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Im Büro von Joachim Block Donnerstag, 14 Juni 2018 09:00 Foto: Jörg Scheibe

Im Büro von Joachim Block

Nein, Chef vom Ganzen sei er nicht. Seine Stellung sei eher vergleichbar mit derjenigen, die Schuldirektoren früher besaßen, die ihre Schule zwar in der Öffentlichkeit zu vertreten hatten, aber nicht Vorgesetzte ihres Kollegiums waren: »Hier in der Standortleitung ist das ähnlich.« Hier, das ist der Braunschweiger Standort des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt, der größten ingenieurwissenschaftlichen Forschungseinrichtung in der Bundesrepublik Deutschland mit insgesamt 40 Instituten an 20 Standorten. Professor Joachim Block ist Standortleiter von Braunschweig und Göttingen: »Ich bin der ört­liche Vertreter des DLR-Vorstands gegenüber den Mitarbeitern und Betriebsräten, Repräsentant des DLR gegenüber den Kommunen, der regionalen und Landespolitik, den Universitäten und zahl­reichen Netzwerkpartnern.«



Das DLR mit seinen Forschungsinstituten im Norden Braunschweigs zwischen Flughafen und Autobahn ist drittgrößter DLR-Standort in Deutschland und eingebunden in das Netzwerk des Forschungsflughafens. Mit den hier ansässigen Partnern aus TU und Wirtschaft kooperiert man gern. Das Gelände ist grün und besitzt einen fast parkartigen Charakter; etliche Instituts­gebäude sind in den letzten Jahren modernisiert worden. Professor Blocks Büro liegt indes in einer Baracke, was sich weit schlimmer anhört als es ist: Das Büro ist hell und groß genug, um problemlos Schreibtisch, Regale, Garderobenschrank und Konferenztisch unterzubringen. An den Wänden Zeichnungen seiner Kinder, die inzwischen erwachsen und teilweise schon mit dem Studium fertig sind, der aktuelle DLR-Kalender mit Luftaufnahmen von schneebedeckten Gebirgsgipfeln – schließlich wird am Standort ja Spitzenforschung betrieben – sowie einem Plakat der Rosetta-­Mission: das größte Projekt seines Berufs­lebens. Mehr als zehn Jahre von 1994 bis zum Start der Sonde 2004 und darüber hinaus. »Das war ein Lebensprojekt. An einem größeren war ich nie beteiligt.«

Das R in »DLR« steht für Raumfahrt

Als Joachim Block vor fast einem Vierteljahrhundert in die Rosetta-Mission eingebunden wurde, war er Wissenschaftler am Institut für Faserverbundleichtbau und Adaptronik. Aufgabe der Mission war es, Erkenntnisse über die Früh­geschichte unseres Sonnensystems und Aufschluss über die Herkunft organischer Moleküle in den Urozeanen der Erde zu gewinnen. Aufgabe des Instituts: Konstruk­tion und Bau der Struktur des Rosetta-­Landers »Philae«, der auf der Ober­fläche des Zielkometen Churyumov-­Gerasimenko landen und deren Zusammen­setzung analysieren sollte.

Zehn Jahre Forschung und Entwicklung, zehn Jahre Flugzeit bis zur Ankunft am Ziel und zur Landung am 12. November 2014. Für die beteiligten Braunschweiger Wissenschaftler – außer dem DLR waren auch drei TU-Institute beteiligt – hatte es dramatische Augenblicke in Hülle und Fülle gegeben, allen voran das Erwachen aus dem »Winterschlaf« im Januar 2014. Am Ende jedoch war Rosetta eine der erfolgreichsten europäischen Raumfahrtmissio­nen überhaupt. »Diese Jahre wird niemand je vergessen, der dabei war«, sagt Block, »und ich selbst auch nicht.«

Heute jedoch leitet er einen DLR-Standort, der ganz überwiegend von der Luftfahrtforschung geprägt ist und in dem daneben auch die Verkehrsforschung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Exzellente Raumfahrtforschung wird natürlich weiterhin betrieben, rangiert quantitativ aber erst auf Platz drei. Unbemannte Luftfahrzeuge, neue Führungssysteme für den Luftverkehr, neue Leichtbaukonzepte, die Digitalisierung des Flugzeugs, neuartige Kraftstoffe und elektrische Antriebe sind die aktuellen Themen in der Luftfahrtforschung. Intermodalität des Verkehrs am Boden und automatisches Fahren kommen hinzu. »Es ist meine politische Mission, sie in ihrer Gesamtheit zu vertreten«, resümiert Professor Block, »wobei die wissenschaftlich-fachliche Tiefe natürlich von unseren Instituten repräsentiert wird.«

Seit er Standortleiter von Braunschweig, ­Göttingen und einigen kleineren angeschlossenen Standorten in Norddeutschland ist, kann er natürlich nicht mehr selbst wissenschaftlich arbeiten. Immerhin hat er eine Honorar­professur am Institut für Geophysik und Extra­terrestrische Physik der TU Braunschweig inne und genießt den Austausch mit den Studenten. Zudem hält er Vorträge im Haus der Wissenschaft: »Ich wäre unglücklich, wenn ich meine Vortragsreihen nicht hätte.« Er ist Vorsitzender der Forschungsregion, des Hochschulbundes und des Forschungsflughafens und durch seine Ehrenämter mit vielen Partnern in der Region vernetzt. Viele Vortragsanfragen werden an ihn herangetragen und er gesteht offen: »Ich kann dann einfach nicht widerstehen, meistens sage ich Ja.« Auf seinem Tisch liegt das Konzept für einen Vortrag, den er demnächst im Rahmen einer »Jugend forscht«-Veranstaltung halten soll: »Bei Jugend forscht habe ich als Schüler des Martino-Katharineums zusammen mit zwei Klassenkameraden selber mal mitgemacht. Allerdings sind wir damals vor dem Erreichen der höheren Ebenen rausgeflogen.«

Ich bin ein Geschichtsfreak

Als überzeugter Braunschweiger fühlt sich Joachim Block eng verbunden mit den Braunschweiger Museen, insbesondere mit dem Braunschweigischen Landesmuseum, und ist nebenbei auch Vorsitzender des FABL-Vereins, des Vereins der Freunde der Archäologie im Braunschweiger Land. »Ich bin ja auch ein Geschichtsfreak und befasse mich in meiner Freizeit viel mit Geschichte und Archäologie, vor allem auch in Bezug auf unsere Heimat­region. »Das ist mein Hobby, mein Freizeit­ausgleich.«
geschrieben von  maru
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