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Wissens- und Technologie­transfer im Fokus Freitag, 02 März 2018 12:47 Foto: André Pause

Wissens- und Technologie­transfer im Fokus

Innovative Ideen finden, zielgenaue Kontakte anbahnen und neue Technologie vermarkten: Der Wissens- und Technologietransfer ist vielfältig und komplex. Schon jetzt übernimmt die Technische Universität Braunschweig an der Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis häufig die Vermittlerrolle zwischen Unternehmen und Forschungspartnern. Die IHK Braunschweig wiederum vergibt nicht nur einmal pro Jahr den Technologietransferpreis, sie ist mit ihren Mitarbeitern in den Geschäftsfeldern Standortpolitik, Unternehmensförderung, Aus- und Weiterbildung, Innovation und Umwelt, International und Recht zudem kompetenter Ansprechpartner, wenn es darum geht, Ideen und Projekten aus der Wissenschaft einen betriebswirtschaftlichen Rahmen zu geben.

Zum Jahresauftakt haben eine TU-Delegation mit Präsidentin Professorin Anke Kaysser-­Pyzalla an der Spitze und IHK-Präsident ­Helmut Streiff gemeinsam fünf Unternehmen im Kammer­bezirk besucht, um sich vor Ort ein Bild davon zu machen, unter welchen unternehmerischen Bedingungen der Wissens- und Technologietransfer erfolgreich praktiziert werden kann.

Simtec Systems

Zum Auftakt ging es in die Nähe des Braunschweiger Forschungsflughafens zu Simtec Systems GmbH. Hier stellte Geschäftsführer Bernd Kaufmann in einer umfangreichen Präsentation zunächst die Entwicklung der Unternehmensbereiche vor. 1989 gegründet, ist der Hidden Champion heute Hersteller von kundenspezifischen Simulatorsystemen für den Entertainmentbereich sowie für Anwendungen in der Flug- und Fahrsimulation und hat außerdem Anlagen zum Testen von Automobil- oder anderen Fahrzeugkomponenten (zum Beispiel Tanks oder Sitze) im Portfolio. Im hauseigenen Trainingszentrum bietet die Simtec simulation technology GmbH darüber hinaus bereits seit 1994 Pilotentraining für den Flugzeugtyp Dornier 228 an. Im Anschluss an den Vortrag nahm ein Großteil der Delegation begeistert Platz im Simulator. Ebenfalls beeindruckend: die vielsitzigen Fahrkabinen der fliegenden Theater, mit denen der Simtec-Gruppe Ende der Nullerjahre der Sprung nach Fernost gelang. In Shanghai und Wuhan wurde mit der Simtec Asia Co. Ltd. unlängst eine hundertprozentige Tochterfirma gegründet. Bei den Aufbauarbeiten der komplexen Anlagen in China, so Bernd Kaufmann, seien allerdings immer Bauleiter aus Deutschland anwesend. »Mittlerweile macht der Entertainmentbereich etwa 80 Prozent des Gesamtumsatzes aus«, sagt der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe, die auf eine Ausgründung aus dem Institut für Flugführung der TU Braunschweig zurückgeht.

GOM

Ebenfalls eine erfolgreiche TU-Ausgründung, ebenfalls ein Hidden Champion – das ist die GOM GmbH. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt seit 1990 eigentümergeführt Software, Maschinen und Anlagen für die industrielle und automatisierte 3-D-Koordinatenmesstechnik und 3-D-Testing auf Basis neuester Forschungsergebnisse und innovativer Technologien. Vor rund zwei Jahren sind die Mess-­Spezialisten aus den Panther-Werken in die neue Firmenzentrale nach Braunschweig-­Rüningen gezogen. In den acht Niederlassungen der GOM sind derzeit 500 Mitarbeiter beschäftigt, zum weltweiten Netzwerk gehören mehr als 1000 Menschen an rund 60 Standorten. »Allesamt Leute, die sich für ihre Märkte einsetzen«, betont Geschäftsführer Dr.-Ing. Detlef ­Winter, der dem ­Unternehmen gleichberechtigt mit Dr.-Ing. ­Konstantin ­Galanulis vorsteht. Aktuell sei GOM der einzige Hersteller, der Hard- und Software im Bereich Messtechnik in dieser Intensität entwickelt. Das Erfolgs­rezept? Klingt wunderbar einfach: »Das Gute ist, dass Mathematik umsonst ist«, sagt Winter augenzwinkernd. Ansonsten hätte die rasante Entwicklung des Unternehmens auch viel mit Glück zu tun, zumindest zu Beginn. So habe man zum Beispiel in den 90er-Jahren bei der Speicherentwicklung im Institut der TU viele Freiheiten genossen.

Maschinenfabrik Kurt ­Neubauer

Nicht in die Töpfe beziehungsweise in die Kombidämpfer ließ der Geschäftsführer der Maschinenfabrik Kurt Neubauer GmbH & Co. KG (MKN), IHK-Vizepräsident Georg Weber, seine Gäste schauen, sondern gleich in den gesamten Produktionsbereich des Traditions­unternehmens für thermische Profikochtechnik. Auf dem Firmen­gelände im Süden Wolfenbüttels entsteht derzeit ein neues 3200 Quadratmeter großes Produktions­zentrum samt Büro- und Sozial­trakt. Zwei Themen ziehen sich wie ein Roter Faden durch die Fertigung: Flexibilisierung und schlanke Produktion (»Steigerung durch Strukturen«). Zum einen stehen ganze Montage-­Bereiche auf Rollen, darüber hinaus wurden Fertigungslinien zum Teil stark verkürzt und dadurch noch effizienter. Quasi vollautomatisch erfolgt die Just-in-Time-­Blechbearbeitung, was den Material­umlaufbestand »dramatisch reduziert« habe. Die 3,5 Millionen Euro teure Maschine von Salvagnini erledigt in 30 Minuten Falzarbeiten, für die von Hand eine ganze Woche eingeplant werden müsste. MKN – 1946 als Dreimann­betrieb gegründet und mittlerweile Arbeitgeber für rund 500 Beschäftigte – stehe zum »Geist der Veränderung«, so Georg Weber.

Hoffmann Maschinen- und Anlagenbau

»Der Ausbau der Wissensvermittlung und Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft liegt uns besonders am Herzen. Bereits seit 2016 arbeiten wir in einem Projekt mit der Technischen Universität Braunschweig zusammen und profitieren vom gegenseitigen Austausch«, sagt IHK-Vizepräsident Tobias Hoffmann, Geschäftsführer der Hoffmann Maschinen- und Apparatebau GmbH. Neben einer Führung durch die Fertigung des Unternehmens für Filter- und Kältetechnik in Lengede und Broistedt sowie einem Austausch über bereits realisierte Projekte, bot das Zusammentreffen mit TU-Präsidentin Kaysser-­Pyzalla nebst Kollegen sowie IHK-­Präsident Helmut Streiff ausreichend Spielraum für die Planung neuer Kooperationen.

Siemens Mobility

Letztere gibt es zwischen der Mobility Division der Siemens AG – dem weltweit größten Signaltechnik-Standort und größten Standort des Konzerns in Norddeutschland – und der TU bereits seit geraumer Zeit. Thorsten Sponholz, Sprecher der Betriebsleitung am Standort Siemens Braunschweig und kaufmännischer Leiter der Entwicklungs- und Produktmanagementabteilungen der Rail Automation, stellte beim Besuch der Delegation in der Ackerstraße angesichts der bevorstehenden Herausforderungen durch die Fusion der Zugsparten von Alstom und Siemens sogar eine Intensivierung der Zusammenarbeit in Aussicht. Anschließend führte Werkleiter Dr. Ralph Schneider die Gäste durch das Haus. Den Höhepunkt hierbei bildete der Besuch jener Abteilung, die für die Entwicklung der autonom fahrenden S-Bahn-Züge in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen zuständig ist. Hier ließ es sich die TU-Präsidentin nicht nehmen, einmal am Simulator Platz zu nehmen.

TU-Präsidentin reaktiviert den Beratungs-Scheck der IHK Braunschweig

Im Vorfeld der fünf Unternehmensbesuche hatte Kaysser-Pyzalla den so genannten Beratungs-­Scheck der IHK Braunschweig reaktiviert, der vor einigen Jahren vom damaligen TU-­Präsidenten Professor Dr. Jürgen Hesselbach und dem heutigen IHK-Präsidenten aus der Taufe gehoben wurde. Dieser symbolische Beratungs-Scheck beinhaltet eine kostenlose Erstberatung durch einen Professor oder wissenschaftlichen Mitarbeiter der TU Braunschweig zu einer speziellen technischen Problemstellung eines IHK-zugehörigen Unternehmens. Natürlich kann jeder Unternehmensvertreter auch jeden Professor direkt ansprechen. Die Besonderheit des Beratungs-Schecks, der vorrangig auf kleinere und mittlere Unternehmen ausgerichtet ist, besteht jedoch darin, dass die IHK über ihre Innovationsberatungsstelle im ersten Schritt von Unternehmen mit ihrem spezifischen technischen Problem angesprochen werden kann und nach entsprechender Prüfung einen Kontakt zu dem »richtigen Wissenschaftler« herstellt.

Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtschafts-Ing. Peter Peckedrath, Leiter der Innovations­beratungsstelle, E-Mail: peter.peckedrath@braunschweig.ihk.de, Tel.: 0531 4715-281.

Bild ganz oben: Werkleiter Dr. Ralph Schneider (l.) und ­Thorsten Sponholz, Sprecher der Betriebs­leitung am Standort Siemens Braunschweig (M.), führten die Delegation um TU-Präsidentin Professorin Dr. Anke Kaysser-Pyzalla durch die Werkhallen.

geschrieben von  pau
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