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Was wir von Karin Kampe lernen können Donnerstag, 11 Oktober 2018 08:06 Foto: Stephen Dietl

Was wir von Karin Kampe lernen können

»Es geht um Leidenschaft. Das merkt der Kunde. Wenn Sie dann noch individuell sind und etwas Besonderes anbieten, schaffen Sie es auch«, erklärt Karin Kampe das Erfolgsrezept des Unternehmens. Vor genau 50 Jahren legte ihr Ehemann Konrad Kampe am Madamenweg den Grundstein für die Konrad Kampe GmbH. Was 1968 als Ein-Mann-Betrieb im Verkaufswagen zur Belieferung von Blumengeschäften mit Gärtnereibedarf begann, ist heute der größte Fachhandel für Floristik und Dekorationsbedarf der Region – und ein inspirierender Ort auch für Privatkunden auf der Suche nach vielfältigen Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung ihres Zuhauses.

»Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, komme auch heute noch manchmal sonntags ins Geschäft, wenn etwas unerledigt ist oder ich eine kreative Idee habe«, erzählt Karin Kampe. Die 74-jährige Geschäftsführerin, als gelernte Dekorateurin damals in einem Hannoveraner Blumengeschäft beschäftigt, lernte ihren Ehemann durch Zufall bei der Arbeit kennen: er lieferte ihr für das Binden von Trockensträußen die Trockenblumen aus Braunschweig.

Ein blühendes Geschäft

Das war in den späten 70er-Jahren. Zuvor war Konrad Kampes sprichwörtlich florierendes Unternehmen vom Madamenweg in die Friedrich-Seele-Straße gezogen. Seit 1974 arbeitete er dort mit neuartigem Konzept: Der branchenweit erste Abholmarkt mit Selbstbedienung wurde in kürzester Zeit zum Erfolgsmodell. Und so ging es schon 1978 – nun mit gleichermaßen tatkräftiger wie fachkundiger Unterstützung seiner zukünftigen Ehefrau Karin – erneut in größere Räumlichkeiten, diesmal an den Braunschweiger Hauptgüterbahnhof mit einer Geschäftsfläche von 4000 Quadratmetern. 20 Mitarbeiter und die Mitgliedschaft in der Einkaufsgruppe »Florissima« ermöglichten ein rund 24 000 Artikel umfassendes Sortiment aus aller Welt.

Heute ist das Unternehmen in einem eigens errichteten Neubau im Gewerbegebiet Rautheim beheimatet. 2,5 Millionen Euro investierte Konrad Kampe im Jahr 2002 für diesen dritten Umzug: Noch größere Lager- und Verkaufsfläche, überdachte Außenbereiche sowie eine Cafeteria sollen die Aufenthaltsqualität steigern und »die Welt dekorativer Ideen«, so das Geschäftsmotto, für den Kunden noch näher am Produkt erlebbar machen.

Es liegt in der Familie

Schon Konrad Kampes Vater handelte mit Trockenblumen, lange bevor diese von den leichter zu handhabenden Kunstblumen aus Seide – und anschließend von den täuschend echt aussehenden, detailliert geprägten Kunststoff-­Varianten – abgelöst wurden. Doch statt sich im Betrieb seines Vaters ins gemachte Nest zu ­setzen, ging der älteste Sohn lieber eigene Wege, überließ seinem Bruder den Familien­betrieb und eröffnete ein Geschäft am ­Madamenweg. Die anschließende Erfolgsgeschichte gibt ihm Recht: Bereits nach wenigen Jahren belieferte er 90 Blumengeschäfte in der Region.

Doch derlei unternehmerischer Ehrgeiz hat seinen Preis: »Mein Mann hat das Geschäft fast 50 Jahre lang um sieben Uhr morgens geöffnet und um sieben Uhr abends geschlossen, hat sich nie viel Freizeit oder gar Urlaub gegönnt«, erzählt Karin Kampe. Und während der Geschäftsführer den Betrieb vor Ort am Laufen hielt, reiste seine Frau mit handgemachten Prototypen – vom bemalten Osterei bis zum aufwendigen Blumengesteck – nach Fernost zu den Produzenten. »Ich flog quasi mit einem Osterei nach China und kam mit 10 000 Eiern wieder zurück nach Braunschweig.«

Die Konkurrenz schläft nicht

Den Höhepunkt erreichte das Geschäft mit Blumen und dekorativen Elementen Anfang der 90er Jahre: »Die Zeit nach der Wende war auch für unseren Betrieb die Hochphase. Das war für die Menschen aus dem Osten hier ein buntes Eldorado. Da erhielten wir teilweise gar nicht schnell genug Nachschub von unseren Produzenten«, erinnert sich Karin Kampe leicht wehmütig. 23 Mitarbeiter konnte man daher zeitweise beschäftigen. Später wurde es zunehmend schwieriger: Das klassische Blumengeschäft, ursprünglich Hauptkunde von Kampe, ist inzwischen fast schon eine Rarität geworden. Rund 30 werden regional noch regelmäßig beliefert.

Für den Ausgleich sorgen auf Kundenseite beispielsweise Dekorateure und Hotels sowie eine Expansion über die Stadt- und sogar ­Landesgrenzen hinaus. Und natürlich die Vielfalt im Sortiment: Von handgesteckten Trocken- und Kunstblumen über Keramik und Wohnaccessoires bis hin zu Kerzen und Korbwaren aus aller Welt – bei Kampe finden heute Hoteliers und Privatkunden gleichermaßen nahezu alles, womit sich Räume individuell gestalten lassen. Dennoch bleibt es ein zunehmend härter umkämpftes Geschäft: »Auf immer mehr Artikel, die wir im Sortiment vorrätig haben müssen, kommen immer weniger Kunden«, fasst Karin Kampe die schwierige Situation des Einzelhandels zusammen. Zudem biete heute jeder größere Supermarkt eigene Frisch­blumen an, jede Möbelhaus-Kette Unmengen an Deko-Artikeln aus billigerer Massenproduktion. Vom Sortiment der bekannten Internet-Giganten ganz zu schweigen.

Mit Klasse gegen Masse

Kampe setzt daher auf Individualität und das persönliche Erlebnis vor Ort. Die Verkaufsräume werden regelmäßig von zwei externen Floristik-Meistern künstlerisch gestaltet, die halbjährlichen Hausmessen locken immer wieder scharenweise Besucher und die Chefin legt bei vielen Artikeln auch heute noch selbst Hand an, erschafft liebevolle Unikate, die sich von der Massenware der international agierenden Konkurrenz abheben. »Nur so kann man heute noch als lokaler Mittelständler auf dem überfluteten Markt und angesichts der um sich greifenden Geiz-ist-geil-Mentalität bestehen«, weiß Karin Kampe und ist trotz allem zuversichtlich.

Ein persönlicher Schicksalsschlag hat die Situation für die Kampe GmbH in jüngerer Vergangenheit jedoch nicht gerade vereinfacht: Konrad Kampe leidet an Alzheimer und musste sich inzwischen krankheitsbedingt zurückziehen. Seitdem leitet seine Ehefrau gleichermaßen routiniert wie leidenschaftlich die Geschäfte. Im stolzen Alter von 74 Jahren macht man sich natürlich trotzdem bereits konkrete Gedanken über das betriebliche »Danach«, denn die Ehe blieb kinderlos. Man ist also schon jetzt auf der Suche nach einem engagierten und begeisterungsfähigen Jungunternehmer, der das Geschäft in einigen Jahren übernehmen und erfolgreich in die Zukunft führen kann. Initiativbewerbungen jederzeit willkommen.

Bild ganz oben: Karin Kampe hat mit ihrem Fachhandel, ­Floristik und Dekorationsbedarf ihr Hobby zum Beruf gemacht.

 
 
 
 
geschrieben von  die
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