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IHK Braunschweig etabliert Sachverständige für Drohnen Mittwoch, 10 Oktober 2018 08:12 Foto: Maria Dryfhout/123rf.com

IHK Braunschweig etabliert Sachverständige für Drohnen

Die Zahl der Drohnen steigt rasant. Einhergehend mit den immer umfangreicheren gewerblichen und privaten Einsatzmöglichkeiten nehmen auch Zwischenfälle mit Drohnen zu. Dies erfordert mitunter eine professionelle Ursachenforschung. Die Industrie- und Handelskammern bestellen daher zukünftig Sachverständige für unbemannte Luftfahrtsysteme.

Auch im Bereich der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen greift die IHK Braunschweig Zukunftsthemen auf. Aus diesem Grund hat sie das neue Sachgebiet »Unbemannte Luftfahrtsysteme und Flugmodelle« entwickelt, für das nun deutschlandweit Sachverständige bestellt werden können. Zukünftig stehen Gerichten, Wirtschaft und Behörden damit auch auf dem Gebiet der Drohnen Experten und Expertinnen mit besonderer Sachkunde zur Verfügung.

Soweit »auf dem Gebiet der Wirtschaft« ein grundsätzlicher Bedarf besteht, haben die IHKs den gesetzlichen Auftrag, Sachverständige zu bestellen. Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige sind in besonderem Maße zu Unabhängigkeit, Gewissenhaftigkeit und Unparteilichkeit verpflichtet. Im Rahmen ihrer Bestellung müssen sie eine überdurchschnittliche Sachkunde in ihrem Sachgebiet nachweisen. Diese wird üblicherweise durch ein Fachgremium festgestellt. Öffentlich bestellte Sachverständige werden daher von den Gerichten bevorzugt mit der Erstellung von Gutachten beauftragt.

Sachverständige für Drohnen werden insbesondere benötigt, um sowohl die Funktionsweise und -fähigkeit unbemannter Fluggeräte als auch Schadensereignisse mit diesen zu begutachten. Als bundesweit erste Institution hat die IHK Braunschweig daher, zusammen mit ihrem Fachgremium, Bestellungsvoraussetzungen im Bereich der unbemannten Luftfahrt entwickelt. Die Standards für Sachverständige auf diesem Gebiet werden somit in unserer Region gesetzt, die hierfür durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik, das Luftfahrt­bundesamt, den Forschungsflughafen und die Technische Universität prädestiniert ist.

Aufgrund des gleichzeitig etablierten Fach­gremiums wird es auch anderen Bestellungs­körperschaften möglich sein, ihre Interessenten in Braunschweig überprüfen zu lassen.

Ansprech­partner:
Johannes ­Sauter, recht@braunschweig.ihk.de, Telefon: 0531 4715-225

 

Drei Fragen an Dr. Sven Lorenz, erster öffentlich bestellter und vereidigter Sach­verständiger der IHK Braunschweig für unbemannte Luftfahrtsysteme und Flugmodelle:

Herr Dr. Lorenz, was hat bei Ihnen den Ausschlag gegeben, Ihren beruflichen Schwerpunkt auf die Drohnenforschung zu legen?

Bereits in der Schulzeit hatte sich mein Inte­resse für Modellflugzeuge und -hubschrauber entwickelt, wobei damals natürlich noch nicht an »Drohnen« zu denken war. Nach einer Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und einem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik fing ich 2003 beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig an, mich wissenschaftlich mit unbemannten Luftfahrzeugsystemen zu beschäftigen. Automatisch fliegende, unbemannte Luftfahrzeuge waren 2003 noch eine Sensation. Es gab keine fertigen Autopiloten und die Sensoren waren viel größer im Vergleich zu den heutzutage verfügbaren Systemen. Rückblickend erscheint der Weg über eine technische Ausbildung, dem anschließenden Studium und der Anstellung beim DLR als ein recht gerad­liniger Weg zum Drohnenforscher. Tatsächlich ist sicher ein wenig Zufall dabeigewesen.

Worin liegen aus Ihrer Sicht die hauptsächlichen Ursachen für Zwischenfälle mit Drohnen?

Die Flugsysteme sollen leistungsfähig und kostengünstig zugleich sein. Daher kommt es vor, dass die Technik versagt. Fällt beispielsweise das Steuerungssystem aus, sind die meisten Multikopter, im Gegensatz zu konventionellen Hubschraubern oder Flugzeugen, nicht mehr beherrschbar. Der Mensch ist einfach zu langsam, um die Drehzahlen der Motoren schnell genug einzustellen. Selbst ohne technische Probleme kommt der Mensch an die Grenze, wenn er die Position und Lage einer Drohne, zum Beispiel aufgrund zu großer Entfernung, nicht richtig einschätzen kann. Der so genannte »verantwortliche Steuerer« verliert somit die Kontrolle über sein Fluggerät. Zwischenfälle und Streit entstehen häufig auch dann, wenn die Regeln und Gesetze nicht eingehalten werden.

Was sind die nächsten Entwicklungsschritte im Bereich unbemannter Luftfahrtsysteme?

Momentan fehlt es vielen Drohnen noch an Fähigkeiten zur Wahrnehmung und Interpretation ihrer Umwelt. Sofern es gelingt, die erforderlichen Sensorsysteme und Algorithmen serienreif zu bekommen, werden Drohnen zu selbstständigeren Flugsystemen, die komplexe Aufgaben immer eigenständiger erledigen können. Darüber hinaus hat die European Aviation Safety Agency (EASA) ein neuartiges System zur Risikobewertung für den Betrieb von unbemannten Luftfahrzeugen angekündigt, das als Grundlage zur Erteilung von Betriebsgenehmigungen dienen wird.

 
 
 
geschrieben von  js
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