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Fokus Chefbüro: Roland Klein Dienstag, 13 März 2018 13:21 Foto: André Pause

Fokus Chefbüro: Roland Klein

Woran erkennt man einen erfolgreichen Netzwerker? Viele würden heutzutage zum Smartphone greifen und ungerührt auf ihre schier unendlich lange Freundes- oder Kontakt-Listen bei Facebook und Co. verweisen. Der Vechelder Unternehmer Roland Klein tickt da anders. Kommt das Gespräch auf die Digitalisierung und ihre Folgen, runzelt der freundliche Zweimetermann die Stirn. Selbstverständlich sehe er die Verheißungen des unternehmerischen Aufbruchs ebenso positiv wie den in vielen Lebensbereichen auszumachenden technischen Fortschritt für die Gesellschaft. Er bestelle, weil man manchmal einfach nicht drum herumkomme, auch schon mal bei Amazon. Ebenso ist er im Bereich Social Media aktiv. Allerdings empfinde er die Auswirkungen der Netzwerke auf die Privatsphäre der Menschen ebenso gravierend, wie jene im persönlichen Umgang untereinander. »Ich glaube manchmal, dass es die richtigen Freundschaften immer weniger gibt.«

Dass Klein ein begeisterter Netzwerker im realen Leben ist, jemand, der sehr offen auf die Leute zugeht, wird im persönlichen Gespräch schnell klar. Aber auch, wer das Geschäftsführer-­Büro des Traditionsunternehmens Gerhard Klein Verpackungen GmbH & Co. KG betritt, kann geraume Zeit auf Indizienjagd gehen, so zahlreich sind die persönlichen Erinnerungsstücke, die auf Aktivitäten im ­Privat- wie im Geschäftsleben verweisen.

Interessante Zeitgenossen

Die Grenzen zwischen Dienst, Freizeit und Ehrenamt seien bei ihm ohnehin fließend. Er betrachte alles ganzheitlich, finde es schön, immer wieder »interessante Zeitgenossen« kennenzulernen. »Zusammen etwas schaffen, das Spaß macht, nützlich ist und andere begeistert, das finde ich wichtig, sowohl geschäftlich als auch privat«, sagt Roland Klein. Ob das nun etwas Materielles sei oder Frohsinn, spiele eigentlich eine untergeordnete Rolle. Engagement und Bereitschaft seien für ihn grundsätzlich ein hohes Gut.

Vor elf Jahren hat der Unternehmer das Netzwerk »Karneval 111« initiiert, ist dort auch Sprecher und pflegt die Kontakte zu mittlerweile 90 Sponsoren aus Mittelstand und Handwerk. Dass er darüber hinaus im Beirat der Kaufmännischen Union wirkt und seit nunmehr zwölf Jahren auch noch erster Vorsitzender der Überwachungsgesellschaft für gebrauchte Transportbehälter e. V. in Düsseldorf ist, mache den Terminkalender ebenfalls nicht schlanker. »Wie es eben so ist mit dem Ehrenamt«, lacht Klein, »es nimmt einen ein. Ich versuche, die Sachen daher nur soweit an mich ranzulassen, wie ich Möglichkeiten habe, sie zu bewältigen«.

Noch mehr Platz

80 Stunden pro Woche wolle er nicht arbeiten, betont er, und überhaupt: Wenn sich die Leute zuvörderst über ihr Arbeitsvolumen definieren, finde er das grundsätzlich nicht positiv. Besser sei es doch, durch Organisation und Struktur die Weichen so zu stellen, dass alles zuverlässiger und schneller läuft – auch für den Chef. Klein stellt immer wieder Weichen, auch im Augenblick: 20 000 Quadratmeter Gelände, davon 4000 Hallenfläche gehören zum Unternehmen. Noch. »Der Außenbereich wird bis in die Spitzen genutzt, deshalb kommen nun 3000 Quadratmeter hinzu.« Wer über das Gelände geht, kann dort bergeweise IBC-Container sehen. Ein Container hat die Größe eines Kubikmeters, das braucht einfach Platz, das leuchtet ein.

Dienstleister und Händler

Das Vechelder Unternehmen hat zwei Geschäftsbereiche. Auf der einen Seite ­offeriert Gerhard Klein Verpackungen GmbH & Co. KG die Dienstleistungen Rücknahme, Rekonditionierung, Rebottling und Entsorgung. Das zweite Standbein bildet der Handel mit Containern und Verpackungen. Beide Bereiche hielten sich beim Umsatz – Roland Klein beziffert ihn auf 2 Millionen Euro im Jahr – etwa die Waage. Wobei extreme Schwankungen der Rohstoffpreise den Handel bisweilen zum Vabanquespiel machten: »Wenn ich mir beispielsweise Polyethylen-Fässer aufs Lager gezogen habe und der Preis für Polyethylen fällt um 20 oder 30 Prozent, was wir alles schon gehabt haben, dann kostet das Fass, was den Materialwert anbelangt, dann womöglich gleich 3 Euro weniger«, seufzt der Unternehmer. Bei gleichbleibendem Verkaufsdruck. Die Lagerkosten blieben schließlich die gleichen, außerdem seien Polyethylene nur fünf Jahre zulässig. »Selbstverständlich möchte niemand Produkte kaufen, die nur noch ein bis zwei Jahre zulässig sind. Insofern ist der Segen, der im Handel liegt, heute nicht mehr ganz so groß«, skizziert Klein schmunzelnd.

Lange Unternehmens­geschichte

Er hat Vergleichsmöglichkeiten, ist selbst bereits seit 1989 im Unternehmen. Die Geschichte des traditionsreichen Familien­betriebes reicht freilich viel weiter, gut 125 Jahre, zurück. Bereits 1892 widmete sich Gründer Georg Klein in Schlesien dem Verkauf neuer und der Auf­arbeitung gebrauchter Verpackungsmittel. Holzfässer und Holzkisten wurden von Böttchern repariert und gesäubert und der verpackenden Industrie zum Transport der verschiedensten Materialien wieder zugeführt. Dabei wurden die bekannten »Barrels« für die Mineralölfirmen genauso füllfertig gemacht wie Heringstonnen und Weinfässer für die Lebensmittelindustrie. 1939 übernahm Gründersohn Gerhard Klein die Firma, leitete sie bis 1945 im niederschlesischen Schweidnitz und baute sie nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 in Braunschweig komplett neu auf. 1964 wurde die Leitung an Georg-Peter Klein übertragen. Zwischenzeitlich hatte sich der Verpackungsmittelmarkt auf viele Artikel ausgedehnt und der Kunststoff kam als neue Material­möglichkeit dazu. Im September 2012 expandiert der ISO 9001 zertifizierte Entsorgungsfachbetrieb, der von Roland Klein seit 1995 in vierter Generation geleitet wird, dann mit dem Umzug von Watenbüttel nach Vechelde.

Der Region ­Braunschweig verbunden

Die Firmengeschichte, und mit ihr die Region Braunschweig, liegt dem Unternehmer am Herzen. Er selbst macht aus seiner Verbundenheit zur Stadt keinen Hehl: »Unsere Kunden kommen aus einem Umkreis von etwa 300 Kilometern, ich selbst orientiere mich schon stark in Richtung Braunschweig.« In Roland Kleins Büro finden sich Karnevals­orden, Gedenkmünzen und Bilder von Freunden aus der Kaufmännischen Union ebenso wie eine antike Rema-­Rechenmaschine oder Miniatur-Autos nebst Fotografien, die ihn an Reisen durch die Wüste erinnern. Der Unternehmer wirkt, als könne ihn nachhaltig ganz und gar nichts erschüttern. Weder das härter gewordene Rennen um Aufmerksamkeit in seiner Branche, noch die ständig zunehmende Konkurrenz aus Belgien, Frankreich und Polen. Und wenn ihn doch mal etwas umhaut? Er deutet mit der Hand auf das großformatigste Exponat im Raum: »Der Spruch von Winston Churchill über meinem Schreibtisch beschreibt mein Naturell da sehr gut. Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.«

geschrieben von  pau
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