Unsere Partner
Handelsforum: Digitalisierungsstrategien für den stationären Einzelhandel Dienstag, 23 Mai 2017 13:01 Foto: André Pause

Handelsforum: Digitalisierungsstrategien für den stationären Einzelhandel

Nach Prognosen des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln wurden von den Konsumenten im Wirtschaftsraum Braunschweig bereits im Jahr 2015 insgesamt 432 Millionen Euro im Online-Handel ausgegeben. Das entspricht rund acht Prozent des gesamten einzelhandelsrelevanten Kaufkraftpotenzials in der Region. Diese Größenordnung ist auf den ersten Blick gering, zeigt aber schon heute deutliche Konsequenzen für den Einzelhandel und die Entwicklung zentraler Versorgungsbereiche in den Kommunen. Einig sind sich die Forscher auch, dass die Bedeutung des Online-Handels noch weiter zunehmen wird. Im ­Rahmen der Veranstaltung stand daher die zentrale Frage, wie der stationäre Einzelhandel die Vorteile und Chancen des Online-­Vertriebskanals für sich nutzen kann, im Mittelpunkt.



Fast 50 Teilnehmer zählte das Handelsforum, das sich schwerpunktmäßig dem Thema »Digitalisierungsstrategien für den stationären Einzelhandel« widmete. Nach 2014 fand das Forum in der IHK Braunschweig zum zweiten Mal statt, in dem aktuelle Herausforderungen zur Einzelhandelsentwicklung in unserer Region diskutiert werden. Eingebettet war die Veranstaltung in die neue Dialog 4.0-Kooperation der IHK mit den Arbeitgeberverbänden Region Braunschweig und Harz. Dieses Veranstaltungsformat soll allen Wirtschaftsbranchen eine Informations- und Gesprächsplattform über Chancen und Nutzen der Digitalisierung bieten und Unternehmen zur Umsetzung eigener Projekte ermutigen.

In seiner Begrüßung hob IHK-Vizepräsident Joachim Wrensch hervor, dass Produkte von den stationären Einzelhändlern nicht nur im Ladengeschäft, sondern auch online angeboten werden müssen. Dabei erwarten die Kunden nicht nur einen einfachen Bestellvorgang und Angaben zur Produktverfügbarkeit im Internet, sie wollen auch online nach weiteren Artikeln stöbern, über aktuelle Trends informiert und individuell über die jeweiligen Produkteigenschaften beraten werden, so Wrensch. Die wachsende Bedeutung des Online-Handels ist nicht nur auf technische Neuerungen, sondern vor allem auch auf die fortschreitende gesellschaftliche Entwicklung und die Veränderung des Kundenverhaltens zurückzuführen. In diesem Rahmen sei es erforderlich, dass auch die stationären Einzelhändler, die bisher nicht die elektronischen Medien nutzen, die Chancen des Online-­Vertriebs für sich erschließen.

»Wrensch: Waren­bestellung im Internet schon heute alltäglich«

Handelsreferent Christian Scheffel berichtete im Anschluss über die Prognoseergebnisse des Instituts für Handelsforschung zur Einzel­handelsentwicklung im Wirtschaftsraum Braunschweig, die bereits in der März-Ausgabe 2016 der IHK-wirtschaft detailliert vorgestellt wurden. Er verdeutlichte, dass aufgrund zunehmender Online-Konkurrenz weitere Geschäftsschließungen und Verkaufsflächenreduzierungen absehbar sind. Anhand der vorliegenden Daten zeigt sich, dass sich die Einzelhandelsentwicklung räumlich differenziert vollziehen wird und nicht alle Sortimentsgruppen im stationären Einzelhandel in gleichem Maße von Absatzrückgängen betroffen sein werden. Besonders negative Auswirkungen sind für den stationären Einzelhandel in Gebieten mit schrumpfender Bevölkerungszahl zu befürchten.

»Cross-Channel ist die Zukunft«

Besondere Aufmerksamkeit anlässlich des Handelsforums erhielt der Vortrag von ­Cassandra Bolz, Projektmanagerin bei der Mittelstand 4.0-Agentur Handel, die verschiedene Digitalisierungsstrategien für den stationären Einzelhandel aufzeigte. Anhand vorliegender Bevölkerungsumfragen des renommierten Allensbach-Instituts verdeutlichte sie, dass der Anteil an Käufern, die gleichzeitig im Ladengeschäft vor Ort als auch online shoppen, im Zeitverlauf zuletzt zugenommen hat, während die Gruppe der traditionellen Konsumenten, die ausschließlich im stationären Handel Einkäufe tätigt, noch einmal kleiner geworden ist. Die Zukunft des stationären Einzelhandels liege deshalb in der aufeinander abgestimmten Verknüpfung des stationären Geschäfts mit dem Online-Handel. Schon heute gehe bei fast der Hälfte aller Käufe vor Ort eine Informationssuche im Internet voraus. Zunehmende Bedeutung erhält den Umfragen zufolge die eigene Smart-Phone-Nutzung beim Einkauf. In ihren Ausführungen gab Bolz einen Überblick über bundesweit agierende Online-Marktplätze, die den stationären Einzelhändlern einen ersten Einstieg in die Welt des Online-Vertriebs ermöglichen.

»Bolz: Marktplätze können eine echte Alternative zum eigenen Online-Shop sein«

Vorgestellt wurde anlässlich der Veranstaltung das Projekt einer Online-Plattform für den stationären Einzelhandel im Wirtschaftraum Braunschweig. Manuel Geiger von der TU Braunschweig präsentierte sein Konzept mit dem Namen »Einkaufshelden.de«, welches noch zum Jahresende 2017 etabliert werden soll. Mit seinem Vorhaben legt er besonderen Wert auf die Digitalisierung der wahrgenommenen Vorteile des Einzelhandels: persönliche Beratung und Service. Mithilfe einer mobilen App-Anwendung soll die Produktsuche sowie der Beratungsprozess online vorbereitet und letzten Endes im Geschäft abgeschlossen werden können. Für sein vielversprechendes und innovatives Konzept erhielt Geiger sehr positive Resonanz, die noch nach der Veranstaltung zu interessanten Gesprächen zwischen den Teilnehmern und den Referenten führte.

Bild oben: IHK-Handelsreferent Christian Scheffel, Tobias Kaller (Einkaufshelden.de), Cassandra Bolz (Mittelstand 4.0-Agentur Handel), IHK-Vizepräsident Joachim Wrensch und Manuel Geiger (Einkaufshelden.de, v. l.) befassten sich im Rahmen des Handelsforums mit Digitalisierungsstrategien für den stationären Einzelhandel.
geschrieben von  wo
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok