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Neues Regionales Einzelhandels­entwicklungskonzept für den ­Wirtschaftsraum Braunschweig im Fokus des IHK-Handelsausschusses Donnerstag, 20 Dezember 2018 11:07 Foto: André Pause

Neues Regionales Einzelhandels­entwicklungskonzept für den ­Wirtschaftsraum Braunschweig im Fokus des IHK-Handelsausschusses

Die Fortschreibung des Regionalen Einzelhandelsentwicklungskonzeptes war aufgrund geänderter ökonomischer, demografischer und rechtlicher Rahmenbedingungen erforderlich geworden. Insbesondere die Datengrundlage aus dem Jahr 2008 bedurfte einer Aktualisierung. Diese Untersuchung zeigte, dass die Anzahl der Einzelhandelsbetriebe im Wirtschaftsraum Braunschweig bis 2017 um 18,5 Prozent abgenommen hat bei gleichzeitiger Zunahme der Gesamtverkaufsfläche um 1,1 Prozent. Anhand dieser statistischen Daten werden Konzentrationstendenzen im regionalen Einzelhandel sichtbar. Gleichzeitig wird die Einzelhandelsentwicklung von der zunehmenden Bedeutung des Online-Handels beeinflusst. Vor diesem Hintergrund werden mit dem angepassten Entwicklungskonzept verbindliche Rahmenbedingungen der zukünftigen Standortsteuerung von Einzelhandelsgroßprojekten festgelegt.



IHK-Vizepräsident und Ausschussvorsitzender Joachim Wrensch, der am 13. November zur Sitzung des IHK-Handelsausschusses eingeladen hatte, hob gleich in seiner Begrüßung die Bedeutung des Regionalen Einzelhandels­entwicklungskonzeptes für die zukünftige Einzelhandelsentwicklung hervor. Der IHK war es ein besonderes Anliegen, dass die Auswirkungen des Online-Handels im Zuge des Fortschreibungsprozesses berücksichtigt werden, da dessen Bedeutung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat und zukünftig mit hoher Wahrscheinlichkeit noch weitere Hinzugewinne verbuchen wird. Manuela Hahn, Erste Verbandsrätin des Regionalverbandes Großraum Braunschweig, bestätigte in ihrer Vorstellung des aktuellen Einzelhandelsentwicklungskonzeptes diesen Trend, der räumlich Auswirkungen zeigen wird. Intention und Ziel des aktuellen Konzeptes sei es daher, der mit dem Strukturwandel im Handel einhergehenden Entwertung der Innenstädte und Ortszentren zu entgegnen, so Hahn.

Ein wesentlicher Bestandteil des Regionalen Einzelhandelsentwicklungskonzeptes stellt der »Absatzwirtschaftliche Transparenzrahmen zur zukünftigen Verkaufsflächenentwicklung« dar, der im Zuge der Fortschreibung erarbeitet wurde. Dieser Transparenzrahmen zeigt die zukünftigen Potenziale für Verkaufsflächenentwicklungen bis zum Jahr 2027 in der Region auf. Das höchste Verkaufsflächenpotenzial ist für den kurzfristigen Bedarfsbereich, vorwiegend für Nahrungs- und Genussmittel sowie Drogerie-, Parfümerie- und Kosmetikprodukte und Arzneimittel vorhanden. Für die überwiegend zentren- bzw. innenstadtrelevanten Sortimente Bekleidung und Elektroartikel sowie Sportartikel, Fahrräder und Camping ist hingegen ein Rückgang der Verkaufsfläche zu erwarten. Neben den Auswirkungen des Online-Handels werden unter anderem die zukünftige Einwohnerentwicklung, die Entwicklung der sortimentsspezifischen Kaufkraft und andererseits angebotsseitige Rahmenbedingungen des Einzelhandels berücksichtigt. Dabei etabliert der Transparenzrahmen keine »Grenze der Entwicklung«, sondern stellt eine von ­mehreren Abwägungsgrundlagen bei der zukünftigen Steuerung des regionalen Einzelhandels dar. Da sich gerade bei den zentrenrelevanten Sortimenten rückläufige bis stagnierende Potenziale ergeben, ist bei Neuansiedlungen beziehungsweise Verkaufsflächenerweiterungen mit Umsatz­umverteilungen im Bestand zu rechnen. Im Kontext der Sicherung und Weiterentwicklung der Versorgungsfunktion regional bedeutsamer Versorgungskerne und zentraler Versorgungsbereiche in den Kommunen ist eine Lenkung von zusätzlichen Verkaufsflächen in regionalplanerisch und städte­baulich präferierte Standorte unerlässlich, wie Manuela Hahn erklärte.

Wiederaufnahme des BID-Gesetzes für Niedersachsen gefordert

Über den aktuellen Sachstand des BID-Gesetzes und die Änderung des Niedersächsischen Gesetzes über Ladenöffnungs- und Verkaufszeiten berichtete IHK-Handelsreferent Christian Scheffel. Während ein Gesetzgebungsverfahren für die Initiierung von Business Improvement Districts nach wie vor aussteht, konnte zu den rechtlichen Regelungen über verkaufsoffene Sonntage Stellung bezogen werden.

Die IHK Niedersachsen hat gegenüber dem Landes­gesetzgeber dargelegt, dass der vorgelegte Gesetzentwurf das Ziel einer rechtssicheren Lösung im Gesamtergebnis nicht erreicht. So ist zu erwarten, dass einzelne Regelungen erneut sehr anfällig für die Interpretation der Verwaltungsgerichte werden und zugleich einen erheblichen bürokratischen Aufwand erzeugen. Gleichwohl ist die Aufnahme von raumordnerischen und städtebaulichen Sachgründen als Legitimation für eine Sonntags­öffnung zu begrüßen.

Björn Nattermüller von der Braunschweig Stadtmarketing GmbH stellte den Sitzungsteilnehmern die Initiative Digitalmentoren vor, die durch Seminare, Workshops und Vorträge unterschiedliche Facetten der Digitalisierung wie Social-Media-Aktivitäten, mobile Internetnutzung oder Online-Handel beleuchtet. Die Weiterbildungs- und Schulungsangebote, die von verschiedenen Kooperationspartnern angeboten werden, richten sich nicht nur an Einzelhändler, Gastronomen, Hoteliers, Dienstleister und Kulturschaffende in der Braunschweiger Innenstadt, sondern können von Geschäftsleuten in der ganzen Region wahrgenommen werden. Weiterhin berichtete Manuel Geiger, Gründer von Einkaufshelden, über die zweite Testphase seiner Shopping-App in der Stadt Braunschweig. Die bisherigen Erfahrungen zeigten, dass die örtlichen Händler mit der App Waren verkaufen und sogar Kunden zum Kauf weiterer Produkte inspirieren können, wie ­Geiger berichtete.

Bild oben:Christian Scheffel (IHK-Handelsreferent), Manuel Geiger (Gründer von Einkaufshelden), Manuela Hahn (Erste Verbandsrätin Regionalverband Großraum Braunschweig), Joachim Wrensch (IHK-­Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Handelsausschusses) sowie Björn Nattermüller (Braunschweig Stadtmarketing GmbH, v. l.).
geschrieben von  cs
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