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Ein Beispiel für gelungene Inklusion bei der DPD GmbH in Salzgitter Freitag, 12 Januar 2018 10:10 Foto: André Pause

Ein Beispiel für gelungene Inklusion bei der DPD GmbH in Salzgitter

»Ich kämpfe mich überall durch«: Mit diesen überraschend offenen Worten erläuterte die Auszubildende Kimberly Wagner im Dezember den Teilnehmern des »Runden Tisches Inklusion«, wie mühsam ihre Suche nach einem Ausbildungsplatz war. Doch es gibt einen guten Grund, dass die Veranstaltung der IHK Braunschweig und des Unternehmens-Netzwerks INKLUSION bei der DPD Deutschland GmbH in Salzgitter stattfand – Kimberly Wagner hat dort endlich einen Ausbildungsplatz gefunden, der ihr Spaß macht und ihren körperlichen Bedürfnissen gerecht wird. Denn: Die junge Auszubildende ist seit dem Kindesalter auf einen Rollstuhl angewiesen und benötigt zudem eine Arbeitsassistenz.

Was lange währt, wird endlich gut

Der Weg dahin war sowohl für Kimberly ­Wagner als auch für DPD ein langer. Steven Klaaßen, Niederlassungsleiter des DPD-Stand­ortes in Salzgitter, besuchte im Jahr 2015 gemeinsam mit der DPD-Personal­referentin Janina Bednar die Auftaktveranstaltung des Inklusionsprojekts der IHK Braunschweig und hat sich dort erstmalig mit dem Thema inklusive Ausbildung auseinandergesetzt. »Wären wir damals nicht auf dieser Veranstaltung gewesen, hätten wir wahrscheinlich nicht weiter gewusst, als Frau Wagner sich bei uns beworben hat. Dadurch war uns aber noch in Erinnerung, dass es in solchen Fällen Unterstützungsmöglichkeiten gibt, und wir haben uns an Frau Reich gewandt«, so Bednar. Kimberly Wagner hat bei DPD eine Chance bekommen, wurde zum Bewerbungsgespräch eingeladen und konnte Steven Klaaßen und Janina Bednar sofort von ihrer fröhlichen, aufgeschlossenen und optimistischen Art überzeugen. »Nachdem für uns feststand, dass wir Frau Wagner gerne ausbilden möchten, hat Frau Reich uns an die richtigen Ansprechpartner der Agentur für Arbeit weitergeleitet und dann ging alles ganz schnell. Zwei Tage später stand der Technische Beratungsdienst der Agentur für Arbeit bei uns im Büro«, berichtet Klaaßen.

Einfach kann jeder – im Fall von Frau Wagner mussten zunächst einige Hürden genommen werden, bevor sie mit ihrer Ausbildung starten konnte. Um zu ihrem Büro gelangen zu können, wurde ein Fahrstuhl eingebaut. Außerdem wurden die Eingänge zu den sanitären Anlagen verbreitert. Die Agentur für Arbeit hat die gesamten Kosten für den Umbau getragen. »Alles lief völlig unkompliziert, die Agentur für Arbeit hat uns großartig unterstützt. Das Einzige, was zu Verzögerungen geführt hat, waren die Handwerksarbeiten«, so Klaaßen.

»Grundeinstellung der Betriebe stimmt«

Anneke Reich, hat die Fortschritte in diesem Fall stetig verfolgt. »Die Entscheidung, einen Runden Tisch als Informationsveranstaltung für Arbeitgeber direkt bei DPD am Standort Salzgitter zu veranstalten, lag somit natürlich nah. Das Thema Inklusion lässt sich eben am besten anhand von gelebten Beispielen veranschaulichen«, erklärt die Inklusionsberaterin der IHK Braunschweig. Um noch mehr Arbeitgeber erreichen zu können, fand das Treffen gemeinsam mit Bernhard Mecke, dem Braunschweiger Vertreter für das Unternehmens-Netzwerk INKLUSION, statt. »Die Grund­einstellung der Betriebe zur inklusiven Ausbildung stimmt, wir müssen nur sicherstellen, dass sie wissen, wer ihre Ansprechpartner im ›Inklusionsdschungel‹ sind«, beschreibt Reich die für Arbeitgeber unübersichtlichen Unter­stützungsmöglichkeiten.

Die Teilnehmer des Runden Tisches hatten die Möglichkeit, ihre Erfahrungen untereinander auszutauschen, Fragen an Vertreter der Agentur für Arbeit und des Integrationsfachdienstes zu stellen sowie natürlich an den Gastgeber DPD. Ein Highlight war der Erfahrungs­bericht von ­Kimberly Wagner, die zum Ende der Veranstaltung dazugestoßen ist.

»Mit meiner Behinderung bin ich immer ehrlich umgegangen und habe in meinen Bewerbungen darauf hingewiesen. Oft hat dies direkt zu Absagen geführt, manchmal wurde ich auch zu Vorstellungsgesprächen eingeladen – dann waren die Arbeitgeber aber überrascht, dass ich doch viel Unterstützung benötige. Ich habe bestimmt 60 Bewerbungen geschrieben, ohne Erfolg«, so Wagner. Dass sie aber nie der Mut verlassen hat weiterzumachen, hat alle Anwesenden sehr beeindruckt. »Ich habe immer für das gekämpft, was ich erreichen wollte. Nun bin ich sehr glücklich darüber, bei DPD eine Chance bekommen zu haben, und ich werde mich weiter anstrengen, um auch nach der Ausbildung hier bleiben zu können«, sagte die neue ­Auszubildende motiviert.

Multiplikatoren in den Unternehmen

Nach einem abschließenden Betriebsrundgang waren die Unternehmensvertreter um viele Erfahrungen, neue Netzwerke und Anregungen reicher. Viele von ihnen bilden sogar schon inklusiv aus und wollen dies weiter vertiefen. Andere tragen die Motivation, sich nun endlich an dieses Thema zu wagen, wieder in ihre Betriebe.

Bild ganz oben: Kimberly Wagner an ihrem Arbeitsplatz.

geschrieben von  ar
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