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Wirtschaftszusammenkunft mit VW-Strategiechef Jürgen ­Rittersberger Montag, 10 Dezember 2018 14:41 Foto: André Pause

Wirtschaftszusammenkunft mit VW-Strategiechef Jürgen ­Rittersberger

Seit dem 1. September ist Jürgen Rittersberger als Nachfolger von Thomas Sedran Leiter der Konzernstrategie und des Generalsekretariats von Volkswagen. Am 22. Oktober sprach er im Rahmen einer Wirtschaftszusammenkunft im Kongresssaal der IHK Braunschweig. Dabei stellte er die aktuelle Situation von VW als Teil einer sich im Umbruch befindenden Industrie dar und gewährte Einblicke in das seit dem Frühjahr gültige Zukunftsprogramm »TOGETHER – Strategie 2025«.



Viel habe sich in den vergangenen Monaten nach Worten des studierten Wirtschaftsinformatikers getan. Man sei dabei, den Konzern mit seinen 123 Produktionsstandorten und 650 000 Mitarbeitern effizienter und schlanker aufzustellen. Eine wesentliche Rolle spielten in diesem Zusammenhang die im April neu gebildeten Markengruppen: »Volumen«, »Premium« und »Superpremium«.

Läuft alles nach Plan, rechnet Rittersberger für 2018 mit 10,7 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen, was in etwa dem Wert des Vorjahres entspräche. Die Umsatzerlöse stiegen in diesem Fall auf rund 230 Millionen Euro, die operative Umsatzrendite betrüge etwa 7,4 Prozent vor ­Sondereinflüssen.

Industrie im Wandel

Dem entgegen stünden die Herausforderungen durch das neue WLTP-Prüfverfahren. Diese Situation allerdings »können und müssen wir selbst in den Griff kriegen«, so der oberste Volkswagen-Stratege. Anders verhalte es sich mit der Abkühlung auf dem Chinesischen Markt. Bedingt durch den Handelsstreit mit den USA, gebe es dort eine wirkliche Eintrübung des Geschäftes und keine direkte Handhabe.

Generell steht die Autoindustrie vor einem Wandel, den es – wenn überhaupt – in dieser Form schon lange nicht mehr gegeben hat. Vor allem die technologischen Megatrends (digital, elektrisch, autonom), so Rittersberger, veränderten den Wettbewerb dramatisch. Player, die mit der Branche an sich zuvor nichts zu tun hatten, wie Uber und Lyft, drängten nun verstärkt auf die Bühne, um sich an die Kundenschnittstelle zu setzen und Mobilitätsdienstleistungen anzubieten. Aber auch die grundsätzlichen Rahmen­bedingungen änderten sich, beispielsweise durch die CO2-Ziele der EU.

Mobilitätskonzepte sind gefragt

Jürgen Rittersberger, der seine Karriere 1999 als kaufmännischer Leiter der Philipp ­Holzmann Grundbesitz GmbH begann, 2001 als Leiter Controlling zur DIBAG Industriebau AG wechselte und seit 2002 für Porsche arbeitete, ab Ende 2015 als Generalbevollmächtigter, glaubt daher, dass Mobilitätskonzepte wie Ride-Sharing oder Ride-Pooling künftig stark an Bedeutung gewinnen werden: »Wir gehen davon aus, dass das Thema individuelle Mobilität spürbar zurückgehen wird, gerade in den Megacitys wird Mobility on demand an Bedeutung gewinnen. In der letzten Stufe werden wir das autonom erleben.« Für die Betreiber sei dies der Punkt, wo das Thema wirtschaftlich interessant wird. »Wenn ich den Fahrer aus den Fahrzeugen rausbringe, das Auto autonom zu mir kommt und mich 24/7 abholt, dann erleben wir die tatsächliche Disruption in der Autoindustrie.«

Vier Leitthemen

Der Strategiechef von Volkswagen sieht sein Unternehmen auf einem guten Weg. Zuletzt wurden vier Leitthemen definiert, anhand derer der Veränderungsprozess absolviert werden soll: Kerngeschäft transformieren, Geschäftsfeld Mobilitätslösungen aufbauen, Finanzierung sichern und Innovationskraft stärken.

Dennoch müsse klar sein, dass es gerade in dieser Transformationsphase gelingen muss, die neuen Geschäftsfelder durch das traditionelle Geschäft zu finanzieren. Deshalb investiert VW bis 2023 zwar rund 48 Milliarden Euro im Bereich E-Mobilität und Digitalisierung (allein in 2018 werden laut Rittersberger für Digitalisierung und autonomes Fahren mehr als 6 Milliarden Euro aufgewendet), steckt aber knapp das Doppelte in die Entwicklung konventioneller Antriebe.

Die Ziele der »Roadmap E«, die den Volks­wagen-Konzern in den kommenden Jahren insgesamt etwa 20 Milliarden Euro kosten wird, spiegeln das Thema nachhaltige Mobilität wie folgt: Rund 80 elektrifizierte Fahrzeugmodelle (Plug In oder Hybride) sind bis 2025 geplant, fünf Jahre später soll dann mindestens ein Fahrzeug pro Modellreihe elektrifiziert sein.

Bild oben: Aline Henke, Präsidentin der IHK Lüneburg-­Wolfsburg, und Helmut Streiff, Präsident der IHK Braunschweig, begrüßten Volks­wagen-Strategiechef Jürgen Rittersberger bei der Wirtschaftszusammenkunft in Braunschweig.
geschrieben von  pau
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