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In Teams unternehmerische Ideen ausprobieren Freitag, 06 Juli 2018 08:48 Foto: André Pause

In Teams unternehmerische Ideen ausprobieren

Zum 14. Mal hat die Allianz für die Region im Juni die 15 ­besten Teams des Schülerwettbewerbs »promotion school« für ihre zukunftsweisenden Geschäftsmodelle ausgezeichnet. Seit 2004 führt der kreative Wettstreit Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen neun bis zwölf an Themen wie ­Entrepreneurship sowie unternehmerisches Denken und Handeln heran. Das Ergebnis auch in diesem Jahr: richtig gute, am Alltagsnutzen entwickelte Produkte. Wir haben mit Oliver Syring, Geschäftsführer der Allianz für die Region, über den Wettbewerb gesprochen.



Herr Syring, das unternehmerische ­Denken und Handeln steht heute stärker im gesellschaftlichen Fokus als zu der Zeit, als promotion school das erste Mal durchgeführt wurde. Wie ist die Idee damals entstanden, und wie wurde daraus der Wettbewerb, der er heute ist?

Die Wolfsburg AG – die promotion school 2004 ins Leben rief – hat schon immer Start-ups gefördert und beraten. In diesem Zusammenhang hat sie auch bundesweit Businessplan-Wett­bewerbe für junge, erwachsene Unternehmer durchgeführt. Bei der Auseinandersetzung mit der Frage, wie man Gründungen in Deutschland fördern kann, entstand schnell die Idee, mit dem Thema Gründungen früher im Leben anzusetzen. Zudem wollten wir einen regionalen Fokus anlegen. Das war der Anfang von promotion school. In dieser frühen Phase hat uns dann Professor Günter Faltin von der Freien Universität Berlin begleitet, der Wegbereiter des Entrepreneurship in Deutschland. Mit seiner Unterstützung haben wir Formate entwickelt, die für Schülerinnen und Schüler geeignet sind, und die spannenden Aspekte von Geschäftsmodellen betonen. Wir haben die Veranstaltungen dann mehr und mehr in Eigenregie durchgeführt. Und auch die Teilnehmerzahlen haben sich im Lauf der Jahre sehr stark weiterentwickelt. War promotion school zunächst nur ein kleiner Wettbewerb mit einigen Wolfsburger Schulen, kamen später dann Schulen aus der ganzen Region dazu.

Wie entwickelt sich das Format seither? Oder besser: Wie wird es von der Wolfsburg AG und der Allianz für die Region GmbH (seit 2013 dabei) entwickelt?

2004 ist der Wettbewerb mit 58 Teilnehmern in Wolfsburg gestartet. 2008 kamen die Landkreise Gifhorn und Helmstedt hinzu. Seit 2013 sind wir in der gesamten Region aktiv. Mit den Jahren kamen immer mehr Teilnehmer und Schulen dazu, 2018 waren mehr als 800 Schüler dabei. Insgesamt haben bisher über 6000 Jugendliche bei unserem Wettbewerb teilgenommen. Der Grund für diese erfolgreiche Entwicklung ist, dass wir mit promotion school im besten unternehmerischen Sinne selbst ein Produkt mit hohem Kundennutzen entwickelt haben. Bei unseren Zielgruppen, zum einen sind das die Schülerinnen und Schüler, zum anderen Lehrkräfte, wird durch den Wettbewerb ein unmittelbares Bedürfnis erfüllt. Dies schaffen wir, indem wir den Wettbewerb laufend den Anforderungen anpassen. Mit jedem Durchgang ändert sich promotion school etwas.

Wir befinden uns inmitten der sogenannten digitalen Transformation. Inwiefern wirkt sich dieser Umstand auf promotion school aus?

Seit vielen Jahren beobachten wir bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Trend zur App als Geschäftsidee zur Problemlösung. Die Digitalisierung ist also schon in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler angekommen. Und das ist gut so. Digitalisierung und Globalisierung führen zu einer Zunahme an Komplexität und Schnelligkeit. Verschärfter Wettbewerb, Ausdifferenzierung von Kundenwünschen und immer kürzere Produktlebenszyklen machen es erforderlich, Geschäftsmodelle immer wieder anzupassen. Dem Geschäftsmodell kommt also eine immer größere Bedeutung zu. Dies vermitteln wir auch den Schülern. Und auch die Geschäftsmodelle, die die Jugendlichen entwickeln, haben fast immer eine digitale Komponente. Das kann neben der Entwicklung einer App auch eine Dienstleistung sein, die das Internet stark zur Vermarktung nutzt.

Auch der Wettbewerb selbst wird digitaler: So gibt es seit diesem Jahr zum Beispiel die Inhalte unserer Ideenkreation als Webinar, das die Lehrer im Unterricht einsetzen können, wenn sie diesen Themenblock nochmal außerhalb unserer Workshops durchnehmen.

Die Teilnehmer arbeiten in Camps auf dem Gelände der Wolfsburg AG. Die Schüler kommen allerdings aus der gesamten Region, zum Beispiel aus Peine oder Salzgitter. Wie lässt sich der Aufwand meistern? Und wie steht es um die Vereinbarkeit von Wettbewerb und regulärem Unterricht?

Der Wettbewerb bietet im Verlauf verschiedene Workshops an. Zum Auftakt gibt es Workshops zur Ideenkreation, die den Schülern helfen, eine eigene Geschäftsidee zu entwickeln. So lernen die Jugendlichen hier zum Beispiel verschiedene Kreativitätstechniken und Prinzipien der Ideenentwicklung kennen. Nach ein paar Wochen bekommen sie in den Workshops zum Feinschliff der Geschäftsideen durch Experten erste Feedbacks zu ihren Geschäftsmodellen. Dann reichen die Teilnehmer ihre Ausführungen bei uns ein. Die besten Ideen schaffen es in die promotion school Camps. Bei diesen Camps lernen die Schüler, wie man eine Geschäftsidee optimal präsentiert und stellen ihre Ideen auf einem Projektmarkt der Jury vor. Diese wählt dann die Gewinner des Wettbewerbs aus.

Aufgrund der weiten geografischen Ausdehnung führen wir den Wettbewerb und alle seine Veranstaltungen in drei Teilräumen durch: ­Gifhorn und Wolfsburg im Norden, Braunschweig, Helmstedt und Wolfenbüttel in der Mitte, sowie Goslar, Peine und Salzgitter im südwestlichen Bereich. Die Anfahrtwege sind also in der Regel kurz, zumal wir auf Wunsch Veranstaltungen auch in den Schulen durchführen.

Promotion school ist inzwischen in vielen Fällen curricular verankert, so dass die Vereinbarkeit mit dem regulären Unterricht kein Problem ist.

Die Zusammenarbeit erfolgt mit Profis. Bis zu welchem Grad bringen sich die Fachleute in die Schülerteams ein?

Die Profis sind zunächst die erfahrenen Mitarbeiter der Allianz für die Region GmbH. Verstärkt werden sie durch Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel des InnovationsCampus der Wolfsburg AG. Sehr gerne wird auch die fachliche Unterstützung unserer Sponsoren, der Sparkassen Gifhorn-Wolfsburg und Hildesheim Goslar Peine angenommen. Auch Vertreter der regionalen Hochschulen engagieren sich. Schließlich sind auch die Feedbacks der Wettbewerbsjury auf den promotion school Camps willkommen.

Die Experten nehmen an unterschiedlichen Workshopformaten teil. Sie erarbeiten hier zum Beispiel gemeinsam mit den Schülern Geschäftsideen oder geben Feedback zu bereits bestehenden Gedanken. Zudem sind sie in die Vorbereitung der Jugendlichen auf die Präsentation während der Projektmärkte eingebunden. Teilnehmer können auch während des ganzen Wettbewerbs um Rat fragen.

Als ein besonderes Highlight ist auch die Entrepreneurship-Vorlesung zu nennen, die Professor Reza Asghari, Inhaber des Gemeinschaftslehrstuhls für Entrepreneurship der TU Braunschweig und der Ostfalia Hochschule, zu Beginn jedes Wettbewerbsdurchgangs hält und den Schülern erste wichtige Grundlagen zu diesem Thema vermittelt.

Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten werden Ihrer Ansicht nach mit »promotion school«, mit der Arbeit im Camp, besonders entwickelt und wie hilft den Teilnehmern das im Nachhinein?

Über den gesamten Wettbewerb wird unternehmerisches Denken und Handeln angesprochen: Die Auseinandersetzung mit Kunden, Märkten und Geschäftsmodellen. Ein wertvoller Zusatz ist außerdem das Arbeiten in Teams und das Trainieren von Präsentationstechniken. Im Camp wird zusätzlich intensiv Rhetorik vermittelt und praktisch angewendet.

Die Schüler vertiefen bei promotion school also nicht nur ihr wirtschaftliches Fachwissen. Nebenbei erlangen sie überfachliche Kompetenzen, die ihnen später einmal den Einstieg in die komplexe Arbeitswelt erleichtern. Diese Schlüsselqualifikationen werden immer wichtiger, da die zunehmende Digitalisierung das Berufsleben von morgen massiv prägen wird. Moderne Arbeitstechniken und Denkansätze wie Design Thinking und Prototyping, die die Jugendlichen hier kennenlernen, unterstützen sie dabei, diese Herausforderungen zu meistern.

Stichwort »Best Practice«: Sind aus den bislang 1800 Projekten Start-ups entstanden?

Ja, das ist nach Abschluss der Schulphase bei einigen Teams auch passiert. Darüber hinaus wurden Projekte auch in Schülerfirmen weitergeführt oder bei unserem Geschäftsideenwettbewerb »Idee« eingereicht. Die meisten Teilnehmer werden allerdings kein eigenes Unternehmen gründen. Vielmehr werden sie die Gedanken und Prinzipien des Entrepreneurship, die sie bei promotion school kennengelernt haben, in anderer Weise umsetzen, zum Beispiel als Intrapreneur bei ihrer Arbeit in einem bestehenden Unternehmen. Durch promotion school werden sie also gut auf den modernen Arbeitsmarkt vorbereitet. Dies ist auch das Hauptziel des Wettbewerbs.

Werden vielversprechende Ideen über den Wettbewerb hinaus in irgendeiner Form weiterbetreut? Wenn ja, wie gestaltet sich diese Form der Förderung?

Ja, dies geschieht, teilweise auf Initiative von Jurymitgliedern, teilweise fragen auch Schüler oder Lehrkräfte an. Wenn es vielversprechende Ideen gibt, stehen wir natürlich auch nach Ende des Wettbewerbs weiter zur Seite und vereinbaren die individuell nötigen Folgemaßnahmen.

Die grundsätzliche Bereitschaft zum Gründen ist stark zurückgegangen. Kann das Format da eine Anstifter-Funktion übernehmen? Und was muss Ihrer Ansicht nach gesamtgesellschaftlich respektive politisch geschehen, um das Gründen wieder attraktiver zu machen?

Es ist richtig, den Gedanken des unternehmerischen Denkens und Handelns möglichst früh zu platzieren. Die Schule ist dafür ein guter Ort und promotion school ein beliebtes und sinnvolles Programm. Um die Attraktivität des Gründens zu steigern, muss sich die Gründerkultur allerdings in Deutschland weiterentwickeln. So müssen wir zum Beispiel lernen, dem Scheitern von Gründern eine andere Bedeutung beizumessen und es eher als Lernprozess zu sehen. Wer mit der ersten Gründung scheitert, wird diese Fehler bei der nächsten Gründung nicht mehr machen, so dass sein nächstes Projekt erfolgreicher sein wird. Zu diesem Kulturwandel wollen wir mit promotion school auch beitragen. Unsere Teilnehmer sollen sich trauen, eine unternehmerische Idee später auch auszuprobieren. Und auch wenn das Thema Gründen gerade en vogue ist, kommt es uns hierbei vorrangig auf die Qualität und nicht die Quantität an.

Bild ganz oben: Die 15 ­besten Teams des Schülerwettbewerbs »promotion school« mit den Jury-Mitgliedern im Vordergrund.
 
 
 
 
geschrieben von  pau
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