zeigt Frauen, die mit Boxhandschuhen posieren. Darunter steht Berthold Brechts Zitat: »Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.« Ihr gefalle das Bild der starken Frauen, auch wenn sie – so ihr Eindruck – im Beruf nie mehr habe kämpfen müssen als andere. »Ich bin immer selbstbewusst aufgetreten. Ich denke, dass es letztlich keine Probleme gibt, wenn man fachlich wirklich da ist und sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt.«

Freie Entscheidung statt Zwang

Auch in den Karriereweg gedrängt worden sei sie nie, sagt Frauke Oeding-Blumenberg. Das hält sie gemeinsam mit Ehemann Dirk ­Blumenberg ebenso, was den eigenen Nachwuchs anbelangt. Sohn Thilo (21) und Tochter Gesa (20) studieren in Nürnberg und München. Ob einer von ihnen einmal das Büro mit den dunkelblauen Holzmöbeln im Erzberg übernehmen wird? »Die beiden haben ja gerade erst Abitur gemacht. Es ist viel zu früh, da eine Entscheidung einzufordern. Ich glaube, es gibt nichts Schlechteres, als zu irgendetwas gezwungen zu werden, was man womöglich selber nicht will«, betont die Unternehmerin.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
geschrieben von  pau
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