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Auf dem Weg in die Smart Cities Mittwoch, 01 August 2018 08:05 Foto: André Pause

Auf dem Weg in die Smart Cities

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort und dazu den richtigen Riecher für die Nische im Markt – bei der Braunschweiger smart microwave sensors GmbH, kurz smartmicro, kam all das zusammen. Gut 20 Jahre ist das her. 1997 als Spin-off aus der TU Braunschweig heraus von Professor Dr. Hermann ­Rohling und seinem damaligen Doktoranden und jetzigen Geschäftsführer Dr. Ralph Mende gegründet, bezog die Firma die ersten eigenen Büroräume im städtischen Technologiepark am Rebenring. Heute verfügt das Unternehmen über 3600 Quadratmeter Laborfläche direkt am Forschungsflughafen, beschäftigt 105 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von etwa 17,5 Millionen Euro. Ein Paradebeispiel für den Gründergeist und die Potenziale, die der Forschungsstandort bietet – und für einen gelungenen Technologietransfer.

 
»Es war damals die Zeit der großen Chancen«, blickt Rohling, der insgesamt elf Jahre lang Professor an der TU Braunschweig war und heute als Senior Vice President bei smartmicro ist, auf die Zeit in der Forschung zurück. »Für viele Zulieferer waren Sensoren ein Buch mit sieben Siegeln. Es war ein Gebiet mit sehr wenigen Experten, was für uns die Möglichkeit bot, gut in diesen Markt ­hineinzugehen.«

Der Professor-Bonus

Die ersten Schritte als »One- respektive Two-Man-Show« seien schwer gewesen. Einen kleinen Professor-Bonus habe es damals aber schon gegeben. »Wenn man einen Lehrstuhlinhaber als Partner dabei hat, dann genießt man bei vielen Kunden von Anfang an viel mehr Vertrauen«, gesteht Ralph Mende. Gleich der erste Kunde habe seinen Auftrag im Voraus bezahlt, was dem Start-up Freiraum gab, die Entwicklung voranzutreiben. »Wir wollten die Firmengründung alternativ finanzieren, also nicht über Bankkredite«, betont Rohling.
 
Der Entwurf, die Entwicklung, aber auch die Produktion von Radarsensoren bilden das Geschäft von smartmicro. »Wir konzentrieren uns dabei auf besonders komplexe Themen. Einfache Anforderungen wie Türöffnungen im Supermarkt machen wir nicht«, skizziert Mende.

Zwei Geschäftsbereiche: das Auto und die Kreuzung

Seit etwa zehn Jahren gliedert sich das Unternehmen in zwei Bereiche: Automotive Radar, woraus sich das weitere Geschehen abgeleitet beziehungsweise entwickelt hat, und Traffic Management. Im ersten Segment verkauft smartmicro Entwicklungsdienstleistungen. »Automobilzulieferer, die Radar-Sensorik in ihr Produktportfolio aufnehmen wollen, aber kein eigenes Know-how haben, kommen zu uns mit dem Auftrag, einen bestimmten Sensor zu entwickeln«, so Mende. Etwa zwei Jahre dauere das. Je nachdem, was der Sensor können muss, koste das Resultat zwischen 2 und 3 Millionen Euro. Für bis zu vier, fünf Kunden kann das Unternehmen gleichzeitig tätig sein.
 
»Während Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) und Bertrand als Universaldienstleister auftreten, sind wir in einer ganz engen Nische spezialisiert und haben dort eigentlich sehr wenig Konkurrenz. Viele Zulieferer wie Bosch beschäftigen inzwischen eigene 200 bis 300 Mann starke Teams, die Radare entwickeln. Es gibt aber auch viele aufstrebende Automobil­zulieferer, gerade aus Asien, die Geräte von uns entwickeln lassen. Die Produktion ist dann in Asien«, erklärt Hermann Rohling.
 

Alles selbst in der Hand

Das Geschäftsmodell Traffic Management funktioniert anders. Diese etwas größeren Sensoren werden im Haus produziert: 2017 waren es 8500, dieses Jahr sollen es 10 000 sein. Seit Beginn der Produktion vor neun Jahren hat smartmicro rund 45 000 Radare »ins Feld gebracht«: In Alaska, Japan und Südkorea – oder auf der Celler Straße in Braunschweig. Eingesetzt werden sie bevorzugt an Straßenkreuzungen: Heute um Warteschlangen an Ampeln zu messen, damit Grünphasen im Sinne eines fließenden Verkehrs geschaltet werden können, künftig sollen sie das autonome Fahren ermöglichen. »Auch wenn die Bereiche technisch nah beieinander liegen, haben wir damit zwei völlig verschiedene Geschäftsmodelle. Traffic Management macht uns noch etwas mehr Spaß, weil wir dort alles selbst in der Hand haben. Wir müssen nicht auf Erfolge des Kunden warten, sondern sind für unseren technischen und kommerziellen Erfolg selber verantwortlich«, verdeutlicht Mende.
 
Gegenwärtig ist der Zuspruch anderswo noch stärker als hierzulande. »Wir sind sehr international, machen 95 Prozent unseres Umsatzes im Ausland: in den USA, in Russland oder auch in Brasilien. In Deutschland und Europa ist das Thema Radar-Sensorik für die Verkehrsüberwachung noch relativ jung. Zudem ist es eine sehr konservative Branche. Da müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten«, sagt Daniel Reitenauer, als Head of Sales and Marketing zuständig für Traffic-Management-Sensoren, Ampelsteuerungen und Statistikerhebungen bei smartmicro. Großes Wachstumspotenzial sehen die Verantwortlichen des Unternehmens, das auch Radartechnik für Flugzeuge und für die Sicherheitsüberwachung von Industrie­objekten produziert, insbesondere in der Radartechnologie für das autonome Fahren, die Car-to-­Infrastruktur-Kommunikation und für das Verkehrsmanagement beziehungsweise die Smart Cities.
 
Bild ganz oben: IHK-Präsident Helmut Streiff (m.) hat sich mit Unternehmensleitung der smart microwave sensors GmbH am Firmensitz im Braunschweiger Forschungsflughafencluster ausgetauscht: Daniel Reitenauer, Professor Dr. Hermann Rohling, Dr. Ralph Mende und Stefan ­Döbbelin (v. l.).
 
 
geschrieben von  pau
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