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Der Tourismusausschuss tagte Mittwoch, 19 Dezember 2018 10:19 Foto: André Pause

Der Tourismusausschuss tagte

Die neue Zuständigkeit des Regionalverbands Großraum Braunschweig für regionale Tourismuskonzepte, die wichtigsten Ergebnisse der erstmalig in dieser Form erhobenen Kulturtourismus­studie 2018, aktuelle Trends und Entwicklungen im Online-Reisevertrieb aus Sicht des Verbandes Internet Reisevertrieb e. V. (VIR) und die Wahl eines neuen Ausschussvorsitzenden standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung des IHK Tourismusausschusses am 8. November in Braunschweig.

Manuela Hahn, die Erste Verbandsrätin, stellvertretende Verbandsdirektorin und Abteilungsleiterin Regionalentwicklung des Regionalverbandes Großraum Braunschweig, berichtete über die neuen Aufgaben und Zielsetzungen des Verbandes im Tourismus. Diesem ist im Zuge einer Gesetzesänderung unter anderem die Aufgabe »Erstellung von regionalen Tourismuskonzepten, Unterstützung von Kommunen und regionalen Vermarktungsorganisationen bei der touristischen Vermarktung sowie bei der regionalen Öffentlichkeitsarbeit, auch im Bereich Regionalmarketing« übertragen worden. Wie Hahn ausführte, gehe es dem Regionalverband darum, keine Doppelstrukturen aufzubauen. Vielmehr sollten die regionalen Akteure besser miteinander vernetzt werden.

Runder Tisch Tourismus

Darüber hinaus gelte es, ein Bewusstsein für die jeweiligen Entwicklungspotenziale zu schaffen. Insbesondere bei der Beantragung von Förder­mitteln nehme der Regionalverband eine beratende Funktion in unternehmerischer und wirtschaftlicher Hinsicht ein. Ebenso erfolge eine Koordination von Netzwerken durch den Verband. Zur operativen Umsetzung seien ein »Runder Tisch Tourismus« sowie ein entsprechender Arbeitskreis eingerichtet worden. Auch die Einrichtung weiterer Fachworkshops sei denkbar. Als gemeinsames Ziel aller Akteure gehe es darum, positive Effekte auf die gesamte Region ausstrahlen zu lassen, branchenübergreifende Synergien zu schaffen, die touristische Entwicklung weiter voranzutreiben und schließlich auch die Umsetzungsaktivität zu steigern.

Bestandsaufnahme des ­kulturtouristischen Status Quo

Das Institut für Kulturmanagement der Päda­gogischen Hochschule Ludwigsburg und die projekt2508 GmbH haben gemeinsam die Kulturtourismusstudie 2018 erarbeitet. Lara Buschmann, Mitautorin und Leiterin der Berliner Geschäftsstelle des Beratungsunternehmens, stellte den Teilnehmern die wichtigsten Ergebnisse daraus vor. Mit der vorliegenden Betrachtung erfolgte erstmalig für den deutschsprachigen Raum eine umfassende Bestandsaufnahme des Phänomens Kulturtourismus gleichermaßen aus Sicht von Kultur- und Tourismusakteuren. Konkret zielt die Studie darauf ab, die spezifischen Bedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten, Trends, Chancen und Herausforderungen des Kulturtourismus aufzuzeigen. Gefragt wurde nach seiner Relevanz für die jeweilige Kulturinstitution/-verwaltung beziehungsweise Destination, nach konkreten Aktivitäten im Bereich des Marketings und der Vermittlungs­arbeit sowie nach Kooperationen zwischen Kultur und Tourismus und ihren Wechselwirkungen.

Im Ergebnis kommt die Studie zu sechs Kern­thesen: 1. Dem Kulturtourismus fehlt es an strategischer Ausrichtung. 2. Kenntnisse über kulturtouristische Zielgruppen sind veraltet. 3. Kulturtourismus wird als bloße Marketingaufgabe verstanden. 4. Es fehlt an starken Tourismus­organisationen und »Kümmerern«. 5. Die Potenziale kulturtouristischer Kooperationen werden besonders im ländlichen Raum kaum genutzt. 6. Onlinemarketing ist in ­Kulturbetrieben von ziellosem Aktionismus geprägt – auf Kosten strategischer Überlegungen.

Auffallend sei, so Buschmann, dass die Befragung von Kultur- und Tourismusakteuren zu ganz unterschiedlichen Einschätzungen komme, etwa wenn es um die Wahrnehmung von Aufgaben geht. Während die Tourismusakteure ganz überwiegend der Ansicht seien, dass sie die Kulturakteure in der touristischen Angebotsgestaltung sehr gut betreuen, so empfänden die Betroffenen die Betreuung in der Realität ganz überwiegend als unzureichend.

Potenzial bei »unter­haltungsorientierten ­Ausflüglern«

Festgehalten werden könne, dass fehlende Strategien in vielen Fällen ein erfolgreiches Marketing verhinderten. Nach einer neueren Typologie von Yvonne Pröbstle lassen sich die heutigen Kulturtouristen nach dem Erfahrungsgrad und dem Stellenwert von Kunst und Kultur auf ­Reisen in die Gruppen »unterhaltungsorientierte Ausflügler«, »pflichtbewusste Sightseeker«, »aufgeschlossene Entdecker« und »passionierte Spezialisten« einteilen. Während sich das Marketing in der Praxis häufig noch an der letzten, eher kleinen Gruppe ausrichte, die gezielt nach kulturellen Angeboten suche, so biete demgegenüber die große Gruppe der »unterhaltungsorientierten Ausflügler« ein noch zu hebendes Potenzial. Hier besuche bisher nur etwa jeder fünfte Tourist auch kulturelle Einrichtungen. Grundsätzlich seien Reisende aber kulturellen Themen gegenüber sehr aufgeschlossen, insbesondere in ihrer Freizeit.

Problematisch sei, dass es im Marketing »von allem zu viel und überall das Gleiche« gebe. Fokussieren anstelle von Addieren falle den Akteuren im Kulturtourismus schwer. Dass ein Bedarf für Kooperationen existiere, hätten sowohl Tourismus- als auch Kulturakteure längst erkannt; in der Praxis funktioniere die Aufgabenverteilung aber häufig noch nicht. Hinzu komme, dass es außerhalb von Metropolen ganz schlicht an Ressourcen fehle. Im Ergebnis brauche Kulturtourismus mehr Profil, neue Strukturen, mehr Kooperation, mehr Gästezentrierung und Service-Design sowie neue und vernetzte Vermittlungsformen, hob Buschmann hervor.

Reisebuchungen verstärkt auf digitalen Kanälen

Michael Buller ist Vorstand des Verbandes Internet Reisevertrieb (VIR) in Unterhaching bei München. Er vertritt die Interessen der deutschen digitalen Reiseindustrie. Mehr als 70 Unternehmen, darunter auch Branchenriesen wie die TUI oder FTI, haben sich dem Verband angeschlossen. Die Geschwindigkeit, mit der die Digitalisierung unserer Gesellschaft voranschreitet, verblüffe selbst Experten, so ­Buller. Nach Einschätzung der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) werde schon vor 2020 die Mehrheit aller Buchungen online oder per E-Mail generiert. Schon jetzt interessierten sich die Urlauber nicht nur verstärkt für das digitale Reiseangebot, sie vertrauten den digitalen Kanälen auch mehr als je zuvor, was die hohen Zuwachsraten bei den Buchungen langer Urlaubsreisen zeigten. Zudem zeichne sich bei den über digitale Kanäle gebuchten Reisen ein Strukturwandel bei der Urlaubsorganisation ab. Einzelbuchungen von Unterkünften dominierten bereits jetzt deutlich vor der Pauschalreise. Dies sei in erster Linie ein Ritterschlag für die Hotelbuchungsportale – das Hotelangebot im Internet komme beim Verbraucher an.

»Digital ist längst Alltag«, so Buller. Eine besondere Hausforderung in Gegenwart und Zukunft seien die zunehmende Vernetzung, das Internet of Things sowie die Entwicklung künstlicher Intelligenz. Neue Entwicklungen führten dazu, dass klassische Angebotsformen und Geschäfts­modelle in der Reisebranche zunehmend durchbrochen und durch neue Anbieter ersetzt würden.

Gerhard Lenz zum ­Vor­sitzenden des IHK-­Tourismusausschusses gewählt

Im Rahmen der Sitzung wurde Gerhard Lenz, Geschäftsführer der Erzbergwerk Rammelsberg GmbH und Direktor der Stiftung Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Ober­harzer Wasserwirtschaft, zum neuen Vorsitzenden des Tourismusausschusses der IHK Braunschweig gewählt. Er folgt auf Thomas Pfeifer, der im Rahmen der nächsten Sitzung offiziell verabschiedet wird.

Bild ganz oben: Wollen den Tourismus in unserer Region ankurbeln (v. l.): Uwe Heinze (IHK Braunschweig), Michael Buller (Vorstand des Verbandes Internet Reise­vertrieb e. V. (VIR)), Gerhard Lenz (Geschäftsführer der Erzbergwerk Rammelsberg GmbH), Manuela Hahn (Erste Verbandsrätin Regionalverband ­Großraum Braunschweig) und Lara Buschmann (Leiterin der Berliner Geschäftsstelle des Beratungsunternehmens projekt2508 GmbH).

 
geschrieben von  hei
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